Vierzig Jahre lang ein Bettler

 

Vierzig Jahre lang ein Bettler

 

Felix wurde im Alter von 32 Jahren ein Kapuziner. Die Kapuziner sind ein Bettelorden. Sie dürfen keine Felder und Wiesen haben und kein Geld zusammenbehalten. Was sie brauchen, müssen sie betteln, und wenn sie mehr haben, als sie brauchen, schenken sie es den Armen. – Weil Felix stark und groß war, bestimmte ihn der Vorgesetzte zum Bettler für das Kloster. 40 Jahre lang blieb Felix in diesem Amt. Jeden Morgen nahm er den Sack auf den Rücken und ging von Haus zu Haus, um Lebensmittel und Kleidungsstücke für seine Mitbrüder zu sammeln. Bettler sein, ist gewiss ein niedriger Stand, es gibt gar keinen niedrigeren, und doch ist jetzt Felix einer der berühmtesten Männer geworden. Wieso? Felix ist nämlich ein Heiliger geworden. Jedes Jahr, am 18. Mai, wird ihm zu Ehren ein eigenes Fest gefeiert und viele Priester lesen ihm zu Ehren an diesem Tag eine heilige Messe. Tausende und Tausende von Menschenkindern haben den Namen „Felix“ schon in der heiligen Taufe bekommen und viele Kirchen wurden dem großen Heiligen zu Ehren erbaut. So wird Felix schon auf Erden geehrt und wie wird er erst im Himmel von Gott selbst geehrt werden!

 

Wie aber hat Felix sich alle diese Ehren verdient? Einfach dadurch, dass er demütigen Herzens immer das getan hat, was Gott und die Vorgesetzten im Kloster von ihm verlangten. In diesem Streben, in allem Gottes heiligen Willen zu erfüllen, war Felix keine Arbeit zu gering, keine Mühe zu groß. Nie hat er über das harte Bettleramt, das man ihm aufgelegt hatte, geklagt, nie hat er gemurrt, wenn man ihn als unwillkommenen Bettelbruder beschimpfte und ohne Gabe fortjagte, hat alles Gott zuliebe getan und alles Gott zuliebe ertragen und seine demütigende Bettlerarbeit durch gute Meinung und fortwährende Selbstverleugnung geheiligt. – So wurden die niedrigsten Dienste, die Felix dem Kloster tat, Gott wohlgefällige Werke und der arme Klosterbruder ist jetzt ein großer Heiliger im Himmel. Am heiligen Felix haben sich die Worte so recht bewahrheitet: „Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht.“

 

Die Beichte

 

Ach die leidige Beichte! Ist sie vergessen? Ist sie nicht mehr zeitgemäß? In manchen Kirchen erahnt man sie noch. Die Beichtstühle atmen noch etwas von dem einst selig- und glücklichmachenden Sakrament.

Schon der Heide Plato sagte: "Hat jemand ein Unrecht begangen, so muss er das Unrecht aufgeben, sich anklagen und die Missetat nicht verheimlichen. Man muss auftreten als der erste Ankläger seiner selbst."

 

Aber im 21. Jahrhundert gibt es doch keine persönlichen Sünden, keine eigene Schuld mehr, sagt man, denkt man, meint man. Es ist auch einfacher. Die Umstände, die Erziehung, andere Menschen, der Zufall war schuld. Ich doch nicht!

Luther schreibt nach seinem Abfall von der Kirche: "Die heimliche Beicht gefällt mir auf alle Weise und ist nicht allein nützlich, sondern auch notwendig... O wüßten wir, wie gnädig sie (die Beichte) Gott macht, wir würden sie aus der Erde graben und tausend Meilen weit her holen." Nehmen wir diese Worte Luthers als seinen Beitrag zum 100sten Jubiläum der Aufforderung Marias in Fatima zu Umkehr und Buße im Jubiläumsjahr 2017.

 

Lassen wir bezüglich der heiligen Beichte noch den von Hause aus protestantischen Dichter Goethe zu Wort kommen: "Beim Widerstreit natürlicher und religiöser Forderungen ist dem Katholiken ein herrliches Auskunftsmittel gegeben, seine Taten und Missetaten, seine Zweifel und Gebrechen einem würdigen, eigens dazu bestellten Mann zu vertrauen, der zu beruhigen, zu warnen, zu stärken, mit symbolischen Strafen zu züchtigen und durch Auslöschen der Schuld zu beseligen weiß.

Unser eigenes Vermögen wird wohl schwerlich alles darreichen, was zu Rat, Trost und Hilfe notwendig; dazu verordnet findet sich nun auch jenes Heilmittel für das ganze Leben."

Matthias Hgt

 

Nach der Generalbeicht (Klemens Brentano)

 

Selig, wer solch Heil gefühlet,

Wer die sündenvolle Brust

In der Beichte hat erkühlet,

In der Reue frommer Lust.

 

       O unendliches Erbarmen,

       Ja, ich fühle mich Dir nah`,

       Auch mich trägst Du in den Armen,

       Dass ich Gottes Antlitz sah.

 

Zur Beichte geh`n die Sünder,

Schleppend eine tote Welt,

Aus der Buße wie die Kinder

Tummeln sie durchs Blumenfeld.

 

       Alles wird zum Paradiese:

       Mensch und Tier versöhnet sind,

       Und die Blumen senden Grüße

       Von dem süßen Jesuskind.

 

O, wie lacht der Garten heiter!

Funkeln nicht die Blumen schön?

Und der Himmel scheinet weiter

In der Vögel Lust Getön`.