Christenverfolgungen

 

Was Jesus seinen Jüngern voraussagte: „Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen“, hat sich nicht nur an den Aposteln, sondern auch an allen seinen treuen Bekennern erfüllt. Durch Leiden und Bedrängungen, durch Kerker und Folter, durch Verfolgung und Blut sind sie geläutert und vervollkommnet, sie haben gläubig geduldet und auf den vertraut, der versichert hat: „Mein ist die Rache, ich will vergelten.“ Wie wahr der Herr gesprochen hat, weist die Geschichte der Christenverfolgungen nach: In allen Jahrhunderten hat es Christenverfolgungen gegeben, aber alle Verfolgungen haben den Untergang der Verfolger und das Heil der Kirche befördert.

 

Wer hat nicht von den grausamen Verfolgungen gelesen, unter denen die Christen der ersten drei Jahrhunderte litten? Wer erschrickt nicht bei den übermenschlichen Qualen, mit denen man die Christen von ihrem Glauben und ihrer Gottesliebe losreißen wollte? Das Blut der jungen Kirche floss in Strömen, und die Arglist der Hölle wie die Bosheit der Feinde des Christentums erschöpfte sich in Erfindungen von Todesqualen, um das Christentum auszurotten. Aber „das Blut der Christen war der Same neuer Christen“. Der Passionszeit folgte das jubelnde Halleluja der Auferstehungsfeier der Kirche Jesu Christi, als dem Kaiser Konstantin die Siegesfahne der ewigen Wahrheit vorschwebte und dem Blutgemetzel der Friede folgte. Hat denn unter den christlichen Kaisern und Gewalthabern die Verfolgung der Kirche aufgehört? Keineswegs. In allen Jahrhunderten, auch in unserem 21. Jahrhundert nach Christi Geburt, hat die Kirche ihre Verfolger. Bald bedrohten die Andersgläubigen mit ihren falschen Lehren die Kirche des Herrn, bald maßten sich die weltlichen Herrscher Eingriffe in die unveräußerlichen Rechte der Kirche an, bald beförderten die Großen und Mächtigen der Erde unwürdige Personen auf die einflussreichsten kirchlichen Pfründen, bald suchte man mit Zwangsmaßregelungen die Diener der Kirche den ungerechten Forderungen des Staates zu unterwerfen, und bis auf den heutigen Tag hören die Feinde der christlichen Religion nicht auf, heimlich und öffentlich den Stuhl Petri und alles katholische Leben und Wirken zu untergraben. Aber Gott im Himmel sieht das. Wir finden in der Geschichte und im täglichen Leben bestätigt, dass alle Verfolgungen den Untergang der Feinde und das Heil der Kirche befördert haben. Wie endeten die mächtigen Cäsaren Roms, die mit den Martern der Christen sich selbst und das entartete Volk belustigten? Sie sind fast ausnahmslos elend umgekommen, ihre Bildsäulen sind im Staub zerfallen und ihr Andenken ist beschmutzt und wird verachtet. Was für einen Lohn erntete Sueno für seine Gräueltaten gegen die Christen? Verbannung, Schmach und Elend. Was ist aus den christlichen Kaisern und Fürsten geworden, die die Kirche in ihren treuesten Dienern verfolgten? Schlagen wir die Jahrbücher der Geschichte auf, zeigen sie, wie Gott seine treuen Kinder nicht verlässt, hingegen die Angriffe gegen seine Braut auf Erden mit strengen Strafen ahndet. Was zum Verderben der Kirche geplant wurde, schlug immer zu ihrem Besten aus. Deswegen preisen wir die Zeiten der Verfolgungen als die glänzendsten der christlichen Jahrhunderte. Wer Augen hat zu sehen, bemerkt auch in unseren Tagen ein Schauspiel, wie man es vor kaum einem Jahrhundert für unmöglich hielt. Der römische Stuhl sah sich häufig von allen Mächten der Welt verlassen, den katholischen nicht ausgenommen, von den Feinden verhöhnt, seines Besitztums beraubt. Man strebte und strebt bis heute, den Einfluss Roms zu lähmen, die Bischöfe vom Mittelpunkt der Einheit zu trennen, man warf und wirft heute wieder Bischöfe und Priester und Ordensleute ins Gefängnis, weil sie ihre heiligen Pflichten erfüllen, man entzog den Geistlichen ihr Einkommen, um sie durch Hunger gefügig zu machen, aber es traf stets das Gegenteil ein von dem, was man beabsichtigte: das katholische Volk schloss sich fester an seine drangsalierten Geistlichen und unterhielt sie mit schweren Opfern, die Geistlichkeit scharte sich unentwegt um ihre Bischöfe, die Bischöfe standen fest um das Oberhaupt der Kirche. Und in unseren Tagen bringen nicht nur die katholischen Mächtigen und Völker, sondern selbst die Protestanten und Atheisten dem Papst ihre Huldigungen und Geschenke dar. Staunend und jubelnd erkennen wir die Wahrheit des göttlichen Wortes: „Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen“, auch nicht die aggressiven und vielfältigen Angriffe auf die Kirche und auf viele Christen in unserer Zeit zu Beginn des dritten Jahrtausends nach der Geburt unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus.