Ich bete dich an!

 

Ich bete dich an!

 

Maria, lust- und liebdurchglüht,

In Andacht vor dem Kindlein kniet.

Sie schaut es an mit Mutterwonne,

Mit heilig-seligem Entzücken.

Sie darf der Gottheit ew`ge Sonne

Im eig`nen Kindlein ja erblicken.

Das Kindlein aber, nackt und arm,

Und traurig ernst, dass Gott erbarm!

In Kreuzesform die Ärmlein breitet,

Als wollt es zu der Mutter sagen:

„Wird einst zur Bank das Lamm geleitet,

Dann wird ich so ans Kreuz geschlagen,

Doch will ich gern das Kreuz umfangen,

In Lieb daran im Tode hangen.

Drum ward ich ja ein armes Kind,

Im off`nen Stall, auf nacktem Stein,

Bei Winters Frost und eis`gem Wind.

Der Kindheit Weh, des Lebens Pein,

Sie soll mir Kreuzesstaffel sein!“

Und wie des Kindleins Stimme klingt,

Ein Schwert der Mutter Herz durchdringt.

Sie seufzet tief, doch weint sie nicht,

Blickt liebend in sein Angesicht;

Denn wie das Kind die Mutter spricht.