Vom Altarschmuck

 

Wenn es auf der ganzen Erde keinen Ort gibt, der an Heiligkeit und Würde sich auch nur im Entferntesten mit einer katholischen Kirche messen kann, so gibt es auch keine edlere Stätte in der Kirche als den Altar. Weil auf ihn Jesus täglich bei der heiligen Messe vom Himmel herniedersteigt, sein heiliger Leib im Dunkel des Tabernakel eingeschlossen ist und um Gnade und Barmherzigkeit für die sündige Welt fleht und alle Mühseligen und Beladenen voll Zuversicht einlädt, deshalb ist der Altar der Magnet, der die Gläubigen immer wieder anzieht. Bevor der Altar seiner erhabenen Bestimmung übergeben wird, wird er unter Gebet und Salbung des Bischofs eingeweiht, so dass der Segen auf ihm ruht und ihn ehrwürdig macht. Doch die heilige Stätte bleibt nicht nackt und ohne Zierde, sondern wird herrlich geziert, so dass auf sie die Worte des Propheten passen: „Du bist geziert mit Gold und Silber, gekleidet mit feiner Leinwand, mit gestickten und bunten Gewanden.“

Warum ist es richtig und gut, die Altäre nach Kräften auszuschmücken und wie soll das aussehen?

 

Es gibt in unserer materialistischen Zeit viele, die sich über den Luxus der Kirchen beklagen, weil viele Arme oft des Notwendigsten entbehren müssen. Es scheint, dass gerade diejenigen, die in ihren Wohnräumen, in Speise und Trank und in den schönsten und exotischsten Urlaubsreisen allen Arten des Luxus frönen, die Altäre deshalb ihres Schmuckes berauben möchten, damit sie der Verachtung preisgegeben werden, Gott die Ehre geraubt wird und die Kirchen möglichst verlassen dastehen. Die Leute sollen sich lieber an anderen Orten versammeln, die Frommen kritisieren, einander den Hof machen und lieber den Zeitgeist groß werden lassen. Aber diese Sprache ist nicht neu, hat doch schon Judas ähnlich gesprochen; als nämlich Maria Magdalena mit kostbarer Salbe die Füße Jesu salbte, meinte der Dieb, es wäre das Geld besser zum Vorteil der Armen verwendet worden. Judas klagte über Verschwendung und heuchelte Liebe zu den Armen, um seinen Geiz zu verdecken. Ähnlich sind manche karg im Geben, wo es gilt, eine Kirche zu erbauen oder zu erhalten oder zum Schmuck eines Altars beizutragen und schützen allerlei nichtige Gegengründe vor, weil auch sie von der Leidenschaft des Geizes beherrscht werden. Wiederum andere schimpfen über die Zierde der Kirchen, obwohl sie selbst sich teuer vergnügen und kleiden und für alles andere Geld haben, nur nicht für das Gotteshaus. Gott aber soll einen geschmückten Altar haben! Wenn er nämlich, die Schönheit und Herrlichkeit selbst, den Thron des Himmels verlässt und uns zu Liebe zu uns hinabsteigt, so ist es richtig und gut, dass ihm, als dem Herrn des ganzen Weltalls, das Schönste und Prachtvollste geboten wird, was immer nur die Erde aufzuweisen hat. Der Prophet weist darauf hin, dass in der neuen Zeit des Erlösers ein prachtvoller Gottesdienst eingerichtet werden soll: „Ich erschüttere alle Völker und es wird kommen der von allen Völkern Ersehnte und ich erfülle dieses Haus mit Herrlichkeit, spricht der Herr der Heerscharen. Mein ist das Silber und mein ist das Gold. Größer soll die Herrlichkeit dieses letzten Hauses als des ersten sein.“ Schmucklose Altäre sind keine Zeichen der Herrlichkeit Gottes, die auf ihnen thront. Es ist unsere heiligste Pflicht, Gottes Ehre zu vermehren.

 

Einen geringen Tribut der Dankbarkeit und nur ein Geringes von den vielen Gütern, mit denen uns Gottes Güte beschenkt, geben wir Gott zurück, wenn wir zur Zierde der Altäre beitragen. Schon die Liebe zu Gott verpflichtet uns zur Ausschmückung der Altäre, indem die Liebe sich auch durch äußere Zeichen kundzugeben pflegt. Ein Kind, das seine Eltern liebt, denkt lange darüber nach, wie es ihnen bei einer sich bietenden Gelegenheit eine Freude bereiten kann. Obwohl es den Eltern eine kleine Gabe überreicht, die ihnen ohnehin schon gehört, nehmen die Eltern das Geschenk doch als Zeichen kindlicher Liebe mit Freude entgegen. Wie Gott uns gegenüber die Gesinnungen eines gutmeinenden Vaters bewahrt, so sollen auch wir es an Beweisen kindlicher Liebe nicht fehlen lassen in Bezug auf alles, was sich direkt auf Gott bezieht. Was steht Gott nun näher als die katholische Kirche, in der er angebetet und geehrt wird, und als die Altäre, auf denen sein Sohn thront! Sage nie: „Die Kirche oder der Altar ist schön genug“, weil nur das Beste für Gott gut genug ist. Dass die Kirchen oft so ärmlich, während die Wohnungen der Menschen so kostspielig eingerichtet sind, dass man dem Haus Gottes oft so wenig Sorge zuwendet, während man auf den Schmuck und die Ausstattung des eigenen Hauses so sorgfältig bedacht ist: das ist eine Beleidigung Gottes und eine Schmach für jede christliche Gemeinde. Es ist unbegreiflich, dass reiche und wohlhabende Gemeinden Jahre lang mit ärmlichen Kirchen sich begnügen, ohne Abhilfe zu schaffen.

 

Wenn Gott in seiner Großzügigkeit dem Christen Reichtum gibt, um seine Wohnungen, in denen er doch nur kurze Zeit lebt, zu verschönern, so ist es doch gewiss möglich, dass der Christ auch einen kleinen Teil seiner Güter auf Kirchen und Altäre verwendet, die oft Jahrhunderte überdauern. Gott bedarf zwar nicht der äußeren Entfaltung von Pracht, weil wir seinem Glück nichts hinzufügen können; der Christ wird aber durch herrliche Kirchen und geschmückte Altäre erbaut, kann inniger beten, und die Andacht wird herzinniger; deshalb ist es geboten, zum Schmuck der Kirchen und Altäre nach Kräften mitzuwirken.

 

Weil die liebende Sorge um die Altäre tief im christlichen Geist begründet ist, deshalb begegnet sie uns schon in den ersten Zeiten der Kirche. Schon der heilige Augustinus und Hieronymus berichten, dass das Altarkreuz oft aus Gold gefertigt und mit kostbaren Edelsteinen besetzt war. Die Säulen des Altares waren meist aus edlen metallen angefertigt. In der Nähe des Altares brannten oft zierliche Ampeln, die mit dem feinsten Balsamöl gefüllt waren. An hohen Festtagen stellte man ausgesuchte Blumen und Stauden zum Zeichen der Freude zwischen die Altarleuchter. Die heilige Eulalia spendete mitten im Winter Blumen zum Schmuck der Altäre, wie der heilige Augustinus eine Frau lobt, die sich den Schmuck der Altäre angelegen sein ließ, und der heilige Gregor von Tours erzählt, dass ein Priester den Altar mit weißen Lilien geschmückt habe. Einen besonderen Schmuck der Altäre bildeten die gestickten Teppiche. Eine heilige Olympia schenkte ihre seidenen Kleider zur Verzierung der Altäre, wie auch die Wände der Kirchen vielfach mit wertvollen Tüchern und Vorhängen geschmückt wurden. Bildliche Darstellungen, in sinnreichen Stickereien ausgeführt, fesselten vielfach das Auge des Beschauers. Weil die Christen der ersten Jahrhunderte aus dem Glauben lebten und in ihrem Herzen die Liebe zu Gott mächtig brannte, deshalb waren sie begeistert für das Heiligtum, schmückten und besuchten es mit Freude.

 

Bis heute ist der Altar im Wesentlichen derselbe geblieben. Auf den Tabernakel, als den heiligsten Ort auf oder in der Nähe des Altars, verwendet die Kirche die größte Sorge und Aufmerksamkeit, indem er kirchlichen Bestimmungen gemäß im Innern mit weißer Seide oder mit Gold- oder Silberstoffen ausgelegt sein muss.

 

Inmitten des Altars prangt das Bild des Gekreuzigten; zu beiden Seiten brennen während des heiligen Opfers Kerzen, denn wo das Kreuz herrscht, muss die Finsternis weichen. Den Altar verschönert ein Bild aus Stein, Holz oder Farbe. Die Gemälde sind die Lehr- und Erbauungsbücher der christlichen Gemeinde. Während Worte verhallen und vergessen werden, bleibt ein zur Andacht stimmendes Bild und predigt jedem Beschauer. Die Heiligen, die wir oft auf den Altarbilder dargestellt finden, neigen sich zu unseren Bitten; einst entflammten auch sie am Altar vor Liebe zu Gott; hier holten sie den Geist des Gebetes und manch andere Gnaden. An beiden Seiten des Tabernakels sind oft Bilder von Engeln angebracht, indem sie zum Dienst und zur Anbetung Gottes berufen sind. Gewöhnlich sind die Engel so dargestellt, dass sie in heiligem Staunen, in tiefer Ehrfurcht und Anbetung Jesu versenkt, das hochwürdigste Gut kniend umgeben und uns zu gleicher Ehrfurcht und Andacht einladen. Möge auch jeder Christ wie ein anbetender Engel an die Kirche gefesselt sein, sein Betragen immer denen der Engel gleichen und sein Herz in heiliger Liebe, wie das der Cherubim, zum heiligsten Sakrament entbrennen! Nach Vorschrift der Kirche sollten früher über jedem Altar drei linnene Tücher ausgebreitet sein, wie auch bei der heiligen Kommunion unser Herz einer reinen Leinwand gleichen soll, damit Jesus eine schöne Wohnung vorfindet. An hohen Festtagen wurde der Altar mit Teppichen und gestickten Decken geschmückt. Blumen zierten ihn dazu; denn wo wäre ein Kirchlein so arm, das nicht einen, wenn auch noch so bescheidenen Schmuck besäße? Wo regen sich nicht fromme Hände, die das Heiligtum zur Ehre Gottes zierten? Wo schlügen nicht teilnehmende Herzen für den freiwillig armen Jesus, die für die Zierde seines Hauses ein Scherflein opferten? Ein edler Wetteifer lässt auch heute noch die Altäre im schönsten Schmuck glänzen. Vielfach betrachten christliche Frauen es als ihre heiligste Ehrensache, durch Stickereien und anderweitigen Schmuck zur Zierde der Kirchen und Altäre beizutragen, wie überhaupt die christliche Kunst und Kunstfertigkeit oft schon Großes für Gottes Ehre geleistet hat. Es sollten deshalb die christlichen Männer, die auf die Entfaltung des kirchlichen Lebens in der Gemeinde Einfluss haben, für die Zierde der Gotteshäuser eintreten, damit wieder mehr neuere und schönere Kirchen und Altäre erstehen. Die christlichen Frauen sollten sich ebenfalls für die Schönheit und Pracht der Kirchen und Altäre begeistern. „Wie schön sind deine Zelte, o Jakob; deine Wohnungen, o Israel!“ (Num 24,12) „Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr der Heerscharen!“ (Ps 83,3) Unsere Kirchen sollten durch den Fleiß gläubiger kunstgeübter Frauen und Männer noch immer anziehender und schöner werden. Mögen sich doch viele in Mußestunden, falls es solche noch gibt, mit kirchlichen Stickereien befassen, auf die die Engel mit Wohlgefallen niederblicken und jeden Nadelstich zu Ehren des vielfach im Tabernakel verkannten und verlassenen Heilandes ins Buch des Lebens aufzeichnen! Ja mögen alle ohne Ausnahme nach besten Kräften für die Verschönerung und Zierde der Kirchen und Altäre im heiligen Wetteifer eintreten!