Amen

 

1. Herkunft und Geschichte.

 

Schon in der Sprache der alten Chaldäer, Syrer und Hebräer bedeutete Amen soviel wie „Wahrheit und Treue“, es war Schwur- und Segensformel zugleich. Aus ihrem Sprachschatz hat die Kirche das Wort übernommen und schon in frühester Zeit im gleichen Sinn verwendet. Das bezeugen in oft lapidarer Kürze die ältesten christlichen Grabinschriften. Schlicht heißt es auf einem Katakombengrab: „In pace, amen.“ Sieghaft klingt es als Bekräftigung auf einem attischen Grabstein: „Gesiegt hat Christus, amen, es geschehe!“ Als Schlusspunkt des Gebetes steht es z.B. auf einem Grab in Nordafrika: „Victorina in Christo, amen.“ „Rührendes Vertrauen, felsenfeste Heilsgewissheit sprechen aus diesem, nur aus drei Worten verfassten Gebet . . . (es ist) ein monumentales Credo.“

 

2. Das Amen im Mund des Herrn.

 

Die ehrwürdige Katharina Emmerich erklärte einmal dem Dichter Brentano, der ihre Gesichte aufzeichnete: Der liebe Heiland hielt einst eine große Lehre über das Wörtchen „Amen“. Er sagte, dass es die ganze Summe des Gebetes sei. Wer es leichthin spreche, der vernichte sein Gebet. Das Gebet rufe zu Gott, verbinde uns mit Gott, tue uns seine Barmherzigkeit auf und mit dem Wort „Amen“, so wir recht gebetet haben, nehmen wir die Gabe aus seinen Händen. Er sprach gar wunderbar von der Kraft des Wortes „Amen“. Er nannte es Anfang und Ende von allem, und er sagte fast, als habe Gott die ganze Welt damit geschaffen. Er sprach auch das „Amen“ über alles, was er lehrte, über seinen Abschied und endete feierlich mit „Amen“.

 

3. Das Amen eines Sterbenden.

 

Eines Tages, so erzählt Pater Hegglin S.J. aus Bombay, wurde ein Schwarzer aus Sansibar in das Spital gebracht, wo der Missionar wirkte. Er war Matrose und hieß Ambir Hussein. Am Namen erkannte man sofort den Mohammedaner. Der Schwarze war ein ungemein gutmütiger Mensch und betete gern und innig, und der Missionar mit ihm. Endlich wagte es P. Hegglin, den Namen Jesus auszusprechen, denn ein Wagnis war es, da überzeugte Mohammedaner beim ersten solchen Versuch scheu werden und dann gern ihren Gottesnamen Allah mit Nachdruck widerholen. Ambir Hussein aber betete kindlich innig nach: „Jesus Christus, vergib mir!“ „Du bist der Sohn Gottes“, betete der Missionar vor. Der Kranke widerholte. „Du bist für uns am Kreuz gestorben.“ Der Schwarze betete mit. Bald wurde er getauft. Von da an betete er womöglich noch mehr und noch glühender nach, was ihm P. Hegglin vorsagte. Da er aber immer schwächer wurde, erklärte ihm der Missionar, es sei genug, wenn er bei jedem Satz, den er vorspreche, mit „Amen“ antworte. Den Gebrauch des „Amen“ kennt ja auch jeder Moslem. Und so entstand denn ein ebenso merkwürdiges, wie rührendes Beten zwischen dem Missionar und dem Kranken. „Gott, du bist mein Herr!“ „Amen.“ „Ich bin ein armer Sünder.“ „Amen.“ „Vergib mir!“ „Amen.“ „Ich glaube an dich.“ „Amen.“ „Jesus Christus!“ „Amen.“ „Sohn Gottes!“ „Amen.“ „Erlöser der Welt!“ „Amen.“ „Dir schenke ich meinen Leib und meine Seele.“ „Amen.“ So starb der Kranke, schreibt der Missionar, fern von seiner Heimat, aber fromm und ergeben als Gotteskind. Hoffen wir, dass Gott auch seinerseits zu seinem treuen Beten Ja und Amen sagte.

 

(Aus: Homiletisches Handbuch, Anton Koch, 1950, Band 11, Seite 456)