Betrachtungen im Mai

 

Betrachtung am 1. Mai - Am Fest der heiligen Apostel Philippus und Jakobus

 

Deine tiefe Weisheit, Jesus, wählte

Schwache Jünger zu dem stärksten Werke.

Doch du warst im Innern ihre Stärke;

Und dein Geist War`s, welcher sie beseelte.

Sie predigten dein Reich mit Eifersglut;

Und siegelten dein Zeugnis durch ihr Blut.

 

1. Betrachte den schnellen Gehorsam dieser beiden heiligen Apostel. "Folgt mir!" sprach Jesus zu ihnen. Dies genügte. Sie gehorchten unverzüglich, ohne sich lange zu besinnen, verlassen alles und folgen dem Herrn. Diesen schnellen und liebevollen Gehorsam aber belohnte Jesus dadurch, dass er sie zu Säulen seiner Kirche erhob. Immer erwählt seine göttliche Weisheit einfache Seelen, die seinem Willen schnell und in Demut gehorchen, große Dinge in seiner Kirche zu wirken, und verwirft die, durch Wissenschaft aufgedunsenen Stolzen. Hättest du selbst seinen Anordnungen und Einflößungen schnell und in Liebe gehorcht: wie weit anders stände es nun um dich. Demütige dich also zu den Füßen deines Herrn, und sei wenigstens von nun an getreu.

 

2. Durchdrungen von den himmlischen Lehren ihres göttlichen Meisters und voll des Heiligen Geistes arbeiteten beide heiligen Apostel mit unüberwindlichem Eifer an der Verbreitung des Reiches Gottes. Philippus predigte das Evangelium in Scythien, und unterwarf beinahe jene ganze Nation dem Glauben. Jakobus hingegen leuchtete durch strenge Enthaltsamkeit und wunderbare Heiligkeit als ein Licht des Herrn in Judäa, lenkte als Bischof von Jerusalem bis in sein höchstes Alter die Herde des Herrn daselbst, und führte diejenigen aus Israel, die der heiligen Wahrheit nicht widerstrebten, aus dem Schatten des Todes in das Licht Jesu Christi. Ahmen wir diesen Eifer der heiligen Apostel in unserem Wirkungskreis nach, denn viele Sekten können wir durch Worte zur rechten Zeit und durch Beispiele unserer Frömmigkeit dem Herrn gewinnen. 

 

3. Endlich wurden die heldenmütigen Arbeiten und die heilige Treue dieser großen Apostel durch die Marterpalme gekrönt. Beide besiegelten das Zeugnis Jesu Christi mit ihrem Blut. Jakobus wurde von den Zinnen des Tempels hinabgestürzt und unten erschlagen. Philippus aber vollendete sein Leben zu Hierapolis, gleich seinem göttlichen Herrn, am Kreuz. Also flogen diese glorreichen Heiligen in die himmlischen Freuden auf. Seligpreisen sie nun die zahllosen Arbeiten, Leiden und Drangsale, durch die sie zu dieser großen Herrlichkeit gelangten. Wir aber möchten die Glorie des Himmels umsonst erlangen. Doch so ist es nicht. 2 Timotheus 2,5: "Und wer an einem Wettkampf teilnimmt, erhält den Siegeskranz nur, wenn er nach den Regeln kämpft."

________________________________________________________________________

 

Betrachtung am 2. Mai - Vom innerlichen Frieden

 

Wie selig ist hienieden

Das Herz, das friedlich ruht.

Es sieht in seinem Frieden

Getrost der Stürme Wut;

Denn wie auf hohem Felsenturm

Reicht nimmer bis zu ihm der Sturm.

 

1. Willst du in diesem Leben so glücklich sein, als der Stand deiner Pilgerschaft es gestattet, so strebe jenen Dingen nach, die des Friedens sind. Der Friede einer Seele, die in der Gnade ihres Gottes lebt, ist ein Unterpfand des himmlischen Friedens. Muss sie auch mit dem Apostel sagen, sie sei darum nicht gerechtfertigt, so gibt doch ihr Gewissen ihr so trostreiches Zeugnis, dass sie, wenn Gott aus dem Leben sie abriefe, mit Vertrauen vor ihm erscheinen würde. Denn eine solche Seele ist überaus wachsam, nichts zu tun, das ihm missfallen würde, und seiner Gnade mit aller Treue zu entsprechen.

 

2. Zu diesem seligen Frieden zu gelangen, entferne alle Hindernisse. Bist du in Zweifeln, so suche Einsicht darüber, klagt dein Gewissen dich an, so entferne die Ursachen dieser Vorwürfe, damit die Wogen dieser innerlichen Unruhen still werden. Dann wird der Trost des Heiligen Geistes in dein Herz einkehren, ruhen werden deine Leidenschaften. Und du wirst ein Besitz Gottes sein, der seine Wohnstätte nur in einem friedlichen Gewissen nimmt. Durch diesen Frieden wirst du so unerschütterlich werden, dass weder zeitlicher Verlust und Schaden, noch körperliche Leiden, noch was immer anderes dich tief betrüben wird. Ja mit großer Freude wirst du auch alle Arbeiten deines Berufes vollbringen.

 

3. Wie wunderbar ist eine Seele, die in diesem Frieden begründet ist. Sie ist beinahe den Engeln des Friedens gleich. Denn dies ist "jener Friede Gottes, der allen Sinn übersteigt!" Innig ist sie mit Gott vereint, und nimmt gleichsam Anteil an seinen Eigenschaften. Denn immer ist sie sich selbst gleich, immer, ob auch unter vielfältigen Geschäften und Sorgen, ohne Verwirrung, liebevoll bereitwillig, hilfreich gegenüber dem Nächsten, und wird über seine Fehler nicht zornig, denn ihr Friede ist in Gott gegründet, und hängt nicht von äußerlichen Dingen ab. Selig, und abermal selig die Seele, die zu diesem Frieden sich erhoben hat. Dies ist jene kostbare Perle, die zu erwerben der Mensch nicht zu viel gibt, wenn er sie auch um seinen ganzen Besitz kauft. Kolosser 3,15a: "In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar!"

________________________________________________________________________