Bekennen des Glaubens

 

1. Mannhaftes Bekenntnis vor dem Herrscher.

 

Während eines Marsches im Gebirge ging König Friedrich II. einmal, ungeduldig über das langsame Nachkommen der Artillerie, einen Hohlweg zu Fuß bergan, ihm zur Seite Generalleutnant Graf v. Schmettau. Um seinen Unmut irgendwie auszulassen, wandte er sich an seinen Begleiter mit der Frage: „Nun, Schmettau, hat Er gute Nachricht von seinem Beichtvater aus Berlin?“ Der General erwiderte ruhig und fest: „Ich weiß, wen Eure Majestät meinen, der Mann ist, wie man mir sagt, ein recht gelehrter und würdiger Geistlicher. Aber ich kenne ihn zufälligerweise gar nicht und kann ihn also durchaus nicht meinen Beichtvater nennen.“ „Höre Er, Schmettau“, sagte der König spöttisch, „wenn sein Beichtvater merkt, dass Er ihn gegen mich verleugnet, da nehme Er sich in Acht!“ So folgten noch einige spöttische Bemerkungen über den Glauben des Generals. Sobald Schmettau wieder zu Wort kommen konnte, sagte er gefasst: „Majestät sind sehr viel witziger als ich und auch sehr viel gelehrter, überdies sind Sie mein König. Der geistige Kampf zwischen Ihnen und mir ist also in jeder Hinsicht ungleich. Dennoch können Sie mir meinen Glauben nicht nehmen. Und gelänge Ihnen das auch, so hätten Sie mir zwar unermesslich geschadet, aber zugleich doch auch sich selbst nicht unbedeutend mit!“ Da blieb der König stehen, in seinen Augen blitzte es gefährlich auf. „Was soll das heißen, Monsieur Schmettau?“ rief er: „Ich sollte mir schaden, wenn ich Ihm seinen Glauben nähme? Wie meint Er das?“ Mit unerschütterlicher Ruhe entgegnete der General: „Majestät, Sie glauben jetzt einen guten Offizier an mir zu haben, und ich hoffe, Sie irren sich nicht! Könnten Sie mir aber meinen Glauben nehmen, dann hätten Sie ein erbärmlich Ding an mir, ein Rohr im Wind, darauf nicht der mindeste Verlass wäre, weder im Kriegsrat noch in der Schlacht.“ Der König schwieg und ging eine Zeitlang nachdenklich weiter. Dann fragte er in freundlichem Ton: „Sage Er mir doch, Schmettau, was ist eigentlich sein Glaube?“ „Ich glaube an die göttliche Erlösung von meinen Sünden!“ sagte Schmettau freudig: „ich glaube an eine göttliche Vorsehung, die jedes Haar auf meinem Haupt zählt, und an ein ewiges seliges Leben nach dem Tod!“ „Das glaubt Er wirklich?“ fragte der König, „so recht mit voller Zuversicht?“ „Ja, wahrhaftig, Majestät!“ bekräftigte Schmettau. Da fasste der König nach der Hand des Generals, drückte sie stark und sagte: „Er ist ein sehr glücklicher Mensch!“ Dann ging er schweigend weiter.

 

2. Vor dem Richter.

 

Es war während der wütenden Christenverfolgungen in China zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ein junger Christ stand vor Gericht, der bei der Verteidigung der Kirche gefangen genommen wurde. „Verlass deinen Glauben“, sagte ihm der Richter, „kehre zurück zur Religion deiner Väter, und du sollst frei sein!“ Der junge Mann aber, getragen von dem Mut der unerschrockenen Streiter Christi, rief ihm zu: „Ich sollte zum Verräter werden an meinem Glauben? Nie werde ich eine solche Schmach auf mich laden. Ihr könnt mir den Kopf abschlagen, ihr könnt meinen Leib in Stücke reißen: jedes Stück wird, wenn ihr es fragt, euch die Antwort geben: Ich bin ein Christ!“ Auf dieses stolze Bekenntnis hin erhielt er den Todesstreich.

 

3. Im Anblick des Todes.

 

Edmund Campion, ehemals anglikanischer Geistlicher und später Jesuitenmissionar, wurde am 30. November 1581 mit zwei Gefährten wegen seines Bekennermutes und seines Wirkens gegen die Glaubenserneuerung Heinrichs VIII. zum Tod durch den Strang verurteilt. Bei dem Prozess, der ihm gemacht wurde, sprach er vor Gericht: „Wenn ihr uns verurteilt, brecht ihr den Stab über alle eure Ahnen, ebenso wie über eure Priester, Bischöfe und Könige, denn was haben wir gelehrt, das nicht auch sie geglaubt und verkündet hätten?“ Freilich, das Urteil stand schon vor der Verhandlung fest: er musste sterben. Am 1. Dezember 1581 wurde er zum Galgen geführt. Er hatte schon den Strick um den Hals, da rief er mit letzter Stimme in die umstehenden Massen: „Ich sterbe als treuer Katholik.“

 

4. In der Gaststube.

 

In einer rheinischen Großstadt saßen einige junge Männer in einem Gasthaus. Sie waren fröhlich und guter Dinge. Die Kellnerin bringt die bestellte Suppe. Da bricht auf einmal die laute Unterhaltung ab, so dass es den anderen Gästen auffällt. Die jungen Männer machen das Kreuzzeichen und beten, ganz wie sie es zu Hause gewohnt sind. Dann füllt wieder ihr frohes Lachen den Raum. Kurz darauf bringt ihnen die Kellnerin Kartoffeln, Fleisch, Gemüse und Bier dazu. Die jungen Leute schauen einander erstaunt an. „Aber, Fräulein, wir haben doch nur Suppe bestellt.“ Da lächelt die Kellnerin und deutet auf zwei deutsche Offiziere, die im Hintergrund sitzen. Die jungen Männer stecken die Köpfe zusammen, dann gehen zwei von ihnen zu den Offizieren. Etwas verlegen fragt der eine von ihnen, wieso sie zu dieser „Extrazulage“ gekommen seien. Die Antwort der Offiziere lautete militärisch kurz: „Wegen tapferen Verhaltens.“

 

5. Bei der Prozession.

 

Es war Fronleichnamsprozession. Ein Protestant stand am Rand des Gehsteigs und sah der vorüberziehenden Prozession zu. Vor ihm stand ein Katholik, der ihm die Aussicht versperrte. Es kam zu einem kleinen Wortwechsel, in dessen Verlauf der Katholik, der den Protestanten kannte, bemerkte: „Sie gehören eigentlich gar nicht hierher.“ Der Angesprochene aber antwortete prompt: „Ich schon, aber Sie nicht, Sie gehören nämlich in die Prozession hinein.“

 

6. Bekenntnis in Tönen.

 

In der F-Moll-Messe von Anton Bruckner wird neunmal das Credo als Finalmotiv wiederholt, neunmal in wechselnden Harmonien das felsenfeste Bekenntnis in die Welt gesungen: „Credo . . . et vitam venturi saeculi!“ Ein Biograph (Ernst Decsey) schreibt dazu: „Das ist nicht Flucht zur Kirche auf die alten Tage, nicht Gebetbuch-Pietismus, kein Kopf-Christentum, das ist strahlende Gewissheit des Bekenners.“

 

(Aus: Homiletisches Handbuch, Anton Koch, 1951, Band 12, Seite 15)