Betrachtungen von April bis Juni

 

Betrachtung am 1. April - Jesus und die Samaritin

 

Sieh, durstend harrt am Born der Lebensquell,

Die Durstigen mit Wunderflut zu tränken.

So eilet denn, geliebte Seelen, schnell:

Ihn dürstet, mit dem Heil euch zu beschenken.

 

1. Betrachte deinen lieben liebevollen Heiland, wie er von der Hitze des Tages und der langen Reise ermüdet, dürstend beim Brunnen Jakobs sitzt. O guter Hirt, unter wie großen Mühsalen suchst du deine Schäflein. Unter Hunger und Durst, Hitze und Kälte durchziehst du weite Landschaften, deine verirrten und verlorenen Schafe auf Bergen, in Tälern und Wüsten zu suchen. Ja selbst deine Ruhe ist Arbeit, denn dürstend nach dem Heil einer Seele, wartest du sitzend an diesem Brunner, und erbittest einen Trunk Wasser, um dafür mit dem Quell des ewigen Lebens zu vergelten.

 

2. O komm, du glückselige Frau. Bist du auch eine Sünderin, so zögere deshalb nicht. Folge der Gnade, die dich anzieht und dich sucht, ohne dass du sie suchtest. Und sie hört die Worte des Lebens, staunt und fühlt ihr Herz wundersam durchglüht. O sieh wie das Wasser des Lebens in ihr zu wirken beginnt. Sie fragt nicht mehr nach irdischen Dingen, sie erkundigt sich nach der Weise, Gott vollkommen zu dienen, und kaum hat sie erkannt, dass der Messias zu ihr spricht, so fühlt sie sich umgewandelt in eine Apostelin, und eilt, ihrer Stadt das Evangelium, die frohe Botschaft von der Ankunft des Welterlösers, zu verkündigen.

 

3. Wunderbare Macht der göttlichen Erleuchtung. Eine verachtete Samaritin glaubt, ohne ein Wunder zu sehen, und die Pharisäer erblinden im Licht der größten Wunder selbst. Doch sieh, was nun geschieht. Noch verweilt Jesus bei dem Brunnen, da erscheinen seine Jünger, mit Speise ihn zu stärken. Aber so wunderbar hat die Bekehrung ihrer Seele ihn bereits genährt, dass er zu den geliebten Jüngern sagt: "Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt." Denn das Heil der Seelen ist seine Speise, seine Ernährung, sein Gastmahl. So erfreuen denn auch wir unseren Erlöser durch unsere wahre Bekehrung, nach der ihn noch am Kreuz dürstete, und die er als den einzigen Lohn seiner vielen Arbeiten und Leiden verlangt. Jeremia 3,14: "Kehrt um, ihr abtrünnigen Söhne, denn ich bin euer Gebieter. Ich hole euch und bringe euch nach Zion."

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Betrachtung am 2. April - Am Fest des heiligen Franz von Paula

 

Hell leuchteten die Heil`gen uns voran:

Dass auf dem Weg nicht zurück wir blieben.

Ihr Beispiel ist das Licht auf unsrer Bahn,

Sie alle lehren büßen uns und lieben.

 

1. Der heilige Franz von Paula war ein Engel an Unschuld und zugleich ein Wunder der Buße. Noch als vierzehnjähriger Junge entfernte er sich in die Einöde, und seine ganze Nahrung bestand aus wenigen wilden Kräutern. Nie aß er Fleisch, nie trank er Wein, nie legte er das härene Bußkleid ab. Und diese strenge Lebensweise beobachtete er bis in sein achtzigstes Jahr, ohne von seinem beständigen Nachtwachen, noch von seinen strengen Geißelungen zu sprechen. Wahr ist es, viele große Heilige wurden vom Geist Gottes zu so außerordentlichen Bußwerken angeregt. Und niemand soll ohne den Rat eines erleuchteten Führers so etwas unternehmen, aber ohne alle Bußwerke ist es nicht möglich, die Reinheit des Lebens zu bewahren.

 

2. Nicht weniger wunderbar als seine Buße war die Demut dieses großen Heiligen. Er sah Könige zu seinen Füßen, ja Gott selbst hatte die Gabe der Wunder in erstaunlich hohem Grad ihm verliehen. Dennoch war nie eine Seele demütiger. Er betrachtete sich als den letzten aller Menschen, und wollte auch, dass die Brüder des kirchlichen Ordens, den er stiftete: Minimen, nämlich die Mindesten, sich nennen sollten. Können wir nun die Strenge Buße dieses heiligen Gottesmannes nicht nachahmen, so verhindert doch unsere körperliche Schwäche uns nicht, seine Demut nachzuahmen, ohne die keine Tugend Gott wohlgefällig ist. 

 

3. Setzte aber die Demut diesen Heiligen unter alle Menschen, so erhob dagegen seine feurige Gottes- und Nächstenliebe ihn bis zu den Seraphim. Immer führte er den Namen Caritas im Mund, sein Herz brannte von heiliger Gottesliebe, sie war die Seele seiner Werke, sie auch war der Quell seiner unermesslichen Nächstenliebe. Diese lebendige und tätige Liebe ist das Merkmal aller wahren Jünger Jesu. Herrscht diese Liebe in unserem Herzen? Lieben wir Gott so getreu, dass wir ihm zu Liebe jede Trübsal gern ertragen? Lieben wir den Nächsten um seinetwillen? Ertragen wir seine Fehler mit Geduld? Sind wir bereit, mit Rat und Tat ihm zu helfen? 1. Korinther 13,4-8a: "Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf."

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Betrachtung am 3. April - Von der österlichen Beicht

 

Die Sünder willst du, Gott, mit dir versöhnen

Und mit Erbarmungen die Frevler krönen.

O Güte, Liebe, o Barmherzigkeit.

O Sünder, welche reiche Gnadenzeit.

 

1. Auf, gehorche der Stimme der heiligen Kirche, die in dieser Fastenzeit als eine liebevolle Mutter dich ermahnt, durch eine wahre und aufrichtige Beicht mit Gott dich zu versöhnen. Fällt es dir schwer, dich zu demütigen, so bedenke die göttlichen Belohnungen, die mit dieser Demütigung verknüpft sind. Durch das Bekenntnis deiner Sünden verehrst du Gottes Heiligkeit, und bringst deine Ehre ihr zum Opfer. Dein Schmerz versöhnt seine Gerechtigkeit, die die verdiente Strafe dir erlässt. Durch die Beicht reinigst du dein Gewissen, heilst deine Wunden und sicherst dein Heil. Ja nicht nur dies, denn die heilige Beicht schmückt dich auch mit einer Gnade und Gerechtigkeit, die dich heiligt und alle deine Kräfte durchdringt.

 

2. Hättest du Augen, zu sehen, wie bei der priesterlichen Lossprechung der Mensch in ein neues Geschöpf umgewandelt wird. Gleichwie bei den Worten des Engels die Fesseln von den Händen des Apostels Petrus fielen, also werden hier auf die Stimme des Priesters die Ketten Satans gelöst. Gott nimmt dich zu seinem Kind auf, gesalbt wirst du vom Heiligen Geist und zu einem Erben des himmlischen Reiches erhoben. Dies bedeutet jenes Feierkleid und jener Schmuck, die dem verlorenen Sohn nach dem demütigen Bekenntnis seiner Schuld gegeben wurden. Denn nicht nur fiel der milde Vater ihm um den Hals und nahm ihn in seine Gnade auf, sondern er befahl auch, das erste Gewand, einen Ring und Schuhe herbeizubringen, um ihn zu Schmücken wie es der Würde eines Sohnes geziemte.

 

3. Mein Erlöser, ich folge deiner Stimme. Preis und ewiges Lob sei deiner unendlichen Liebe für das Bad der Reinigung, das du in deinem Blut mir bereitet hast. Nähern will ich mich diesem Quell des Heils mit demütiger Zerknirschung, und meine Missetaten im Schmerz meiner Seele bekennen. Welche Danksagungen, Herr, genügen je für diese unendliche Wohltat: dass du für dies Bekenntnis die ewigen Strafen uns erlässt, und für kurze Beschämung uns zu ewiger Ehre erhebst. Psalm 116,8: "Ja, du hast mein Leben dem Tod entrissen, meine Tränen getrocknet, meinen Fuß bewahrt vor dem Gleiten."

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Betrachtung am 4. April - Von der Mildtätigkeit gegenüber den Armen

 

Schließe nicht dein Ohr dem Armen,

Christus ist`s, der durch ihn fleht;

Zeigest du ihm kein Erbarmen,

Hast den Herrn du selbst verschmäht.

Aber wenn er für dich spricht,

Wirst du siegen im Gericht.

 

1. Sieh, Jesus selbst lehrt uns heute durch sein Beispiel, die Armen nähren und ihrer Not abhelfen. Lernen wir von ihm, und tun wir was wir ihn tun sehen, denn er ist nicht nur unser Lehrer und unser Vorbild, sondern er betrachtet auch alles, was wir seinen Armen tun, also, als hätten wir es ihm getan. Nähren und kleiden wir also den Armen, so nähren und kleinen wir IHN selbst. Er selbst ist in dem Armen wie unter einem geheimnisvollen Schleier verborgen. Und überreichlich wird er für unsere Wohltaten uns belohnen, und auch nicht einen Becher kalten Wassers unbelohnt lassen.

 

2. Nachdem alle Armen gesättigt waren, blieben noch zwölf Körbe voll der Stücke von den wenigen Gerstenbroten übrig. Fürchte dich nicht zu verarmen. Solange du den Armen gütig mitteilst, werden deine Brote unter deinen wohltätigen Händen sich vermehren. Niemals wird es dir am Notwendigen fehlen, wenn du den Armen es nicht am Notwendigsten fehlen lässt. Und so wenig wirst du dein Geld verlieren, als der Ackermann seine Frucht verliert, die er aussät. Denn die Hand des Armen ist ein fruchtbares Ackerland, das hundertfältige Früchte bringt. "Wer kärglich sät, wird auch kärglich ernten;" spricht der Apostel, "wer reichlich sät, wird reichlich ernten." (2. Korinther 9,6)

 

3. Lukas 6,38: "Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden." Glauben wir dies nicht, so sind wir keine Christen. Glauben wir es aber, und tun es nicht, so schließen wir uns selbst von den zeitlichen und ewigen Belohnungen Gottes aus. Wann wirst du einmal den Verheißungen Gottes trauen? Ist etwa dein Geld nicht gut bei ihm angelegt? Oder ist er nicht reich genug, dir hundertfältig zu vergelten? Ja ist nicht alles, was du besitzt, sein Geschenk? Wie also weigerst du dich, einen geringen Teil davon ihm zu borgen, zumal da er Güter der Zeit und der Ewigkeit dir dafür verheißt? "Wohl dem, der sich des Schwachen und Armen annimmt; zur Zeit des Unheils wird der Herr ihn retten." (Psalm 41,2)

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Betrachtung am 5. April - Von der Gewissenserforschung und der Reue

 

Zerknirscht von tiefem Liebesschmerz

Sinkt, Gott, zu Füßen dir mein Herz.

O nimm es auf uns sieh, Herr, meine Reue.

Dich lieben will es nun in ew´ger Treue.

 

1. Bereite dich mit Andacht und heiligem Ernst zu dem großen Werk deiner Rechtfertigung. Und gehe in dein Inneres ein, alle Falten deines Herzens zu durchforschen. Sei jedoch nicht so mit deinen Fehlern beschäftigt, dass du darüber die wahre Reue und Zerknirschung vergisst. Denn manche suchen ihre Sünden mit Ängstlichkeit auf, gedenken aber der Reue darüber nur oberflächlich, beherzigen auch weder Gottes unendliche Güte, noch ihren Undank und ihre Untreue, noch die Ursache ihrer Sünden, noch auch die Mittel sich zu bessern. Sie bedenken nur was sie zu sagen, nicht was sie zu tun haben, daher die geringe Frucht so vieler Beichten.

 

2. Rufe den Heiligen Geist andächtig um seine Erleuchtung an, und tue dann was an dir ist, mehr verlangt der Vater des Erbarmens nicht. Hast du eine genügende Zeit auf die Erforschung deines Gewissens verwendet, so ängstige dich nicht weiter, denn gern verzeiht Gott dir die Sünden, die deine Gebrechlichkeit vergaß. Mehr liebt er es, dass du dein Herz, als dass du deinen Verstand anstrengst, mehr, dass du deine Sünden verabscheust, als ihrer dich erinnerst, mehr, dass du deinen Willen beugst, als dein Gedächtnis peinigst. Er will, dass du dich vor ihm demütigst, deinen Willen ihm zum Opfer bringst, und auf seine Barmherzigkeit vertraust.

 

3. Erwecke wahre Reue und tiefsinnige Zerknirschung über deine Fehler, und verabscheue sie in Gottes heiliger Gegenwart. Indessen ist die Tiefe der Empfindung nicht das Maß des Schmerzes und der Reue. Wahrhaft zerknirscht ist, wer keine falsche Beicht ablegen will, wer fest entschlossen ist, nicht mehr zu sündigen. Manche bilden sich ein, sie hätten keine wahre Reue, werden darüber kleinmütig, und es wird das heilsame Sakrament der Buße ihnen zuwider. Dies ist eine Arglist des unsichtbaren Feindes, der sie in seinen Fesseln zurückhalten will. Gehe du einfach mit Gott, der die Einfalt des Herzens liebt. Und ersetze durch tiefe Demut und Vertrauen auf seine göttliche Barmherzigkeit, was dir an Tiefe der Empfindung fehlt. 1. Johannes 1,8-10: "Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht. Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns."

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Betrachtung am 6. April - Von der herrschenden Leidenschaft

 

Gib mir, Herr, der Liebe Licht,

Meines Heiles Feind zu finden;

Und ihn, der mit Arglist ficht,

Stark im Kampf zu überwinden.

 

1. Selten ist ein Mensch gänzlich frei von Leidenschaften. Ja meist haben wir alle gegen mehrere Leidenschaften zu kämpfen, unter denen eine hervorragt, die über alle anderen herrscht und sie in Bewegung setzt. Diese Hauptleidenschaft ist, je nach den verschiedenen Gemütern, verschieden. Bei dem einen ist es der Stolz, und der drängt ihn Tag und Nacht, sich hervorzutun, und alle anderen zu verachten. Bei anderen ist es der Zorn, der immer Feuer und Flammen spuckt, und wegen eines unbedeutenden Wortes in Wut gerät. Bei anderen der Neid, der sie verzehrt, wenn es anderen gut ergeht. Bei noch anderen die Verleumdungssucht, die alles mit ihrem Gift begeifert. Nur diese sollen erwähnt sein, um nicht von den vielen anderen schändlichen Leidenschaften zu sprechen. 

 

2. Diese herrschende Leidenschaft ist der Hauptquell unserer Sünden, denn sie fließt in unsere Gedanken, Begierden, in all unsere Werke, in unser ganzes Leben ein. Und arbeiten wir ihr nicht mit Gewalt entgegen, so verfinstert sie unseren Verstand, und schlägt uns mit so furchtbarer Blindheit, dass wir im Laster uns beruhigen. Wird aber das Gewissen dennoch aufgeschreckt, und fühlt eine Seele die Notwendigkeit, Widerstand zu leisten, so ist doch ihr Kampf nur schwach. Und da es ihr nie recht ernst ist, wird sie beinahe immer überwunden. So geschieht es, dass diese Lieblings-Leidenschaft immer tiefere Wurzeln greift, und selbst im Tod nicht mehr weicht.

 

3. Erforsche dich selbst, und lerne diese Hauptfeindin deines Heils kennen. Es ist hier fürwahr kein Scherz, denn viele stürzte sie in die ewige Verdammnis. Fasse daher den festen Entschluss, sie männlich zu bekämpfen, und verschiebe diesen Kampf nicht auf die Zukunft. Denn je länger du wartest, um so heftiger wird sie, um so schwächer dein Mut, um so gleichgültiger dein Wille, und um so mehr entfernt sich die Gnade. Täusche dich also nicht selbst, sondern rufe den Beistand Gottes an, und du wirst mit seiner Hilfe siegen und zu großer Freiheit des Geistes gelangen. "Durch dich, mein Gott, werde ich von der Anfechtung errettet werden; und in dir werde ich alle Mauern und Hindernisse übersteigen." (Psalm 18,30)

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Betrachtung am 7. April - Über das Gift des Stolzes

 

O gib mich, Herr, der Hoffart nicht zum Raube.

Und lass mein Flehn Erhörung bei dir finden:

Dass nicht von ihrem finstern Höllenstaube

Des Geistes Augen, der dich sucht, erblinden.

 

1. Höre den Ausspruch des Heiligen Geistes über das fluchwürdige Laster des Stolzes, und lerne es aus ganzem Herzen verabscheuen. "Der Stolz ist der Anfang aller Sünde, und wer damit behaftet ist, der wird mit Fluch erfüllt werden, und sie wird ihn zuletzt stürzen." (Jesus Sirach 10) Durch ihn begann die Sünde im Himmel, sie erfüllte den stolzen Cherub mit Fluch, und stürzte ihn in die ewige Verdammnis. Und was ist auch jede Sünde anderes als Stolz, der gegen Gottes heiliges Gebot sich empört? Nimm den Stolz aus der Welt, und es schwinden die meisten Laster mit ihm. Denn aus ihm gehen Herrschsucht, Vermessenheit, Heuchelei, Starrsinn, Rachsucht, Ungerechtigkeit, Unbarmherzigkeit und noch viele andere Laster gleich ebenso vielen Missgeburten hervor.

 

2. So abscheulich ist dieses Laster, dass der Stolze, der Hoffärtige es vor sich selbst verbirgt. Zeigt aber dies nicht allein schon, dass etwas sehr Niedriges und Schändliches darin verborgen liegt, das den Menschen herabwürdigt? Indessen nagt dieser giftige Wurm sogar an dem Herzen nicht weniger, sonst gottesfürchtiger Menschen. Und so subtil ist dieses Gift, dass es ihre innerlichen Augen verblendet, so dass sie es nicht einmal in sich erkennen. Und hier greife in dein eigenes Gewissen, und findest du dieses Laster in dir, so ertöte es vor dem Kreuz deines demütigen Herrn.

 

3. Kein Laster ist auch so sehr gegen die Natur des Menschen. Denn was ist dieser Leib der Sünde, wenn nicht ein Raub und eine baldige Speise der Würmer? Blicken wir aber in unser Inneres: was anders sehen wir dann als Blindheit, Elend und Sünden, bei deren Anblick wir fürwahr in den Abgrund unseres Nichts versinken sollten. Und dennoch strebt dieses Laster mit aller Macht sich zu erheben. Darum auch widersteht Gott dem Stolzen, ja ihn zu demütigen und zu beschämen, überlässt seine Gerechtigkeit ihn den abscheulichsten Begierden seines Herzens und den schändlichsten Ausschweifungen. Demütigen wir uns vor Gott und den Menschen, wenn wir seine Gnade erlangen und bewahren wollen. Jakobus 4,10: "Demütigt euch vor dem Herrn; dann wird er euch erhöhen."

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Betrachtung am 8. April - Über die Sünde der Unzucht

 

Auf dem Erdkreis brennt ein schädlich Feuer,

Das die edlen Tugenden verzehrt;

Rette, Herr, von diesem Ungeheuer

Meine Seele, die zu dir sich kehrt.

 

1. Die Unzucht ist ein Feuer, das keine kleinen Wunden brennt. Ja was noch furchtbarer ist, je weniger sie gefühlt werden, um so unheilbarer sind sie. Wie bei dem Biss der Schlange, der kaum fühlbar ist, dringt dieses Gift augenblicklich durch den ganzen Körper bis in das Herz, und tötet das Leben der Seele. Indessen wird dies Laster menschliche Schwäche, Sünde aus Gebrechlichkeit genannt, und dennoch ist keines schrecklicher in seinen Folgen, denn es ist fürwahr der Quell der größten Verbrechen. Abfall vom Glauben, Ärgernisse in Städten, Zwietracht in Familien, niederträchtige Verleumdungen, Mordtaten, Verzweiflung, Selbstmorde sind die gewöhnlichen Folgen dieser sogenannten Schwachheitssünde. 

 

2. Aber unendlich verschieden von den Ansichten der Menschen sind Gottes Gerichte. Warum vertilgte die Sündflut das menschliche Geschlecht? Weil die Welt in Unzucht versunken war. Genesis 6,12: "Gott sah sich die Erde an: Sie war verdorben; denn alle Wesen aus Fleisch auf der Erde lebten verdorben." Eben darum fiel auch das Feuer vom Himmel über diese unzüchtigen Städte, ihre schändlichen Unreinheiten bis auf die letzte Spur zu vertilgen. Über 24.000 Israeliten ließ Gott wegen dieses Lasters durch das Schwert niedermachen. Und wie schwer musste David die Sünde des Ehebruchs büßen. Wie viele tausend Seelen auch fallen, ungeachtet Gottes unendlicher Barmherzigkeit, wegen dieses Lasters der ewigen Verdammnis anheim.

 

3. Die gewöhnlichste und furchtbarste Strafe dieses Lasters ist die Verblendung. Die Unzucht raubt dem Unzüchtigen das Licht der Gnade und des Glaubens. Ihm ist dieses Laster keine Sünde mehr, es ist Schwäche, Notwendigkeit. Buße ist Torheit in seinen Augen. Das Feuer der Hölle ist ihm lästig. Erst bezweifelt, dann leugnet er es. Ein Gott, der diese kurze Lust ewig bestraft, ist ihm ein ungerechter Gott, und da er ihn nicht ändern kann, leugnet er sein Dasein. Dies ist die gewöhnliche Sprache aller Unzüchtigen von den höchsten Ständen an bis zu den niedrigsten. Hüten wir uns vor diesem schrecklichen Laster. Wären wir aber unglückseligerweise darin gefangen, so rufen wir Tag und Nacht zum Herrn, uns daraus zu erretten. "Wisst ihr denn nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Täuscht euch nicht. Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Lustknaben, noch Knabenschänder, noch Diebe, noch Habgierige, keine Trinker, keine Lästerer, keine Räuber werden das Reich Gottes erben." (1. Korinther 6,9-10)

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Betrachtung am 9. April - Mittel gegen das Laster der Unzucht

 

Gib Kraft, mein Gott mir, dass ich mich bezwinge,

Und in so schwerem Kampf nicht unterliege.

Denn deine Stärke nur hilft mir zum Siege;

Denn ich durch eigne Schwäche nie erringe.

 

1. Es gibt Laster, die man mit kühnem Mut angreifen muss, und andere, die nur durch eine schnelle Flucht sich überwinden lassen. Zu diesen letzteren gehört die Unzucht, die gefährlichste Feindin unserer Seele. Wer dieser schmeichelnden Sirene sich nähert, ist schon zur Hälfte besiegt, und wer sie anhört, wird bald mit ihr verhandeln, denn sie steht im Einverständnis mit unserem eigenen Herzen und mit allen unseren Leidenschaften. Inbrünstiges Gebet, ernste Wachsamkeit und Flucht sind wirksame Mittel, diesem Ungeheuer zu entkommen und den Sieg uns zu sichern.

 

2. "Der Tod", spricht der Prophet, "ist durch unsere Fenster gestiegen." (Jeremia 9,20) Willst du daher nicht ein Raub des Todes werden, so schließe diese Fenster und entziehe deinen Augen den Anblick gefährlicher Gegenstände. Oft genügt ein vorwitziger Blick, das ganze Herz in Brand zu setzen. Meide also, wenn dein Heil dir lieb ist, nicht nur jeden gefährlichen Umgang, sondern entferne auch alle unzüchtigen Bücher, Gespräche und Ähnliches. Üppiger Putz und Halbnacktheiten sind ein wahres Netz des Teufels, worin unzählige Seelen gefangen werden. 

 

3. Gott verknüpfte eine natürliche Scham mit diesem Laster, und die Gegenwart eines ehrbaren Menschen würde selbst die heftigste Leidenschaft in Schranken halten. Nun sieht dich aber nicht das Auge eines Menschen, sondern derjenige, der das Auge des Menschen erschaffen hat, und dessen Blick furchtbarer ist, als alle Augen der Welt. Genügt aber die Gegenwart der göttlichen Majestät nicht, dich abzuschrecken, so erwäge die namenlose Schande, wenn am Gerichtstag diese Werke der Finsternis vor den Augen aller Menschen ans Licht treten, und alle sie schauen werden. Und genügt auch dies noch nicht, so bedenke die ewige Feuerstrafe, die diesem Laster bestimmt ist, und die alles Irrgerede ungläubiger Lüstlinge nicht auslöschen wird. "Wer unter euch wird in dem verzehrenden Feuer wohnen können? wer aus euch wird in den ewigen Gluten bleiben wollen?" (Jesaja 33,14b)

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Betrachtung am 10. April - Von der Verleumdung

 

So wie dein Herz, o Mensch, ist auch dein Wort;

Genau wie du, ist´s gütig, wahr und rein;

Auch ist es, - bist du arg, - dein Wiederschein;

Und säst du es zu argen Taten aus,

Bringt es dafür Verdammnis dir nach Haus.

 

1. Schnell entschwebt ein Wort den Lippen, aber schrecklich sind oft seine Folgen. Leicht gleich einem Pfeil fliegt das Wort der Verleumdung dahin. Aber grausam, ja oft unheilbar, sind die Wunden dieses Pfeiles, er durchbohrt das Herz des Nächsten, und nicht weniger das Herz des Verleumders selbst. Die Zunge des Verleumders ist eine giftige Natter, ein zweischneidiges Messer, das die Glieder des geistigen Körpers Jesu Christi trennt, und sein heiligstes Herz selbst verwundet. Und dennoch halten viele dies schwere Laster kaum für eine Sünde, ja je witziger die Verleumdung, um so weniger hält der Verleumder sich für strafbar. Verwundet etwa dieser Pfeil weniger tödlich, weil er feiner gespitzt ist? Oder ist das Gift, das in einem süßen Trank gereicht wird, darum weniger Gift?

 

2. Verdient der gewöhnliche Räuber strenge Strafe: welche Strafe verdient wohl derjenige, der einem Menschen Ehre und guten Namen, die kostbarsten aller Güter raubt. Denn wie viele edle Menschen wollen lieber gar nicht, als ehrlos leben. Niemand erlangt die Verzeihung seiner Sünden, wofern er das geraubte Gut nicht zurückstellt. Wie aber soll, wer dem Nächsten die Ehre raubte, sie ihm wieder zurückstellen? Hier bleibt nichts anderes übrig, als sich selbst für einen Lügner zu erklären: wer aber kauft diese Sünde um solchen Preis zurück? Es ist also dieses Laster beinahe ohne Abhilfe, und dennoch wird kaum eins mit so großem Leichtsinn begangen. 

 

3. Täuschen wir uns nicht selbst. Unfehlbar ist der Ausspruch unseres Herrn: "Aufgrund deiner Worte wirst du freigesprochen, und aufgrund deiner Worte wirst du verurteilt werden." (Matthäus 12,37) Oft vielleicht haben wir, leider, durch Verleumdungen das Todesurteil gegen uns selbst ausgesprochen, und unserem Nächsten die Ehre geraubt. Machen wir also ohne Schonung gut, was wir noch gut machen können, und flehen wir aus tiefstem Herzensgrund zu dem Vater des Erbarmens, an unserer Statt zu ersetzen, was wir nicht mehr ersetzen können. Dulden wir auch, diese Sünden zu büßen, willig alle Verleumdungen, die über uns selbst ergehen können, und beten wir für unsere Verleumder. "Weder Verleumder noch Räuber werden das Reich Gottes erben." (1. Korinther 6)

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Betrachtung am 11. April - Über den Halb-Glauben

 

Präge, Jesu, deine Worte

Tief in meine Seele ein,

Dass sie bis ins Leben dringen,

Und die reichsten Früchte bringen,

Die des Himmels würdig sein.

 

1. Viele glauben an den Herrn Jesus, doch nur wenige glauben ihm. Erwäge aber, ob du zu dieser geringen Anzahl gehörst. Zwar sagst du, du glaubst an Jesus als an den wahren Sohn Gottes, und notwendig ist dieses Bekenntnis zur Seligkeit. Prüfe dich jedoch, ob du ihm auch glaubst. Glaubst du Jesus wirklich, wenn er spricht: "Wachet und betet, denn ihr wisst weder Tag noch Stunde." Würdest du dann so sorglos in den Tag leben, und so vielen Gefahren zur Sünde dich aussetzen? Glaubst du seiner Versicherung: "Gebt, und es wird euch gegeben werden." Würdest du dann so ängstlich fürchten, Not zu leiden, wenn du Bedürftigen kräftigen Beistand leisten sollst? Heißt dies Jesus glauben?

 

2. Woher aber dieser Halbglaube? Aus unserer Sinnlichkeit! Es ist eben nicht schwer, an Jesus zu glauben. Auch tut es nicht weh, ihn am Kreuz leidend und sterbend zu betrachten. Aber ihm glauben, wenn er befiehlt, sich selbst zu verleugnen, sein eigenes Fleisch samt seinen bösen Gelüsten zu kreuzigen, wenn wir in den Himmel eingehen wollen: dies allerdings ist schwer, und tut der Natur weh. Warum glaubt der Gottlose und Unzüchtige nicht, was Jesus von der Unzucht und vom ewigen Feuer spricht? Weil sie auf ihre Laster verzichten müssten. Da sie aber dies nicht wollen, darum glauben sie lieber gar nicht an ihn. Siehe, wohin dieser sündhafte Halbglaube führt.

 

3. Es genügt also nicht, dass du an Jesus glaubst, du musst auch Jesus glauben. "Denn die Schrift sagt: Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet." (Römer 4,3) Nicht dadurch wurde er gerechtfertigt, dass er an Gott glaubte, sondern dass er Gottes Worten glaubte. Viele Heiden glaubten, ja auch die bösen Geister glauben an ihn, ohne deshalb gerechtfertigt zu werden. Der Glaube an Christus ist allen Christen gemeinsam, sowohl Sündern als Gerechten. Dennoch ist die Hölle voll von solchen, die einst an Christus glaubten. Aber die ihm glaubten, richteten ihr Leben nach diesem Glauben aus, und freuen sich nun in der himmlischen Seligkeit. "Herr, lehre mich Güte, Zucht und Erkenntnis, denn ich habe deinen Geboten geglaubt." (Psalm 119,66)

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Betrachtung am 12. April - Von der Gewohnheitssünde

 

Schwer seufzt dies Herz in seinen Ketten,

Und fleht um Hilfe, Herr, zu dir.

O sende deine Gnade mir:

Aus diesem Kerker mich zu retten.

Auf dass ich, von mir selber frei,

Dein Knecht, mein Gott, auf ewig sei.

 

1. Niemand kommt plötzlich und auf einmal an den äußersten Rand des Verderbens. Zuerst sündigt der Mensch mit Angst, dann mit Sicherheit, endlich mit Lust, bis allmählich seine Sünden zu einer Kette sich gestalten, die seine unglückselige Seele fesselt, und in das Gefängnis der tyrannischen Gewohnheiten zieht, wo sein Geist erblindet, sein Herz erhärtet, sein Gewissen einschläft und seine Scham erlischt. In diesem Kerker sieht er sein Elend nicht, oder sieht er es auch, so liebt er es, und kann sich nicht entschließen, es zu verlassen. Kommt es ihm auch zuweilen in den Sinn, sich zu bekehren, so ist doch dieser Wille nur vorübergehend, und ohne Kraft und Wirkung.

 

2. Hat einmal ein Laster freien Lauf gewonnen, dann erwächst es zu einem gewaltigen Strom, der alles niederreißt, was sich ihm widersetzt. Es herrscht tyrannisch über den Willen und wird zu einer zweiten Natur, zu einer eisernen Gewohnheit und Notwendigkeit. Vergeblich pocht die Gnade an einem solchen Herzen. Alle ihre Pfeiler prallen von diesem harten Panzer zurück. Eher würde man der Erde einen Baum, als einem Herzen ein Laster entreißen, das einmal daselbst festgewurzelt ist. Darum auch spricht die Schrift von Gewohnheitssündern: "Kann ein Kuschit seine Hautfarbe oder ein Leopard die Flecken seines Fells verändern? Dann könntet auch ihr, die ihr ans Böse gewöhnt seid, Gutes tun." (Jeremia 13,23) 

 

3. Indessen soll dennoch niemand verzweifeln. Wer seine Übel noch fühlt und nach Heilung seufzt, ist noch nicht gänzlich von Gott verlassen, denn sein Verlangen nach Heilung selbst ist eine Wirkung der göttlichen Gnade. Es wird allerdings Gewalt, und zwar große Gewalt erfordert, eine eherne Gewohnheit zu brechen. Und selten auch bekehrt sich auf die Dauer, wer in Sünden ergraut ist. Rufe daher, wenn du in diesem unglückseligen Stand schmachtest, Gott inbrünstig um seine Hilfe an, und tue Werke der Barmherzigkeit an den Armen, die das Herz deines Erlösers rühren, und er wird deine Nächstenliebe durch deine Bekehrung belohnen. Psalm 38,5: "Denn meine Sünden schlagen mir über dem Kopf zusammen, sie erdrücken mich wie eine schwere Last."

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Betrachtung am 13. April - Über die Ehrsucht

 

Herr, der du kamst, die Demut uns zu lehren,

Gib mir, dass ich gelehrig von dir lerne,

Und allen Schwulst des Herzens weit entferne;

Denn Demut nur kann unser Herz bekehren.

 

1. Die Ehrsucht ist eine Folter, die den Ehrsüchtigen ohne Unterlass antreibt, über alle Gebühr sich zu erheben. Kein Rang, keine Ehrenstelle genügt ihm. Immer strebt er höher, und spricht gleich jenem stolzen Seraph: "Ich ersteige den Himmel; dort oben stelle ich meinen Thron auf, über den Sternen Gottes. Ich steige weit über die Wolken hinauf, um dem Höchsten zu gleichen." Jesaja 14,13-14) Nie sieht er, was unter ihm, mit Schmerz sieht er nur, was über ihm steht. Also sah auch Luzifer die zahllosen Engel nicht, die unter ihm waren. Er sah nur Gott, der höher war als er. Seine Ehrsucht aber verblendete ihn so sehr, dass er ausrief: "Gleich will ich sein dem Allerhöchsten!" Dürfen wir uns noch wundern, dass Gott die Ehrsucht und den Ehrsüchtigen hasst?

 

2. Der Ehrsüchtige nimmt keine Rücksicht auf die Mittel, sich emporzubringen, wie ungerecht immer sie sein mögen, sind sie vortrefflich, wenn sie nur seine Absichten fördern. Jeder Weg emporzukommen, ist ihm gerade recht. Er hat nur das Ziel im Auge, was dahin führt, sei es auch schlecht und niederträchtig, ist ihm gleich. Seine Ehrsucht ist sein Abgott. Ihm opfert er Recht, Gewissen, Heil und Menschlichkeit auf. Weder hört er Vernunft, noch Freundschaft, noch die Stimme der Natur, noch der Dankbarkeit an, er hört nur eine Stimme: den Schrei seiner Leidenschaft. Wie viele stiegen auf dem entseelten Körper, sogar eines ermordeten Vaters, wie auf einer Stufe, zum Thron empor.

 

3. Verdammt aber schon die Vernunft dies Ungeheuer, so spricht der Glaube den Fluch darüber aus. "Was die Menschen für großartig halten, das ist in den Augen Gottes ein Gräuel." (Lukas 16,15b) Von diesem fluchwürdigen Laster uns zu heilen, ließ der Allerhöchste selbst sich herab, seine ewige Glorie gleichsam abzulegen, und kam, nicht sich dienen zu lassen, sondern zu dienen, und am Kreuz zu sterben. Was wird je diese schreckliche Krankheit heilen, wenn eine solche Arznei sie nicht heilt. Er auch zeigt uns den Weg zur wahren Größe und sprach: "Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein." (Markus 9,35b) "Warum überhebt sich der Mensch aus Staub und Asche, dessen Leib schon zu Lebzeiten verwest?" (Jesus Sirach 10,9)

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Betrachtung am 14. April - Von Rückfällen in die Sünde

 

Es schütze, Herr, mich deine starke Hand;

Sie breche meines Herzens Widerstand:

Dass ich nicht frevelnd häufe Schuld auf Schuld,

Und sich in Zorn verwandle deine Huld.

 

1. Lebe sorgsam vor Gott, und hüte dich vor Rückfällen in die alten Sünden. Denn je öfter eine Sünde verziehen wurde, um so unverzeihlicher wird sie. Je mehr sie an Anzahl zunimmt, um so mehr auch nimmt sie an Bosheit zu, und wird gleich einer alten Wunde unheilbar. Sünden, die einmal zur Gewohnheit wurden, wandeln sich bald in Notwendigkeit, weil der Wille immer schwächer, der Geist immer blinder, die Leidenschaften immer unbändiger, die Heilmittel dagegen immer unwirksamer werden. Und so gerät der Mensch, der mit so großer Erkenntnis und so schnödem Undank von Gott sich abwendet, abermals in die Schlinge des unsichtbaren Feindes, der ihn nun um so fester hält.

 

2. Dürfen wir uns wundern, dass so viele durch ihre beständigen Rückfälle ein Raub der Verdammnis wurden? Durch dies beständige Fortsündigen treibt der Mensch seinen Spott mit dem Allerhöchsten, er verachtet seine Geduld, trotzt seiner Gerechtigkeit, sündigt vermessen auf Gottes Barmherzigkeit, tritt das Blut der Erlösung mit Füßen, und reizt Gottes Langmut zum Zorn. Auf die sündige Lust folgt dann die Bitterkeit, auf die Vermessenheit die Verzweiflung, auf die Barmherzigkeit die Rache, wie die Schrift bezeugt, die spricht in Jesus Sirach 5,4-7: "Sag nicht: Ich habe gesündigt, doch was ist mir geschehen? Denn der Herr hat viel Geduld. Verlass dich nicht auf die Vergebung, füge nicht Sünde an Sünde, indem du sagst: Seine Barmherzigkeit ist groß, er wird mir viele Sünden verzeihen. Denn Erbarmen ist bei ihm, aber auch Zorn, auf den Frevlern ruht sein Grimm. Zögere nicht, dich zu ihm zu bekehren, verschiebe es nicht Tag um Tag. Denn sein Zorn bricht plötzlich aus, zur Zeit der Vergeltung wirst du dahingerafft."

 

3. O ewige Güte, nicht würdig bin ich, nach so vielfältigem Undank und Meineid, die Augen zu dir zu erheben, denn nicht Schwäche und Gebrechlichkeit, sondern Bosheit, Verachtung, Unbußfertigkeit muss ich meine Sünden nennen, die nicht zu entschuldigen sind, und keine Verzeihung verdienen. Dennoch, mein Gott, verzweifel ich nicht an deiner Barmherzigkeit, der du kein reuiges und zerknirschtes Herz verwirfst. Und da du mir befiehlst Buße zu tun, so will ich heute noch beginnen, sie aufrichtig und ernsthaft zu wirken, will im Sakrament der Gnade mich reinigen, und von nun an dir getreu und unablässig dienen. "Gott will nicht, dass jemand zugrunde geht, sondern dass alle sich bekehren." (2. Petrus 3,9b)

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Betrachtung am 15. April - Von Gottes Barmherzigkeit

gegenüber den Sündern

 

Nein, Herr, du willst den Tod des Sünders nicht;

Barmherzig kommst selbst du ihm entgegen,

Und sendest ihm der Gnade helles Licht,

Sich zu bekehren von der Bosheit Wegen. 

 

1. Gott liebt seine Geschöpfe. Er liebt selbst die Sünder. Er liebt sie zwar nicht als Sünder, sondern als Elende, denn seine unendliche Liebe drängt ihn, die Milch seiner Erbarmungen in alle Herzen zu ergießen, die ihrer bedürfen. Darum ermahnt er den Menschen, der durch die Sünde von ihm sich entfernt hat, durch den lauten Ruf seines Gewissens. Er beunruhigt ihn durch die Vorstellung der Gefahr, in der er schwebt, und drängt ihn zur Rückkehr. Flieht aber der Sünder, gleich dem Propheten Jona, vor dem Angesicht Gottes, so verfolgt er ihn sogar in seiner Flucht. Was würde man von einem Richter sagen, der dem Verbrecher nacheilte, und ihn drängte, Gnade anzunehmen?

 

2. Mit wunderbarer Langmut geht Gott dem Sünder oft selbst an die Orte nach, wo er ihn am wenigsten erwartet. Er vergällt ihm seine Lust durch Bitterkeiten und schreckt ihn zuweilen durch Androhungen eines jähen Todes und der ewigen Verdammnis. Bleibt aber der Sünder bei allen Einladungen, Ermahnungen und Drohungen ungerührt, so wartet Gott wie ein milder Vater oft geduldig, bis der Wahnsinn seiner Leidenschaft sich gelegt hat, und er zu ruhigem Nachdenken gelangt. So liebevoll ist er, dass er zu der sündigen Seele spricht: "Kehre zurück, ich schaue dich nicht mehr zornig an, denn ich bin gütig, ich trage nicht ewig nach." (Jeremia 3,12) Kann die liebevolle Geduld Gottes je weiter gehen?

 

3. Um so wunderbarer ist diese Langmut, als er, der beleidigte Gott, alle Mittel in Händen hat, sich zu rächen. Nicht wenige gänzlich verstorbene Sünder wurden auch, nachdem er alle seine Erbarmungen vergeblich an ihnen erschöpft hatte, plötzlich aus dem Leben gerufen. Wie tief innig sollen wir von Gottes großer Barmherzigkeit uns gegenüber durchdrungen sein. Denn konnte nicht auch uns widerfahren, was ihnen widerfuhr? Und hätten wir es weniger verdient? Und siehe, noch leben wir. Wie, mein Gott, habe ich diese Gnade verdient? Ewig will ich dein Erbarmen preisen, und durch verdoppelte Treue die Beleidigungen ersetzen, die ich deiner göttlichen Liebe angetan habe. Psalm 103,2-4: "Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt, der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt."

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Betrachtung am 16. April - Vom Gericht nach dem Tod

 

Wohin soll, Herr, ich fliehen

Vor deinem Angesicht,

Wenn ich von hier muss ziehen

Und kommen zum Gericht.

O richte meine Lebenszeit

Mit Gnade und Barmherzigkeit.

 

1. Hebräer 9,27: "Es ist dem Menschen bestimmt, ein einziges Mal zu sterben, worauf dann das Gericht folgt." Wie wird uns zu Mute sein, wenn es heißen wird: Fort von hier, vor den Richterstuhl des ewigen Richters! Allein, in unermesslicher Öde, fern von dieser Erde, vor mir der gerechte Richter, der alle meine Gedanken, Worte, Begierden, Absichten, Werke, Ärgernisse auf den Waagschalen des heiligen Kreuzes wiegt, zur Rechten der Engel, den Gott zum Beschützer und Zeugen meines Lebens mir gegeben hatte, zur Linken den schrecklichen Ankläger, der meine Verdammnis fordert. So schwebt meine arme, vom Körper gelöste Seele, die nun sich selbst nicht mehr vor sich verbergen kann, sondern in ihrer ganzen Hässlichkeit sich schauen muss, zitternd in namenloser Angst und Erwartung.

 

2. Herr, allwissender, gerechter, unbestechlicher Richter: ach, was ist mein Leben anderes als ein gräuliches Gewebe von Sünden, Buße, Rückfällen, unbesonnenen Worten, unvollkommenen Werken und zahllosen Versäumnissen. Was werde ich Elender beginnen, der ich auf tausend Fragen dir nicht eine Antwort geben kann, denn hier sind die geheimsten Falten des Herzens entschleiert, es treten die verborgensten Missetaten in das hellste Licht, und alle Gnaden, alle innerlichen Ermahnungen, die vom Bösen mich zurückhielten und zu Werken der Gerechtigkeit mich drängten, zeugen wider mich. 1. Petrus 4,18: "Und wenn der Gerechte kaum gerettet wird, wo wird man dann die Frevler und Sünder finden?" 

 

3. Nicht entkommen können wir dieser schrecklichen Stunde, aber zuvorkommen können wir dem Ausspruch unseres Richters: "Gingen wir mit uns selbst ins Gericht, dann würden wir nicht gerichtet." (1. Korinther 11,31) So richten wir uns denn selbst und bestrafen wir uns mit aller Strenge. Ersetzen wir unsere Ärgernisse durch einen frommen und heiligen Wandel. Widerrufen wir unsere Verleumdungen. Erbauen wir andere durch Worte und Beispiele. Kaufen wir unsere Sünden durch Almosen los. Untersagen wir uns erlaubtes Vergnügen, das unerlaubte zu büßen. Weihen wir dem Gebet und milden Werken die Zeit, die wir bis heute vergeudeten, und Tag und Nacht schwebe die Stunde unserer Rechenschaft uns vor Augen. Psalm 143,2: "Herr, geh mit deinem Knecht nicht ins Gericht; denn keiner, der lebt, ist gerecht vor dir."

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Betrachtung am 17. April - Vom Tod des Gerechten

 

Wie selig, wer getreu das Werk vollbracht,

Das ihm sein Schöpfer aufgegeben.

Ihn führt als Freund der Tod aus dieser Nacht

In Gottes Licht, um ewig dort zu leben.

 

1. Wie trostreich ist das Ende eines wahrhaft frommen Menschen, und wie überschwänglich belohnt es die Gewalt, die er sich angetan hat, das Himmelreich an sich zu reißen. Seine Vergehen ängstigen ihn nicht, denn jeden Tag bat er Gott um die Verzeihung seiner Sünden. Und eifrig auch war er, durch Früchte der Buße, gute Werke und Geduld in Leiden sie zu ersetzen. Der Friede seines Gewissens lässt keine Angst in ihm aufkommen, denn er hat seinen Beruf als ein getreuer Knecht erfüllt. Auch fällt der Abschied vom Leben ihm nicht schwer, denn er kennt seine Gefahren. Sein Herz ist von der Erde gelöst, und längst hat er auf diese Stunde sich vorbereitet.

 

2. Er war vielleicht nicht gefasst, gerade zu dieser Zeit von einer Todeskrankheit überfallen zu werden, aber gewohnt, mit dem Willen seines Schöpfers sich zu vereinigen, heißt er sie willkommen, nimmt sie mit getreuer Ergebung, mit Liebe an, und tröstet sogar diejenigen, die um ihn weinen. Die Betrachtung seines leidenden Heilandes, dessen Bildnis er in den Händen hält, lindert alle seine Schmerzen, und mit sichtbarer Freude empfängt er die Sakramente der Kirche, die die Überreste seiner Sünden hinwegnehmen, und zur Reise in die Ewigkeit ihn stärken. Alle seine Worte, alle seine Seufzer sind Flammen der Liebe, die seine feurige Sehnsucht ausdrücken, bald mit Gott, seiner ewigen Liebe, vereint zu werden.

 

3. Siehe, schon ist er in die Ewigkeit eingegangen. Beweint ihn nicht, geliebte Freunde und Verwandte. Erfreut euch vielmehr mit ihm, denn eingegangen ist er in die glorreiche Seligkeit, die sein ganzes frommes Leben hindurch das einzige große Ziel seiner Sehnsucht war. Können wir je zu viel tun, diese so große, diese endlose Seligkeit zu verdienen? Wie gering sind alle Arbeiten, alle Leiden, gegen sie verglichen. Darum ringen wir ernsthaft um diese himmlische Krone, zu der auch wir berufen sind, und verzagen wir nicht, denn viele haben sie errungen, und wie ihnen, so ist sie auch uns verheißen. Psalm 116,15: "Kostbar ist in den Augen des Herrn das Sterben seiner Frommen."

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Betrachtung am 18. April - Vom Königtum Jesu

 

Wer ist dir, Herr, du höchster König, gleich,

Der fest du gründetest ein ewig Reich,

Wo Sterbliche durch Liebe hier auf Erden

Zu Bürgern deiner Himmelsburgen werden?

 

1. "Siehe, dein König kommt zu dir!" ruft der Seher Zacharias der Zukunft entgegen. Doch nicht er allein, sondern der ganze Chor der Propheten verkündigt Jesus als einen König, und zwar als den gesalbten König, als den Messias. Frage nicht wo, so lange der Sohn Gottes in dieser Welt lebte, sein Palast, sein Thron und die übrigen Zeichen seiner königlichen Würde waren. Denn das Reich unseres Königs ist kein irdisches, es ist ein geistiges, ein himmlisches Reich. Sein Reich ist nicht von dieser Welt.

 

2. Wie glorreich, wie erhaben ist dieses Reich. Statt der dürftigen Pracht, des kriegerischen Gefolges und irdischer Schätze, ohne die die Könige dieser Erde gleich anderen Menschen arm, hilflos und ohne Ansehen wären, brachte unser König unsterblichen Reichtum vom Himmel, und schüttete, was immer in der himmlischen Schatzkammer hinterlegt war, in den Schoß seiner Kirche. Darum auch wird sein Evangelium das Reich der Himmel genannt, weil alles darin himmlisch, alles göttlich ist. Denn es kommt vom Himmel, es kräftigt durch den himmlischen Geist, es lehrt nicht nur ein himmlisches Leben, sondern es verleiht dieses Leben auch, und wandelt irdische Menschen in Bürger des Himmels um.

 

3. Wie viele Königreiche gingen unter und verschwanden samt ihren Königen von der Erde. Von diesem himmlischen Reich aber ruft der Prophet aus: "Dein Königtum, Herr, ist ein Königtum für ewige Zeiten, deine Herrschaft währt von Geschlecht zu Geschlecht." (Psalm 145,13) Doch wer wird es je wagen, sich diesem König der ewigen Majestät zu nahen? So unendlich sein Reich, so unendlich ist seine Sanftmut, und seine liebevolle Güte. So freundlich ist seine Huld, dass er allen Sterblichen zuruft: "Kommt alle zu mir!" Und niemand, der zu ihm kommt, geht leer von ihm aus. Er erlässt dem Sünder die Schuld, spendet dem Gerechten neue Gnaden. Er heilt die Kranken und kräftigt die Gesunden. So eilen wir denn heute zu den Füßen unseres liebevollen Königs, schütten wir unser Herz vor ihm aus und rufen wir in andächtiger Liebe: "Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!" (Matthäus 21,9b)

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Betrachtung am 19. April - Vom barmherzigen Samariter

 

O wie ist das Elend bitter

Der gesunkenen Natur:

Komm, o milder Samariter,

Sieh, es heilt dein Blut sie nur.

Komm, denn nur durch dich wird Heil

Den Verlorenen zu Teil.

 

1. Wer war wohl der Mensch, der von Jerusalem, der Stadt des Friedens, hinabging in das gottlose Jericho, und auf dem Weg durch die Wildnis unter Mörder fiel? Dieser Mensch bin ich, du, die ganze Menschheit. Denn wir alle waren dieser eine Mensch, den Satan, "der Mörder von Anbeginn", so schlug, dass er halbtot liegen blieb. Also lag er und verblutete an seinen Wunden. Denn geht auch der Priester und der Levit vorüber, so haben sie doch keine Arznei. Das Gesetz zeigt bloß die Wunden, die Opfer und die Zeremonien aber können höchstens die Heilung vorbereiten, aber heilen können sie den Halbtoten nimmermehr.

 

2. Betrachte dieses tiefe Geheimnis. Wir alle lagen tödlich verwundet, und fielen dem ewigen Tod anheim, wofern nicht der barmherzige Samariter kam, uns zu heilen. Wer aber ist dieser Samariter, wenn nicht Jesus, der Sohn Gottes, der sich herabließ, selbst in diese Mörderhöhle hinab zu kommen und unter Mörderhänden zu sterben, um das Öl und den Wein seines Blutes in unsere Wunden zu gießen, das durch das Sakrament seines göttlichen Fronleichnams fortwährend in die Wunden aller einfließt, die zur Heilung gelangen. Preis dir, o ewige Barmherzigkeit, die du dich selbst erschöpfst, vom ewigen Tod uns zu erretten.

 

3. "Und er hob ihn auf sein Tier, führte ihn in die Herberge und trug Sorge für ihn." Dieses Tier war die heiligste Menschheit des Sohnes Gottes, von der er im Psalm 73,23 zu seinem himmlischen Vater spricht: "Ich war wie ein Stück Vieh vor dir." Er also nahm unser Elend selbst auf sich, denn "er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. . . .Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt". (Jesaja 53,4+5b) Nach seiner Auferstehung aber übergab er den Kranken der Herberge. Diese Herberge, wo alle Wanderer ab- und zugehen, ist seine Kirche. Ihr also übergab er mich und dich und alle Glieder dieses großen Kranken zur Pflege, bis zu seiner Wiederkehr am jüngsten Tag. "Herr, du sandtest dein Wort, und heiltest und erlöstest uns vom Untergang; wir aber danken dir für deine Huld, für dein wunderbares Tun an den Menschen." (Psalm 107,20-21)

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Betrachtung am 20. April - Von der Vorbereitung zur heiligen Kommunion

 

O Gastmahl, das der Seelen Hunger stillt.

O Quell, worin das wahre Leben quillt.

Du sättigest das feurigste Verlangen.

Glückselig, die in Liebe dich empfangen.

 

1. Bereite dich mit großer Sorgfalt und Andacht zur Vereinigung mit deinem göttlichen Heiland im Sakrament seiner Liebe vor, und erwäge zumal deine innerliche Armut, dein Elend, und wie unwürdig du so großer Ehre bist. Lass jedoch nicht von übermäßiger Furcht dich abhalten, sondern tritt mit Vertrauen und Liebe hinzu. Denn wie sollte, wer vor Angst zittert, dies Brot des Lebens mit Liebe empfangen können? Es ist aber Jesus in diesem Sakrament: nicht Furcht, sondern Liebe zu erwecken. Er nahm Brotsgestalt an, nicht nur damit du sie schauen, sondern auch essen kannst. So tritt denn mit andächtigem Verlangen hinzu, und der Herr wird durch seine Güte ersetzen, woran es dir gebricht.

 

2. Es irrt, wer eine vollkommene Heiligkeit als notwendige Vorbereitung zu diesem Sakrament fordert. Wer würde es je wagen dürfen, sich diesem göttlichen Tisch zu nähern, wenn er vorher vollkommen heilig sein müsste? Ja welches Heil würde dieses göttliche Sakrament ihm verleihen, da er schon alle Heiligkeit besitzt? Und wäre auch je heilig, wer da glaubte, er habe eine vollkommene Heiligkeit erlangt? Wäre eine solche Meinung von sich selbst nicht der größte und vermessenste Hochmut? Nimmer also soll man als notwendige Vorbereitung verlangen, was eigentlich die Frucht, Wirkung und Absicht dieses göttlichen Sakramentes ist, nämlich fleckenlose Reinheit und Vollkommenheit.

 

3. Nicht nur die Speise, auch die Arznei unserer Seelen ist Jesus in diesem wunderbaren Sakrament. Er selbst beruft alle Kranken, Blinden, Lahmen und Presshaften zu seinem göttlichen Gastmahl. Nimmer also soll deine Krankheit dich abhalten, vielmehr soll sie dich aneifern, zu diesem himmlischen Tisch zu gehen. Besonders unser Elend bewog ihn, diesen Quell des Lebens und des Heils für uns einzusetzen. Und er selbst hat Verlangen, mit unseren Seelen sich zu vereinigen, sie zu heilen und seine Gnade und übernatürliches Leben uns mitzuteilen. Ist also anders dein Gewissen rein von Sünden, und hast du den Vorsatz, nach seinem heiligsten Willen zu leben, so tritt mit großem Vertrauen und Liebe hinzu, und empfange das Unterpfand deiner himmlischen Seligkeit. "Kostet und seht, wie gütig der Herr ist." (Psalm 34,9)

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Betrachtung am 21. April - Unsere Fehler sollen uns nicht

von der heiligen Kommunion zurückhalten.

 

Brot, vom Himmel uns gegeben,

Du verleihest Kraft zum Streit,

Und bereitest unser Leben

Für den Tag der Ewigkeit.

 

1. Wer oftmals zum Tisch des göttlichen Sakramentes hinzutritt, und dadurch nicht besser, sondern sündhafter wird, der wird dem Gericht nicht entfliehen. Nicht sündhafter jedoch bist du geworden, weil du mächtig zum Bösen dich geneigt fühlst. Denn die Kommunion nimmt dem Gemüt nicht alle bösen Neigungen, damit es auf der Hut bleibt, und seine Abhängigkeit von der Gnade erkennt. Verhindert sie aber die Empfindung des Bösen nicht, so verhindert sie dagegen die Einwilligung. Dies selbst aber ist eine große Frucht des Sakraments. Möchtest du eine Todsünde begehen? Wie also sagst du denn, deine Kommunionen gereichen dir nicht zum Guten? Könntest du je des Bösen dich enthalten, wenn die Kraft dieses göttlichen Sakramentes dich nicht stärkte?

 

2. Es ist ein großer Unterschied: das Böse empfinden, - und in dasselbe einwilligen. Du kannst böse sein, ob du auch stark zum Guten dich angezogen fühlst. Und du kannst heilig sein, ob du auch noch so gewaltige Neigungen zum Bösen empfindest, wenn anders du nicht in sie einwilligst. Gerade in diesem Widerstand gegen das Böse zeigt sich der Glaube und die Liebe. Nimmer also sollen schwere Versuchungen vom göttlichen Gastmahl dich entfernen, vielmehr sollst du eben darum an ihm oftmals teilnehmen, Kraft und Stärke darin zu schöpfen. Wer dem Feuer sich nicht nähern will, weil ihn friert, nicht essen will, weil ihn hungert, keine Arznei nehmen will, weil er krank ist: gäbe der nicht ein Zeichen, dass er den Tod sucht?

 

3. Auch wird zu einer fruchtbaren Kommunion keine fühlbare Andacht erfordert, da sie nicht immer von unserem Willen abhängt, und Gott sie oft sogar den größten Heiligen nicht verleiht, damit sie nicht etwa über ihre Verdienste sich erheben. Die wahre Andacht besteht nicht im Zartgefühl, sondern in einem schnellen und ständigen Willen, alles zu tun, was Gott verlangt, und nichts von dem zu tun, was er verbietet. Hierzu bedarf es allerdings großer Gnade. Wo aber willst du Gnade schöpfen, wenn nicht in dem Quell aller Gnaden? Lukas 14,21+23: "Geh schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen und die Krüppel, die Blinden und die Lahmen herbei, . . . und nötige sie zu kommen, damit mein Haus voll wird."

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Betrachtung am 22. April - Von der Demut unseres Herrn

 

Herr, in meines Herzens Wehmut

Seh` ich dich, die Majestät,

Wie sie in der tiefsten Demut

Auf des Lebens Pfaden geht.

Mächtig winkt dein Beispiel mir.

O zieh, Jesu, mich nach dir.

 

1. Ermüden wir nicht, auf den Spuren unseres demütigen Heilands zu gehen. Sieh, die Demut ist die niedrige Himmelspforte. Werden wir nicht gleich den Kindlein, so können wir nicht eingehen in das Himmelreich. Diese heilige Tugend ist die Grundveste und Hüterin aller wahren Tugenden, und wer ohne sie bauen will, der zerstört. Jesus liebt sie als den vorzüglichsten Schmuck seiner Krone. Ja er selbst brachte sie vom Himmel, die vor seiner Ankunft den Heiden nicht einmal dem Namen nach bekannt war, weswegen auch alle ihre Tugenden falsch waren, weil durch Hoffart und Eitelruhm vergiftet. Betrachte seine demütige Geburt in einem armen Stall, seine Verborgenheit zu Nazareth, sein öffentliches Leben und seinen Tod am Kreuz, und sieh, wie sein ganzes heiligstes Leben ein beständiger Akt dieser Demut war.

 

2. Doch, o mein Erlöser, nicht nur dein ganzes menschliches Leben hast du die Hoffart der Welt zu Boden getreten, sondern du hast auch deine Demut uns als ein Vermächtnis vor deinem Opfertod hinterlassen, und gabst uns, unser Herr und Meister, ein Beispiel, worüber alle Zeiten sprachlos erstaunen, als du zu den Füßen deiner Jünger gekniet und gleich einem Knecht sie gewaschen hast. O präge dieses wunderbare Beispiel dir tief in dein Herz! Sieh, gekommen ist Jesus, die Hoffart Satans zu zerstören. Und weil die Demut das einzige Schwert ist, diesem Laster das Haupt abzuschlagen, schärfte er es durch Lehren, Taten und Beispiele, damit wir es nach ihm gebrauchen.

 

3. Ja, o wunderbarer Jesus, auch dies genügte dir noch nicht. Bis zum schmählichsten Tod am Kreuz erniedrigtest du deine Majestät, dies Schwert uns führen zu lernen, weil die Demut in uns selbst ihren bittersten Widersacher findet, der nicht ohne große Gewalt kann überwunden werden, nämlich unsere unglückselige Gier nach eigener Ehre und Verherrlichung. Sind wir nach solchen Beispielen unseres Herrn noch so stolz und hochfahrend, und streben nach den ersten Sitzen: was wäre erst geschehen, wenn das Licht seiner göttlichen Beispiele uns nicht zur Demut antreiben würde. Matthäus 11,29: "Lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig."

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Betrachtung am 23. April - Bei den Füßen des Kreuzes

 

Deiner Liebe will ich leben,

Ewig bin ich, Jesus, dein,

Der für mich du dich gegeben

In so bittrer Todespein.

 

1. O Abgrund der göttlichen Ratschlüsse, welche erschaffene Fassungskraft wird je in deine Tiefen eindringen: Am Kreuz sehe ich den Sohn des lebendigen Gottes durch sein blutiges Opfer der unendlichen Majestät Gottes eine Huldigung darbringen, die allein die Schuld aller Geschöpfe aufwägt. Mit dieser göttlichen Huldigung aber vereinigen die seraphischen Geister und alle Auserwählten ihre Anbetungen, weil sie nur durch dies Opfer der ewigen Majestät wohlgefällig werden. Mein Herz erschrickt bei dem Anblick der unendlichen Gerechtigkeit, die ein solches Opfer für die Sünde fordert, und den unendlich geliebten Sohn des ewigen Vaters zermalmt, weil er im Gewand der Sünder unser Bürge geworden ist. Beim Anblick des gekreuzigten Gottmenschen wird die ewige Strafe mir begreiflich, die der Beleidigung der unendlichen Majestät Gottes bereitet ist.

 

2. Wer muss nicht vor den Schrecknissen der ewigen Gerechtigkeit und der Verdammnis erbeben, die wir durch zahllose Sünden verdienten. Doch sieh, es ruft uns die Liebe Jesu durch alle seine Wunden, Vertrauen zu fassen, da er am heiligen Kreuz die Schuldschrift des ewigen Todes zerreißt, und mit der Freiheit der Kinder Gottes alle beschenkt, die an ihn glauben, und in den Quellen seiner Erlösung schöpfen wollen. O mein Erlöser, wie vieles sagt mir dein heiliges Kreuz. Dies göttliche Buch predigt mir Furcht und Liebe, es ist meine Wissenschaft, mein Licht und mein Trost. Es führt in Zweifeln mich zu Entschlüssen, und zwar oft gegen mich selbst, da ich es nicht vermag, seiner unüberwindlichen Beredsamkeit zu widerstehen.

 

3. Prägen wir das Bildnis unseres geliebten Gekreuzigten tief ins Herz. Bei seinem Anblick werden alle Entwürfe unserer Hoffart, alle Gier nach vergänglichen Gütern verschwinden. Denn wer könnte bei dem Anblick eines armen, verachteten, gekreuzigten Gottmenschen, der aus Liebe zu uns stirbt, noch solchen Dingen nachstreben. Ein beständiger Vorwurf für uns wäre sein Leiden und sein Tod, der uns beschämen und uns zur Verdammnis gereichen würde. O mein gekreuzigter Heiland, dein heiligstes Leiden sei meine Betrachtung im Leben, mein Trost im Tod, meine Liebe in der Ewigkeit. Psalm 73,26b: "Gott ist der Fels meines Herzens und mein Anteil auf ewig."

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Betrachtung am 24. April - Vom Opfer Jesu Christi

 

Lass, Gotteslamm, bei deinem Kreuz mich weinen,

Wo du die Welt versöhnest durch dein Blut.

Mit deinem Opfer will ich mich vereinen,

Und mit dir sterben, Herr, vor Liebesglut.

 

1. Alle Opfer des alten Bundes zielten dahin, Gott die tiefste Ehrfurcht zu bezeigen, für seine Wohltaten ihm zu danken, seine Barmherzigkeit anzuflehen, und seine beleidigte Gerechtigkeit zu versöhnen. Dies vermochten jedoch die Schlachtopfer und das Blut der Böcke und Kälber nimmermehr aus sich selbst, sondern sie waren Bilder und Vorzeichen eines großen künftigen Opfers, das die Gottheit vollkommen versöhnen, und dem menschlichen Geschlecht alle Schätze der göttlichen Gnade erschließen sollte. Dies war das große Opfer des Mittlers zwischen Gott und den Menschen, dessen blutige Aufopferung Jahrtausende hindurch geweissagt wurde, und die das Ziel aller gesetzlichen Opfer der Vorzeit war, und ihnen Kraft und Wirksamkeit verlieh.

 

2. Dies Opfer des Gottmenschen Jesus Christus war allein der allerhöchsten Majestät Gottes würdig, weil es allein unendlichen Wert hatte. Er war "das Lamm, das von Anbeginn der Welt getötet wurde". (Offenbarung 13,8) Mit seinem Blut wurden wir alle besprengt, sein Tod wirkt in uns allen das Leben. Alle daher sind wir, die wir durch den Glauben mit ihm vereint sind, ein Opfer mit ihm. Wir alle müssen sein Opfer in uns fortsetzen, in ihm und mit ihm Gott uns zum Opfer bringen: und bis zum Tod gegen die Sünde streiten. Dadurch werden wir "ein lebendiges, heiliges, Gott gefälliges Opfer". (Römer 12,1)

 

3. Gleichwie aber das Opfer unseres göttlichen Hauptes erst durch seinen Tod vollendet wurde, also wird auch unser Opfer erst im Tod vollendet. "Leben wir aber Gott in Jesus Christus" (Römer 6,11), so sterben wir auch Gott in ihm, da der Tod uns nicht von ihm trennt. Dieser Tod aber ist das höchste Opfer, das wir Gottes Unsterblichkeit bringen können, da es eins mit dem Opfertod Jesu Christi ist. Die christliche Seele also, die noch vor dem Tod erbebt, kennt den unendlichen Wert nicht, zu dem Jesus unseren Tod durch seinen Opfertod erhoben hat. "Niemand aus uns lebt sich selbst, und niemand stirbt sich selbst. Denn leben wir, so leben wir dem Herrn; und sterben wir, so sterben wir ebenso dem Herrn." (Römer 14,8)

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Betrachtung am 1. Mai - Am Fest der heiligen Apostel Philippus und Jakobus

 

Deine tiefe Weisheit, Jesus, wählte

Schwache Jünger zu dem stärksten Werke.

Doch du warst im Innern ihre Stärke;

Und dein Geist War`s, welcher sie beseelte.

Sie predigten dein Reich mit Eifersglut;

Und siegelten dein Zeugnis durch ihr Blut.

 

1. Betrachte den schnellen Gehorsam dieser beiden heiligen Apostel. "Folgt mir!" sprach Jesus zu ihnen. Dies genügte. Sie gehorchten unverzüglich, ohne sich lange zu besinnen, verlassen alles und folgen dem Herrn. Diesen schnellen und liebevollen Gehorsam aber belohnte Jesus dadurch, dass er sie zu Säulen seiner Kirche erhob. Immer erwählt seine göttliche Weisheit einfache Seelen, die seinem Willen schnell und in Demut gehorchen, große Dinge in seiner Kirche zu wirken, und verwirft die, durch Wissenschaft aufgedunsenen Stolzen. Hättest du selbst seinen Anordnungen und Einflößungen schnell und in Liebe gehorcht: wie weit anders stände es nun um dich. Demütige dich also zu den Füßen deines Herrn, und sei wenigstens von nun an getreu.

 

2. Durchdrungen von den himmlischen Lehren ihres göttlichen Meisters und voll des Heiligen Geistes arbeiteten beide heiligen Apostel mit unüberwindlichem Eifer an der Verbreitung des Reiches Gottes. Philippus predigte das Evangelium in Scythien, und unterwarf beinahe jene ganze Nation dem Glauben. Jakobus hingegen leuchtete durch strenge Enthaltsamkeit und wunderbare Heiligkeit als ein Licht des Herrn in Judäa, lenkte als Bischof von Jerusalem bis in sein höchstes Alter die Herde des Herrn daselbst, und führte diejenigen aus Israel, die der heiligen Wahrheit nicht widerstrebten, aus dem Schatten des Todes in das Licht Jesu Christi. Ahmen wir diesen Eifer der heiligen Apostel in unserem Wirkungskreis nach, denn viele Sekten können wir durch Worte zur rechten Zeit und durch Beispiele unserer Frömmigkeit dem Herrn gewinnen. 

 

3. Endlich wurden die heldenmütigen Arbeiten und die heilige Treue dieser großen Apostel durch die Marterpalme gekrönt. Beide besiegelten das Zeugnis Jesu Christi mit ihrem Blut. Jakobus wurde von den Zinnen des Tempels hinabgestürzt und unten erschlagen. Philippus aber vollendete sein Leben zu Hierapolis, gleich seinem göttlichen Herrn, am Kreuz. Also flogen diese glorreichen Heiligen in die himmlischen Freuden auf. Seligpreisen sie nun die zahllosen Arbeiten, Leiden und Drangsale, durch die sie zu dieser großen Herrlichkeit gelangten. Wir aber möchten die Glorie des Himmels umsonst erlangen. Doch so ist es nicht. 2. Timotheus 2,5: "Und wer an einem Wettkampf teilnimmt, erhält den Siegeskranz nur, wenn er nach den Regeln kämpft."

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Betrachtung am 2. Mai - Vom innerlichen Frieden

 

Wie selig ist hienieden

Das Herz, das friedlich ruht.

Es sieht in seinem Frieden

Getrost der Stürme Wut;

Denn wie auf hohem Felsenturm

Reicht nimmer bis zu ihm der Sturm.

 

1. Willst du in diesem Leben so glücklich sein, als der Stand deiner Pilgerschaft es gestattet, so strebe jenen Dingen nach, die des Friedens sind. Der Friede einer Seele, die in der Gnade ihres Gottes lebt, ist ein Unterpfand des himmlischen Friedens. Muss sie auch mit dem Apostel sagen, sie sei darum nicht gerechtfertigt, so gibt doch ihr Gewissen ihr so trostreiches Zeugnis, dass sie, wenn Gott aus dem Leben sie abriefe, mit Vertrauen vor ihm erscheinen würde. Denn eine solche Seele ist überaus wachsam, nichts zu tun, das ihm missfallen würde, und seiner Gnade mit aller Treue zu entsprechen.

 

2. Zu diesem seligen Frieden zu gelangen, entferne alle Hindernisse. Bist du in Zweifeln, so suche Einsicht darüber, klagt dein Gewissen dich an, so entferne die Ursachen dieser Vorwürfe, damit die Wogen dieser innerlichen Unruhen still werden. Dann wird der Trost des Heiligen Geistes in dein Herz einkehren, ruhen werden deine Leidenschaften. Und du wirst ein Besitz Gottes sein, der seine Wohnstätte nur in einem friedlichen Gewissen nimmt. Durch diesen Frieden wirst du so unerschütterlich werden, dass weder zeitlicher Verlust und Schaden, noch körperliche Leiden, noch was immer anderes dich tief betrüben wird. Ja mit großer Freude wirst du auch alle Arbeiten deines Berufes vollbringen.

 

3. Wie wunderbar ist eine Seele, die in diesem Frieden begründet ist. Sie ist beinahe den Engeln des Friedens gleich. Denn dies ist "jener Friede Gottes, der allen Sinn übersteigt!" Innig ist sie mit Gott vereint, und nimmt gleichsam Anteil an seinen Eigenschaften. Denn immer ist sie sich selbst gleich, immer, ob auch unter vielfältigen Geschäften und Sorgen, ohne Verwirrung, liebevoll bereitwillig, hilfreich gegenüber dem Nächsten, und wird über seine Fehler nicht zornig, denn ihr Friede ist in Gott gegründet, und hängt nicht von äußerlichen Dingen ab. Selig, und abermals selig die Seele, die zu diesem Frieden sich erhoben hat. Dies ist jene kostbare Perle, die zu erwerben der Mensch nicht zu viel gibt, wenn er sie auch um seinen ganzen Besitz kauft. Kolosser 3,15a: "In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar!"

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Betrachtung am 3. Mai - Von Wegen, die zum innerlichen Frieden führen

 

Friede ist des Sieges Frucht.

Kämpfst nicht tapfer du hienieden,

Kommst du nimmermehr zum Frieden.

Du bist hier in Feindes Land;

Gib das Schwert nicht aus der Hand.

 

1. Viele täuschen sich selbst. Sie erkennen die Seligkeit des innerlichen Seelenfriedens, und gern auch möchten sie ihn besitzen, aber der Friede ist eine Frucht des Sieges, und sie scheuen den Kampf, ohne den es keinen Frieden gibt. Das Ungeheuer, das auf dem ersten Weg zum innerlichen Frieden lauert, ist die Sünde, die unversöhnlichste Feindin des Friedens. Nie und nimmer können die Sünde und der Friede in einem Gewissen zusammen wohnen. Das Gewissen, in dem die Sünde herrscht, ist ein stürmisches Meer, wo Winde und Wellen toben, Angst und Schauder wohnen. Denn, spricht die Schrift: "Wer böte dem Herrn Trotz und bliebe heil?" (Ijob 9,4b) 

 

2. Die zweiten Furien, die auf dem Weg zum wahren Frieden lauern, sind die Leidenschaften, die ohne Unterlass zur Sünde reizen. Jede Leidenschaft ist eine Feindin des Friedens, weil sie eine Feindin der Ordnung und folglich der Ruhe ist. Soll also die Ruhe in einer Seele herrschen, so müssen diese Feindinnen notwendig früher bekämpft, überwunden und unterworfen werden. Dies ist ein harter, langwieriger, aber ein unerlässlicher Kampf. Doch verzage darum nicht, denn die Kraft des Allmächtigen selbst wird deinen Willen stärken. Auch wiegt der selige Friede überreichlich alle Mühsale des Kampfes auf. Wer hier nicht männlich kämpft, der wird nie zum Frieden gelangen, sondern beständig ein Sklave dieser furchtbaren Tyranninnen bleiben. 

 

3. Der dritte Weg, der nach diesen Siegen zum innerlichen Frieden hilft, ist die gänzliche Gleichförmigkeit unseres Willens mit dem göttlichen Willen, wodurch unsere Seele nicht nur die Sünde und alle Untreue gegen die Gnade vermeidet, sondern auch diesem allerhöchsten Willen ihres Schöpfers so vollkommen sich ergibt, dass er die Richtschnur aller ihrer Gedanken und Begierden wird, so dass sie nichts will, oder nicht will, außer was dieser göttliche Wille verlangt oder verbietet. Wen die wahre Gottesliebe bis dahin führte, der beginnt die süßesten Früchte des Friedens zu kosten. Dies ist der Quell und die einzige Grundveste des wahren Friedens. "Lasst uns also nach dem streben, was zum Frieden beiträgt." (Römer 14,19)

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Betrachtung am 1. Juni - Das innerliche Gebet

eine Schule des Heiligen Geistes

 

Herr, wunderbar sind deine Lehren.

Sie sind des Heiles Wissenschaft,

Und geben mit dem Licht die Kraft,

Die Seelen wahrhaft zu bekehren.

 

1. Sei achtsam gegenüber der Stimme deines Gottes. Jesaja 48,17: "So spricht der Herr, dein Erlöser, der Heilige Israels: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich lehrt, was Nutzen bringt, und der dich auf den Weg führt, den du gehen sollst." Er ist es, der im innerlichen Gebet dich unterweist und lehrt, dich selbst überwinden, deine ungeordneten Begierden ordnen, heilige Tugenden üben, und mit ihm dich vereinigen. Dies sind fürwahr höchst nützliche Dinge, da sie zum ewigen Leben helfen. Und je aufmerksamer du diese Lehren mit dem innerlichen Ohr deines Herzens anhörst, um so mehr wirst du im Geist zunehmen. Wie lange gehst du schon in diese heilige Schule, und welche Fortschritte machst du in ihr?

 

2. Aber nicht nur durch Worte, auch durch Beispiele lehrt dich der Herr, dein Gott. Dich zu lehren kam er von den himmlischen Höhen, und keine Tugend lehrt er dich, zu keinem Werk ermahnt er dich, das du in seinem heiligsten Leben nicht vollkommen ausgedrückt schauen konntest, so dass du in allen Ereignissen deines Lebens Beispiele zur Nachahmung darin findest. Darum auch ruft er allen seinen Schülern zu "Lernt von mir". Sieh, wie viel so viele Heilige und Gerechte von ihm lernten. Von ihm lernten die jungfräulich Lebenden die Reinheit, die Leidenden Geduld, und allen Heiligen die Heiligkeit. Wie lange wirst du noch hinter so vielen deiner Mitschüler zurückbleiben.

 

3. Ein großer Unterschied auch ist zwischen seiner Schule und den Schulen der Menschen. Denn Menschen können wohl lehren, aber weder können sie Verstand, noch die Kraft verleihen, das Erlernte zu vollbringen. Der Herr aber spricht im Psalm: "Ich werde dir Verstand geben". Er erleuchtete den Sinn vieler einfachen Menschen, dass sie himmlische Geheimnisse erkannten, die den Weisen und Klugen dieser Welt verborgen sind. Er kräftigte Kinder, Jungfrauen und Greise zu Tausenden, seine heilige Lehre mit ihrem Blut zu besiegeln. Er kräftigt auch jeden Tag innerlichen Seelen, die Tugenden vollkommen zu üben, die ihnen im Gebet eingibt. So liebe denn das innerliche Gebet, und du wirst schnell eine hohe Vollkommenheit erreichen. Psalm 69,14: "Ich aber bete zu dir, Herr, zur Zeit der Gnade. Erhöre mich in deiner großen Huld, Gott, hilf mir in deiner Treue."

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