Betrachtungen von April bis Juni

 

Betrachtung am 1. April - Jesus und die Samaritin

 

Sieh, durstend harrt am Born der Lebensquell,

Die Durstigen mit Wunderflut zu tränken.

So eilet denn, geliebte Seelen, schnell:

Ihn dürstet, mit dem Heil euch zu beschenken.

 

1. Betrachte deinen lieben liebevollen Heiland, wie er von der Hitze des Tages und der langen Reise ermüdet, dürstend beim Brunnen Jakobs sitzt. O guter Hirt, unter wie großen Mühsalen suchst du deine Schäflein. Unter Hunger und Durst, Hitze und Kälte durchziehst du weite Landschaften, deine verirrten und verlorenen Schafe auf Bergen, in Tälern und Wüsten zu suchen. Ja selbst deine Ruhe ist Arbeit, denn dürstend nach dem Heil einer Seele, wartest du sitzend an diesem Brunner, und erbittest einen Trunk Wasser, um dafür mit dem Quell des ewigen Lebens zu vergelten.

 

2. O komm, du glückselige Frau. Bist du auch eine Sünderin, so zögere deshalb nicht. Folge der Gnade, die dich anzieht und dich sucht, ohne dass du sie suchtest. Und sie hört die Worte des Lebens, staunt und fühlt ihr Herz wundersam durchglüht. O sieh wie das Wasser des Lebens in ihr zu wirken beginnt. Sie fragt nicht mehr nach irdischen Dingen, sie erkundigt sich nach der Weise, Gott vollkommen zu dienen, und kaum hat sie erkannt, dass der Messias zu ihr spricht, so fühlt sie sich umgewandelt in eine Apostelin, und eilt, ihrer Stadt das Evangelium, die frohe Botschaft von der Ankunft des Welterlösers, zu verkündigen.

 

3. Wunderbare Macht der göttlichen Erleuchtung. Eine verachtete Samaritin glaubt, ohne ein Wunder zu sehen, und die Pharisäer erblinden im Licht der größten Wunder selbst. Doch sieh, was nun geschieht. Noch verweilt Jesus bei dem Brunnen, da erscheinen seine Jünger, mit Speise ihn zu stärken. Aber so wunderbar hat die Bekehrung ihrer Seele ihn bereits genährt, dass er zu den geliebten Jüngern sagt: "Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt." Denn das Heil der Seelen ist seine Speise, seine Ernährung, sein Gastmahl. So erfreuen denn auch wir unseren Erlöser durch unsere wahre Bekehrung, nach der ihn noch am Kreuz dürstete, und die er als den einzigen Lohn seiner vielen Arbeiten und Leiden verlangt. Jeremia 3,14: "Kehrt um, ihr abtrünnigen Söhne, denn ich bin euer Gebieter. Ich hole euch und bringe euch nach Zion."

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Betrachtung am 2. April - Am Fest des heiligen Franz von Paula

 

Hell leuchteten die Heil`gen uns voran:

Dass auf dem Weg nicht zurück wir blieben.

Ihr Beispiel ist das Licht auf unsrer Bahn,

Sie alle lehren büßen uns und lieben.

 

1. Der heilige Franz von Paula war ein Engel an Unschuld und zugleich ein Wunder der Buße. Noch als vierzehnjähriger Junge entfernte er sich in die Einöde, und seine ganze Nahrung bestand aus wenigen wilden Kräutern. Nie aß er Fleisch, nie trank er Wein. Nie legte er das härene Bußkleid ab. Und diese strenge Lebensweise beobachtete er bis in sein achtzigstes Jahr, ohne von seinem beständigen Nachtwachen, noch von seinen strengen Geißelungen zu sprechen. Wahr ist es, viele große Heilige wurden vom Geist Gottes zu so außerordentlichen Bußwerken angeregt. Und niemand soll ohne den Rat eines erleuchteten Führers so etwas unternehmen, aber ohne alle Bußwerke ist es nicht möglich, die Reinheit des Lebens zu bewahren.

 

2. Nicht weniger wunderbar als seine Buße war die Demut dieses großen Heiligen. Er sah Könige zu seinen Füßen, ja Gott selbst hatte die Gabe der Wunder in erstaunlich hohem Grad ihm verliehen. Dennoch war nie eine Seele demütiger. Er betrachtete sich als den letzten aller Menschen, und wollte auch, dass die Brüder des kirchlichen Ordens, den er stiftete: Minimen, nämlich die Mindesten, sich nennen sollten. Können wir nun die Strenge Buße dieses heiligen Gottesmannes nicht nachahmen, so verhindert doch unsere körperliche Schwäche uns nicht, seine Demut nachzuahmen, ohne die keine Tugend Gott wohlgefällig ist. 

 

3. Setzte aber die Demut diesen Heiligen unter alle Menschen, so erhob dagegen seine feurige Gottes- und Nächstenliebe ihn bis zu den Seraphim. Immer führte er den Namen Charitas im Mund, sein Herz brannte von heiliger Gottesliebe, sie war die Seele seiner Werke, sie auch war der Quell seiner unermesslichen Nächstenliebe. Diese lebendige und tätige Liebe ist das Merkmal aller wahren Jünger Jesu. Herrscht diese Liebe in unserem Herzen? Lieben wir Gott so getreu, dass wir ihm zu Liebe jede Trübsal gern ertragen? Lieben wir den Nächsten um seinetwillen? Ertragen wir seine Fehler mit Geduld? Sind wir bereit, mit Rat und Tat ihm zu helfen? 1 Korinther 13,4-8a: "Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf."

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Betrachtung am 1. Mai - Am Fest der heiligen Apostel Philippus und Jakobus

 

Deine tiefe Weisheit, Jesus, wählte

Schwache Jünger zu dem stärksten Werke.

Doch du warst im Innern ihre Stärke;

Und dein Geist War`s, welcher sie beseelte.

Sie predigten dein Reich mit Eifersglut;

Und siegelten dein Zeugnis durch ihr Blut.

 

1. Betrachte den schnellen Gehorsam dieser beiden heiligen Apostel. "Folgt mir!" sprach Jesus zu ihnen. Dies genügte. Sie gehorchten unverzüglich, ohne sich lange zu besinnen, verlassen alles und folgen dem Herrn. Diesen schnellen und liebevollen Gehorsam aber belohnte Jesus dadurch, dass er sie zu Säulen seiner Kirche erhob. Immer erwählt seine göttliche Weisheit einfache Seelen, die seinem Willen schnell und in Demut gehorchen, große Dinge in seiner Kirche zu wirken, und verwirft die, durch Wissenschaft aufgedunsenen Stolzen. Hättest du selbst seinen Anordnungen und Einflößungen schnell und in Liebe gehorcht: wie weit anders stände es nun um dich. Demütige dich also zu den Füßen deines Herrn, und sei wenigstens von nun an getreu.

 

2. Durchdrungen von den himmlischen Lehren ihres göttlichen Meisters und voll des Heiligen Geistes arbeiteten beide heiligen Apostel mit unüberwindlichem Eifer an der Verbreitung des Reiches Gottes. Philippus predigte das Evangelium in Scythien, und unterwarf beinahe jene ganze Nation dem Glauben. Jakobus hingegen leuchtete durch strenge Enthaltsamkeit und wunderbare Heiligkeit als ein Licht des Herrn in Judäa, lenkte als Bischof von Jerusalem bis in sein höchstes Alter die Herde des Herrn daselbst, und führte diejenigen aus Israel, die der heiligen Wahrheit nicht widerstrebten, aus dem Schatten des Todes in das Licht Jesu Christi. Ahmen wir diesen Eifer der heiligen Apostel in unserem Wirkungskreis nach, denn viele Sekten können wir durch Worte zur rechten Zeit und durch Beispiele unserer Frömmigkeit dem Herrn gewinnen. 

 

3. Endlich wurden die heldenmütigen Arbeiten und die heilige Treue dieser großen Apostel durch die Marterpalme gekrönt. Beide besiegelten das Zeugnis Jesu Christi mit ihrem Blut. Jakobus wurde von den Zinnen des Tempels hinabgestürzt und unten erschlagen. Philippus aber vollendete sein Leben zu Hierapolis, gleich seinem göttlichen Herrn, am Kreuz. Also flogen diese glorreichen Heiligen in die himmlischen Freuden auf. Seligpreisen sie nun die zahllosen Arbeiten, Leiden und Drangsale, durch die sie zu dieser großen Herrlichkeit gelangten. Wir aber möchten die Glorie des Himmels umsonst erlangen. Doch so ist es nicht. 2 Timotheus 2,5: "Und wer an einem Wettkampf teilnimmt, erhält den Siegeskranz nur, wenn er nach den Regeln kämpft."

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Betrachtung am 2. Mai - Vom innerlichen Frieden

 

Wie selig ist hienieden

Das Herz, das friedlich ruht.

Es sieht in seinem Frieden

Getrost der Stürme Wut;

Denn wie auf hohem Felsenturm

Reicht nimmer bis zu ihm der Sturm.

 

1. Willst du in diesem Leben so glücklich sein, als der Stand deiner Pilgerschaft es gestattet, so strebe jenen Dingen nach, die des Friedens sind. Der Friede einer Seele, die in der Gnade ihres Gottes lebt, ist ein Unterpfand des himmlischen Friedens. Muss sie auch mit dem Apostel sagen, sie sei darum nicht gerechtfertigt, so gibt doch ihr Gewissen ihr so trostreiches Zeugnis, dass sie, wenn Gott aus dem Leben sie abriefe, mit Vertrauen vor ihm erscheinen würde. Denn eine solche Seele ist überaus wachsam, nichts zu tun, das ihm missfallen würde, und seiner Gnade mit aller Treue zu entsprechen.

 

2. Zu diesem seligen Frieden zu gelangen, entferne alle Hindernisse. Bist du in Zweifeln, so suche Einsicht darüber, klagt dein Gewissen dich an, so entferne die Ursachen dieser Vorwürfe, damit die Wogen dieser innerlichen Unruhen still werden. Dann wird der Trost des Heiligen Geistes in dein Herz einkehren, ruhen werden deine Leidenschaften. Und du wirst ein Besitz Gottes sein, der seine Wohnstätte nur in einem friedlichen Gewissen nimmt. Durch diesen Frieden wirst du so unerschütterlich werden, dass weder zeitlicher Verlust und Schaden, noch körperliche Leiden, noch was immer anderes dich tief betrüben wird. Ja mit großer Freude wirst du auch alle Arbeiten deines Berufes vollbringen.

 

3. Wie wunderbar ist eine Seele, die in diesem Frieden begründet ist. Sie ist beinahe den Engeln des Friedens gleich. Denn dies ist "jener Friede Gottes, der allen Sinn übersteigt!" Innig ist sie mit Gott vereint, und nimmt gleichsam Anteil an seinen Eigenschaften. Denn immer ist sie sich selbst gleich, immer, ob auch unter vielfältigen Geschäften und Sorgen, ohne Verwirrung, liebevoll bereitwillig, hilfreich gegenüber dem Nächsten, und wird über seine Fehler nicht zornig, denn ihr Friede ist in Gott gegründet, und hängt nicht von äußerlichen Dingen ab. Selig, und abermal selig die Seele, die zu diesem Frieden sich erhoben hat. Dies ist jene kostbare Perle, die zu erwerben der Mensch nicht zu viel gibt, wenn er sie auch um seinen ganzen Besitz kauft. Kolosser 3,15a: "In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar!"

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Betrachtung am 1. Juni - Das innerliche Gebet eine Schule des Heiligen Geistes

 

Herr, wunderbar sind deine Lehren.

Sie sind des Heiles Wissenschaft,

Und geben mit dem Licht die Kraft,

Die Seelen wahrhaft zu bekehren.

 

1. Sei achtsam gegenüber der Stimme deines Gottes. Jesaja 48,17: "So spricht der Herr, dein Erlöser, der Heilige Israels: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich lehrt, was Nutzen bringt, und der dich auf den Weg führt, den du gehen sollst." Er ist es, der im innerlichen Gebet dich unterweist und lehrt, dich selbst überwinden, deine ungeordneten Begierden ordnen, heilige Tugenden üben, und mit ihm dich vereinigen. Dies sind fürwahr höchst nützliche Dinge, da sie zum ewigen Leben helfen. Und je aufmerksamer du diese Lehren mit dem innerlichen Ohr deines Herzens anhörst, um so mehr wirst du im Geist zunehmen. Wie lange gehst du schon in diese heilige Schule, und welche Fortschritte machst du in ihr?

 

2. Aber nicht nur durch Worte, auch durch Beispiele lehrt dich der Herr, dein Gott. Dich zu lehren kam er von den himmlischen Höhen, und keine Tugend lehrt er dich, zu keinem Werk ermahnt er dich, das du in seinem heiligsten Leben nicht vollkommen ausgedrückt schauen konntest, so dass du in allen Ereignissen deines Lebens Beispiele zur Nachahmung darin findest. Darum auch ruft er allen seinen Schülern zu "Lernt von mir". Sieh, wie viel so viele Heilige und Gerechte von ihm lernten. Von ihm lernten die jungfräulich Lebenden die Reinheit, die Leidenden Geduld, und allen Heiligen die Heiligkeit. Wie lange wirst du noch hinter so vielen deiner Mitschüler zurückbleiben.

 

3. Ein großer Unterschied auch ist zwischen seiner Schule und den Schulen der Menschen. Denn Menschen können wohl lehren, aber weder können sie Verstand, noch die Kraft verleihen, das Erlernte zu vollbringen. Der Herr aber spricht im Psalm: "Ich werde dir Verstand geben". Er erleuchtete den Sinn vieler einfachen Menschen, dass sie himmlische Geheimnisse erkannten, die den Weisen und Klugen dieser Welt verborgen sind. Er kräftigte Kinder, Jungfrauen und Greise zu Tausenden, seine heilige Lehre mit ihrem Blut zu besiegeln. Er kräftigt auch jeden Tag innerlichen Seelen, die Tugenden vollkommen zu üben, die ihnen im Gebet eingibt. So liebe denn das innerliche Gebet, und du wirst schnell eine hohe Vollkommenheit erreichen. Psalm 69,14: "Ich aber bete zu dir, Herr, zur Zeit der Gnade. Erhöre mich in deiner großen Huld, Gott, hilf mir in deiner Treue."

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