Arbeitsamkeit

 

Nach der Regel des heiligen Benedikt wechselt Arbeit mit Gebet. Während die Priester vorzugsweise geistigen Arbeiten obliegen, beschäftigen sich die Laienbrüder mit körperlichen Arbeiten, und dadurch sind die Benediktiner die Pioniere der Kultur in allen Ländern der Welt geworden. „Bete und arbeite!“ ist der Grundzug nicht allein des geistlichen, sondern auch eines jeden christlichen Lebens. Beachten wir besonders die Tugend der Arbeitsamkeit. Wir sind 1. Zur Arbeit geschaffen und verdienen durch sie den Unterhalt. Wir sind 2. Zur Arbeit verurteilt und wirken durch sie Buße.

 

1. „Der Mensch ist zur Arbeit geboren, wie der Vogel zum Flug.“ (Hiob 5,7) Jedes Geschöpf ist tätig und sucht sein Dasein zu erhalten. Hört diese Tätigkeit auf, so tritt der Tod ein, in dem Stein, der verwittert, in der Pflanze, die verwelkt, in dem Tier, das vergeht. Solange die Pflanze die gedeihlichen Säfte aufsaugt, solange der Vogel seine Flügel schwingt und die ihm angewiesene Nahrung aufsucht, erhält sich in ihnen das natürliche Leben. Tätigkeit ist für die ganze Natur ein notwendiges Gesetz, für den Menschen ist sie ein moralisches Gesetz, das er befolgen soll, um sich des Lebens würdig zu zeigen. „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ (2 Thess 3,10) Selbst unsere Stammeltern im Paradies mussten arbeiten. Sie sollten die Annehmlichkeiten des anmutigen Lustgartens nicht genießen, ohne durch Arbeit sie einigermaßen zu verdienen. Dürfte ich es wagen, ein träges, untätiges Leben zu führen, und doch im Überfluss mich sättigen zu wollen? Wie viele Menschen quälen sich vom frühen Morgen bis in die späte Nacht, um nur den notdürftigsten Unterhalt zu gewinnen, und müssen in Sorgen und Kummer von einem Tag zum andern leben, obgleich sie fleißiger, schwerer und geduldiger arbeiten, als ich. Möchte ich doch freudig meinen Unterhalt verdienen, ohne auf die Beschwerden zu achten.

 

2. Wir sind zur Arbeit verurteilt, durch sie wirken wir Buße. Sobald der erste Mensch von der verbotenen Frucht genossen hatte, sprach Gott das Urteil: „Verflucht sei die Erde in deinem Werk. Mit viel Arbeit sollst du essen von ihr alle Tage deines Lebens. Dornen und Disteln soll sie dir tragen, und du sollst das Kraut der Erde essen. Im Schweiß deines Angesichtes sollst du dein Brot essen, bis du zur Erde zurückkehrst, von der du genommen bist.“ (Gen 3) Ein schrecklicher Fluch, der von unserem Stammvater auf alle seine Nachkommen übergegangen ist. Wir alle sind zur Arbeit verurteilt, nicht zur Kurzweil und zum Zeitvertreib. Im Schweiß des Angesichtes sollen wir unser Brot verdienen. Erfüllen wir treu unsere Pflicht, so können wir für unsere Sünden genugtun. Der heilige Paulus arbeitete unter unsäglichen Beschwerden, Anstrengungen und Schwierigkeiten in seinem Apostolat. Dennoch fand er Zeit durch Teppichweberei sich den nötigen Unterhalt zu erwerben, und übte so seine eigene Mahnung: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“

Ach, wie oft schaudere ich vor jeder Mühe und Anstrengung zurück. Wohl will ich mich noch beschäftigen, aber es soll keine Überwindung kosten. Wie beschämt mich das Beispiel von vielen Heiligen, die oft noch im hohen Alter unermüdlich in ihren schweren Berufen arbeiteten. Wie beschämt mich das Beispiel unzähliger Christen, die viel besser und fleißiger als ich arbeiten, und doch viel geringeren Lohn erhalten. O Herr, verzeih mir meine Trägheit, meine Unzufriedenheit. Ich will arbeiten, weil du mich dazu erschaffen hast. Ich will mit Überwindung arbeiten, weil ich dadurch für meine Sünden büßen muss. Die Ruhe geziemt den Verklärten des Himmels, dem Sünder auf Erden geziemt die Arbeit. As willst du, Herr, das ich tun soll?