Von der Auferstehung des Leibes

 

Was für ein Jubel wird es dereinst für die Gerechten sein, wenn auf den Schall der Posaune die Gräber sich öffnen, und alle Gläubigen, die im Tod schmerzlich voneinander getrennt wurden, sich wiedersehen, um ein Leben ohne Trauer und Ende, voll Freude und Seligkeit zu beginnen! Der Glaube an die Auferstehung des Leibes ist eine Grundlehre unseres Glaubens und unserer Hoffnung im Tod. Fragen wir:

 

1. Was lehrt die Kirche über die Auferstehung?

2. Wozu verpflichtet uns diese Lehre?

 

1. Den Glauben an die Auferstehung des Fleisches lehrt uns das Alte und das Neue Testament. Der fromme Hiob tröstete sich in seiner schmerzlichen Prüfung mit der Hoffnung auf seine einstige Auferstehung: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt und dass ich am Jüngsten Tag von der Erde auferstehen werde. Ich werde wieder mit dieser meiner Haut umgeben werden und in diesem Fleisch meinen Gott schauen.“ (Hiob 19,25-26) Der Prophet Jesaja spricht dieselbe Hoffnung aus: „Wie der Morgentau die erstorbenen Pflanzen erquickt und neu belebt, so bringt der Geist Gottes Leben in die erstorbenen Gebeine.“ (Jes 26,19) Der Prophet Ezechiel sah im Geist in einem Tal viele Totengebeine, und auf Befehl Gottes wurden diese Gebeine wieder belebt, mit Fleisch und Blut umgeben, und der Geist Gottes stellte sie als ein großes Heer dar. Ebenso spricht Daniel: „Die Menge derer, die im Staub der Erde schlafen, werden aufwachen; einige zum ewigen Leben, die anderen zur Schmach, um sie ewig zu schauen. Die aber Erleuchtete waren, werden leuchten wie der Glanz des Firmamentes, und die viele in der Gerechtigkeit unterwiesen, wie Sterne immer und ewig.“ (Dan 12,2-3) Der Glaube an ihre Auferstehung tröstete die Makkabäischen Brüder bei ihren Martern. – Im Neuen Bund versichert die ewige Wahrheit: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird ewig leben, und wer da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit.“ (Joh 11, 25-26) Wie Jesus selber von den Toten auferstanden ist, so wird er auch dereinst die Toten erwecken. „Es kommt die Stunde, wo alle, die in den Gräbern ruhen, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden. Und es werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichtes.“ (Joh 5,28-29) – Wie aber die Toten auferstehen werden, beantwortet uns der Apostel Paulus: „Gesät wird der Leib in Verweslichkeit, auferstehen wird er in Unverweslichkeit; gesät wird er in Unehre, auferstehen wird er in Herrlichkeit; gesät wird er in Schwachheit, auferstehen wird er in Kraft; gesät wird ein tierischer Leib, auferstehen wird ein geistiger Leib.“ (1 Kor 15) – Was uns die stete Lehre der Kirche, gestützt auf unzweideutige Aussprüche der ewigen Wahrheit, als Glaubenssatz hinstellt, muss die Vernunft billigen. Hat der Leib als das Werkzeug der Seele gute oder böse Werke vollbracht, so ist es billig, dass er auch am Lohn oder der Strafe teilnehme.

 

2. Wozu verpflichtet uns denn die Lehre von der Auferstehung des Fleisches? Wollen wir einst mit Christus verklärt und verherrlicht werden, so müssen wir im Leben hier ihm ähnlich werden, indem wir unser Fleisch samt seinen Gelüsten kreuzigen und seinen Tugenden nacheifern. Auf diesem Weg der Selbstverleugnung und der Leiden sind dem Heiland seine Apostel und alle Heiligen nachgefolgt. „Ich züchtige meinen Leib“ – spricht der Apostel Paulus (1 Kor 9,27) – „und bringe ihn in die Dienstbarkeit, damit ich nicht etwa, nachdem ich anderen gepredigt habe, selber verworfen werde.“ – Darum konnte er auch mit Freuden der Ankunft Christi entgegensehen. Alle Heiligen sind auf dem Weg der Entsagung und Kreuzigung ihres Fleisches in den Himmel eingegangen. Damit haben sie uns gelehrt, was auch wir tun müssen, um dereinst glorreich aufzuerstehen. Je mehr wir den sündigen Gelüsten frönen, desto weniger dürfen wir auf dereinstige Verklärung hoffen, je mehr wir aber die Begierden des Fleisches unterdrücken, desto besser bereiten wir unsere Verherrlichung vor. Entweihen wir darum nicht unsern Leib, der ein lebendiger Tempel des Heiligen Geistes ist. Gedenken wir stets unserer Würde als Christen. Gebrauchen wir alle Mittel der Heiligung, insbesondere das heilige Altarsakrament, denn der Herr hat das ewige Leben und die selige Auferstehung daran geknüpft. Beachten wir die Mahnung des Apostels: „Die Gnade Gottes, unseres Heilandes ist allen Menschen erschienen, und lehrt uns, dass wir die Gottseligkeit erstreben, den weltlichen Gelüsten entsagen, sittsam, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, indem wir erwarten die selige Hoffnung und die Ankunft der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilandes Jesus Christus.“ Amen.