Betrachtungen im Oktober

 

Betrachtung am 1. Oktober - Das Joch und die Bürde Jesu und der Welt

 

Dein leichtes Joch und deine sanfte Bürde,

O Jesu, tragen den, der fromm sie trägt;

Das Joch der Welt entehrt der Seelen Würde,

Und ihre Bürde ist mit Hass geprägt.

 

1. Worin besteht das Joch und die Bürde Jesu Christi? Darin, dass wir uns Gewalt antun, unser Kreuz ohne Murren tragen, und unsere Feinde aufrichtig lieben. Die Welt lehrt gerade das Gegenteil, und spottet derjenigen, die nicht allen ihren Gelüsten folgen. Gewiss aber ist es leichter, seine Begierden mit Gottes Gnade allmählich abzutöten, als sie jemals vollauf zu ersättigen, die gleich einem Feuer sind, das umso heftiger brennt, als mehr Brennstoff ihm aufgelegt wird. Dazu hilft auch Jesus selbst uns sein Joch tragen, und der Geist seiner Gnade wandelt alles Bittere in Lieblichkeit.

 

2. Das Joch und die Bürde Jesu bestehen in freundlichen Tugenden, in Sanftmut, Demut, Geduld und Liebe. Das Joch und die Bürde der Welt dagegen in Sünden und Lastern, in Unglauben, Fleischeslust, Geiz, Ehrsucht und Ungehorsam gegen das heilige Gesetz, eine Last, die bis zur Hölle hinabdrückt. Das Joch Jesu wird immer leichter, je länger es getragen wird. Seine Bürde ist gleich den Flügeln des Adlers, die zwar seine Schwere vermehren, die ihn aber bis in die Lüfte des Himmels erheben. Das Joch und die Bürde der Welt aber werden immer schwerer, und erfüllen zuletzt das Herz mit allen Schrecknissen der Hölle. Selig, wer das Joch Jesu trägt. Unglückselig aber in Zeit und Ewigkeit, wer das Joch der Welt sich erwählt.

 

3. Was aber erleichtert und versüßt das Joch und die Bürde Jesu? Die Liebe und die feste Hoffnung auf die künftige Seligkeit des Himmels. Und was erschwert und verbittert das Joch der Welt? Der Undank der Welt, getäuschte Hoffnungen und die Furcht vor dem künftigen Gericht, die, gegen den Willen des Sünders, in seinem Gewissen erwacht. So wunderbar wirkt die Liebe Jesu in seinen Auserwählten, dass sie ihre Trübsale nicht gegen die süßesten Freuden der Welt vertauschten, ja dass zahllose heilige Märtyrer und Bekenner ihre höchste Wonne in ihren Leiden für Jesus fanden. Gehen wir auf ihren Spuren, und erfahren werden wir die Wahrheit des Ausspruchs unseres Herrn in Matthäus 11,28-30: "Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht."

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