Bedenkenswertes Aktuelles im Blog

 

Inhalt:

 

 

Etwas (Satire) zur Wahl am 26. September – 2. September 2021

 

Ich bin kein guter Mensch! - 25. August 2021

 

Unsere ungläubigen Mitmenschen - 24. August 2021

 

Unmodernes Gebet - 8. August 2021

 

Schwarz-Rot-Gold - 19. Juli 2021

 

Das Weinen der Tiere - 17. Juni 2021

 

"Im Namen der Heiliggeistkraft" - 13. Mai 2021

 

Feindbild „katholischer Glaube“ - 7. April 2021

 

Unsere Medien - 14. Februar 2021

 

Massenmensch oder Katholik! - 23. Dezember 2020

 

Corona - 30. September 2020

 

Bodo Ramelow am 4. März 2020 erneut zum Ministerpräsidenten von Thüringen gewählt! - 10. März 2020

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Etwas (Satire) zur Wahl am 26.9. – 2. September 2021

 

Liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen, mir scheint, dass wir uns ein bisschen mehr um unsere Politiker und Politikerinnen kümmern müssen. Sie machen für uns die wichtige Politik, sind immerfort tätig für uns, was aber tun wir für sie? Natürlich bezahlen wir sie, sogar ganz gut, aber das genügt nicht.

 

Denn hört, was einer von ihnen, der gerade noch so im Amt ist, gesagt hat: „Ich werde gerne für euch arbeiten, aber danach will ich nur noch mit meiner elektrischen Eisenbahn im Keller spielen.“ Eine andere sagt: „Ich will mich ganz und gar einsetzen für euch, aber ich wünsche mir dabei und danach auch noch etwas Zeit zum Lesen und Denken.“ Das sagt sie, und Deutschland hält den Atem an, weil es nicht richtig gehört zu haben glaubt. Hätte die Frau doch eine Puppe zum Spielen verlangt, so wie der Mann eine elektrische Eisenbahn! Nein, Zeit zum Lesen und Denken. Was für ein Anspruch! Was für ein Mut aber auch! Mut, etwas ganz Natürliches einzufordern. Hätte ich Auszeichnungen zu vergeben, so bekäme sie dafür die schönste mit goldenen Buchstaben auf hellem Grund.

 

Ihre Forderung kann doch nur bedeuten, dass eine Politikerin die Zeit zum Lesen und Denken nicht hat. Wenn das so ist, was wird dann aus unseren Politikerinnen? Und was wird aus uns?

 

Unsere Politiker im Land kandidieren, amtieren, diskutieren, signieren, dirigieren, deklarieren, separieren, referieren und konferieren. Sie reisen, werden empfangen und empfangen selbst. So treiben sie es unermüdlich. Tag für Tag. Woche für Woche. Aber warum? Gönnt denn das Amt ihnen keine Ruhe? Oder gönnen sie sich selbst keine?

 

Bekennen wir: Wir sind nicht ganz unschuldig daran. Wir klatschen ihrer Unermüdlichkeit im Kampf gegen alles Populistische und Böse und Bitterböse noch Beifall. Denn wir haben sie gewählt oder werden sie am 26. September noch wählen, und dann wollen wir aber auch was sehen! Welch ein Unfug! Es täte uns besser, liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen im ganzen Land, wenn unsere „Politiktreibenden“ nicht so unermüdlich arbeiten müssten. Denn nicht unermüdlich, sondern gut wollen wir regiert werden. Oder wollen wir vielleicht unaufhörlich Wichtigtuerei, hektische Betriebsamkeit und dauerndes Einstimmen in das immer gleiche Lied vom Klimawandel und vom permanenten deutschen Rassismus? Dazu führt heutzutage unvermeidlich ein hohes Amt in unserem Land, das keine Zeit mehr lässt zum Lesen und Denken. Es ist daher ein schlechtes Amt, schlecht für die, die es ausüben; Frau Baerbock, Herr Scholz oder Herr Laschet, schlecht für die Arbeit, die er oder sie tut, und schlecht für das Volk da unten, in dessen Auftrag (?) gearbeitet wird.

 

Wenn wir daher etwas für unsere Politiker und Politikerinnen tun wollen – und damit sicher auch etwas für uns –, so haben wir dafür zu sorgen, dass sie mehr Zeit haben zum Lesen und Denken, reichlich Zeit, ganz, ganz viel Zeit, damit sie zu sich selber kommen und nicht nur die Lieder einer Einheitspartei singen, immer wieder Abstand gewinnen, die Frische im Gesicht beim Arbeiten und den Überblick behalten über die Realität. Sonst können sie ja auch später im Kanzleramt nicht den richtigen Hebel im richtigen Moment finden, worauf es ja mehr ankommt als darauf, dass dauernd an den gleichen Hebeln der politischen Korrektheit herumgedrückt wird.

 

Aber was sollen die Damen und Herren Politiker in ihrer Freizeit lesen? Vielleicht Grimms Märchen, Winnetou, Goethe, Pater Brown, die Bibel oder Freud. Ach, sie sollen lesen was sie wollen, bloß keine politischen Kommentare, Gesetzesvorlagen oder getürkte Lebensläufe ihrer Mitkandidaten, dazu ist schließlich die Amtszeit da!

 

Bedeutsamer kann die Frage sein: Was sollen sie denken? Ich denke, auch was sie wollen. Was ihnen gerade so in den Sinn kommt, sobald sie einmal von den Medien allein gelassen werden. In diesem Fall aber können wir sie als Politiker wirklich nicht gebrauchen.

 

Zeit! Zeit, höre ich einige sagen. Zeit haben wir alle nicht. Allerdings wäre es dann Zeit, dass auch uns bald geholfen wird. Aber unsere Arbeit ist oft nicht so folgenschwer wie die der Politiker. Eher folgenlos. Es hängt nicht so viel davon ab.

 

Ja, sagen andere, bezahlen wir unsere Politiker und Politikerinnen denn fürs Arbeiten oder fürs Nichtstun? Sie sollen nicht denken, sondern sie sollen regieren! Wir haben nach Corona und diversen Migrationskapriolen kein Geld mehr für solch einen Luxus! Die einzig richtige Antwort darauf ist: Das Doppelte an Geld sollten wir unseren Politikern und Politikerinnen geben, mit Lust und Laune, wenn sie sich bloß verpflichten würden, nur halb so viel zu arbeiten. In diesem Punkt sollten wir besonders bei Frau Baerbock, Herrn Laschet oder Herrn Scholz nicht kleinlich sein. Es würde günstiger und preiswerter für uns und für alle, die nach der Amtszeit mit ihrer elektrischen Eisenbahn im Keller spielen möchten. 

 

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Ich bin kein guter Mensch! - 25. August 2021

 

Die Heilige Schrift hat schon recht: „Gott soll sich als der Wahrhaftige erweisen, jeder Mensch aber als Lügner.“ (Römer 3,4) Aus allen Richtungen hören wir – auch von uns selbst: „Ich bin ein guter Mensch!“ Die meisten Menschen halten sich selbst für „gute Menschen“. Aber was ist eigentlich ein guter Mensch? Manche sind der Meinung: wenn sie noch nie jemand totgeschlagen, noch nie gestohlen haben und mit den Mitmenschen einigermaßen zurechtkommen, seien sie schon gute Menschen. Die so denken, sind freilich allzu bescheiden, stellen keine hohen Anforderungen an sich selbst. Vielleicht kommen sie zu ihrer guten Meinung über sich selbst durch Vergleich mit den eifrigen Kirchgängern? Dieser Vergleich wäre gerade in unseren bewegten Tagen sehr naheliegend. Und in der Tat mögen sie nicht nur bei einem oberflächlichen Vergleich ganz gut abschneiden. Denn die Kirchgänger, auch die eifrigen, selbst Bischöfe und Priester und Ordensleute nicht ausgenommen, sind längst nicht alle Heilige, sind nicht immer gute Menschen im ausgesprochenen Sinn des Wortes, nicht immer ein gutes Werbeschild für das sichtbare Reich Gottes auf Erden. Das ist leider eine Tatsache und wird wohl immer so bleiben. Sakramente und Gebete wirken nicht wie Medizin. Wäre das der Fall dann brauchte man alle Verbrecher nur Tag für Tag an die Kommunionbank zu führen – und nach einer sechswöchigen Kur etwa wären es lauter Engel, lauter fromme, pflichteifrige Menschen. Nein, so geht es nicht!

 

Stellen wir doch einmal die Gegenfrage: Ob die eifrigen Kirchgänger sich nicht noch armseliger, noch hässlicher ausnehmen würden ohne Gebet und Sakramente? Drehen wir den sprichwörtlichen Spieß herum und fragen weiter: Sind denn die Menschen außerhalb der Kirche durch die Bank bessere Menschen als die kirchentreuen Christen? Es gab eine Zeit in der Kirche, da hat man noch den Mut gehabt, diesen Glaubenssatz ohne Zögern aufzusagen: Kein Mensch kann ohne Gnadenmittel, nämlich Gebet und Sakramente, auf die Dauer von schwerer Sünde frei bleiben.

 

Und das, denke ich, bestätigt doch auch unsere Erfahrung. Wenn wir mal hinter die Vorhänge des Privatlebens der sogenannten guten Menschen schauen, sehen wir nicht selten Zerstrittenheit, Ehebruch, Egoismus, brutale Geschäftsmoral, Eitelkeit, Empfindlichkeit, Rachsucht – manchmal berechnende Klugheit!

 

Noch einmal das Wort aus dem Römerbrief: „Jeder Mensch ist ein Lügner!“ Und die behaupten, sie seien gute Menschen, sind die größten. Der Apostel Johannes sagt: „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns.“ (1. Johannes 1,8) Es ist so, dass alle ehrlichen Menschen die schmerzliche Erfahrung des heiligen Augustinus teilen: „Unser Herz neigt mehr zum Bösen denn zum Guten.“ Die das nicht wahrhaben wollen, betrügen sich selbst, verharmlosen die Sünde, haben stillschweigend einen Pakt mit dem Bösen geschlossen und ihr Gewissen eingeschläfert, weil ihnen die Spannung zwischen Ideal und Wirklichkeit unerträglich wurde.

 

Würden in unserer Zeit mehr Bußpredigten gehalten und mehr Warnungen und Ermahnungen von den Kanzeln gesprochen werden, unsere „guten Menschen“ würden diese als erste meiden, weil sie fürchten, ihr Gewissen könnte je erwachen. Johannes 3,19: „Die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht“ (die Finsternis des Unglaubens mehr als das Licht der Wahrheit); „denn ihre Taten waren böse.“ Sünde ist ihnen natürlich, weil sie ihren Triebwünschen entspricht. Sündhaftes Leben und auftreten ist der Öffentlichkeit, bei unserer Regierung, in unseren Medien natürlich, alle Triebwünsche müssen nicht nur ausgelebt werden können, sondern müssen auch gesellschaftlich und finanziell unterstützt werden. Tugend gilt als anormal. Der Apostel schreibt: „Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln; und man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden.“ (2. Timotheus 4,3-4)

 

Weil aber Wahrhaftigkeit ein wesentlicher Charakterzug des „guten Menschen“ ist, beginnt die Gutheit des Menschen mit dem Eingeständnis der eigenen Schwäche und Sündhaftigkeit. Paradox, aber es ist so: will jemand als guter Mensch gelten, muss er eingestehen: Ich bin kein guter Mensch!

 

Neue Form des Schuldbekenntnisses in der Heiligen Messe

 

„Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen,

und allen Brüdern und Schwestern,

dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe

– ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken –

durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld.

Darum bitte ich die selige Jungfrau Maria,

alle Engel und Heiligen

und euch, Brüder und Schwestern,

für mich zu beten bei Gott, unserem Herrn.

 

Der allmächtige Gott erbarme sich unser.

Er lasse uns die Sünden nach

und führe uns zum ewigen Leben. Amen.

 

Oder:

 

Nachlass, Vergebung und Verzeihung unserer Sünden

gewähre uns der allmächtige und barmherzige Herr. Amen.

 

Alte Form des Schuldbekenntnisses in der Messfeier

 

Ich bekenne Gott, dem Allmächtige,

der seligen, allzeit reinen Jungfrau Maria,

dem heiligen Erzengel Michael,

dem heiligen Johannes dem Täufer,

den heiligen Aposteln Petrus und Paulus,

allen Heiligen und dir, Vater,

dass ich viel gesündigt habe in Gedanken, Worten und Werken:

durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine übergroße Schuld.

Darum bitte ich die selige, allzeit reine Jungfrau Maria,

den heiligen Erzengel Michael,

den heiligen Johannes den Täufer,

die heiligen Apostel Petrus und Paulus,

alle Heiligen und dich, Vater,

für mich zu beten bei Gott, unserm Herrn.

 

Der allmächtige Gott erbarme sich euer.

Er lasse euch die Sünden nach

und führe euch zum ewigen Leben. Amen.

 

Nachlass, + Vergebung und Verzeihung unserer Sünden

schenke uns der allmächtige und barmherzige Herr. Amen.

 

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Unsere ungläubigen Mitmenschen - 24. August 2021

 

Wer von uns kommt nicht täglich mit Menschen in Berührung, die erklären, keiner Kirche anzugehören, kein überirdisches Wesen anzubeten, kurz – Atheisten zu sein?! Das ist heute auch ganz normal geworden, dass die Mehrheit unserer Mitmenschen nicht mehr gläubig ist im Sinne einer christlichen Kirche. Gewiss leben wir zum Glück nicht mehr in einer Zeit, in der Gläubige und Ungläubige sich einander feindlich gegenübertreten und bekämpfen. Man erträgt sich heutzutage, ist trotzdem manchmal sogar befreundet, bleibt sich aber innerlich fremd und ist bemüht, in der Unterhaltung jedes Gespräch, das irgendwie mit Religion zu tun hat, zu vermeiden.

 

Die katholischen Gläubigen meinten oft bis in unsere Tage hinein, die katholischen Dogmen würden nur deshalb abgelehnt, weil die sittlichen Verpflichtungen des katholischen Christentums zu schwer erscheinen. Heute aber wissen wir, dass es Atheisten gibt, deren sittliches Leben nicht nur untadelig ist, sondern die auch wirklich heroische Nächstenliebe im Sinne des Zeitgeistes beweisen. Und wenn gläubige Christen diese Menschen gerne als „Christen, die es selbst nicht wissen“ bezeichnen, dann erregt eine solche Zuordnung bei Atheisten mir Recht Protest. Sie fühlen sich also durchaus nicht geschmeichelt, wenn man sie so betitelt. Sie halten sich für „natürliche Atheisten“ und wollen auch als solche gesehen werden. Sie glauben, dass sie aus ihrem Atheismus heraus selbst genügend Halt finden, ein sittlich und moralisch wertvolles Leben zu führen. Vielleicht leben sie sogar oft ein Leben mit viel mehr Entbehrung, Enthaltsamkeit, Verzicht und freiwilligem Kasteien als Christen ein Leben der gewählten Buße führen. Da ist Verzicht auf Fleisch und Fisch wichtig, Enthaltung von Autos mit Verbrennungsmotoren, umfassende CO2-Buße uvam.

 

Der moderne Atheismus unterscheidet sich, wenigstens in den sogenannten entwickelten Ländern der „christlichen“ Kultur, von dem Unglauben früherer Zeiten und dem Glauben anderer Kulturen vor allem durch seine außerordentliche Verbreitung. Der christliche Glaube zerbröselt in Europa zusehends. Es geht mit der Kirche und dem dazugehörigen Glauben in rasanter Fahrt einem Ende zu. Es handelt sich nicht mehr um Einzelne oder um das Privileg einer Minderheit, die sich, wie z.B. im 18. Jahrhundert, für „aufgeklärt“ halten. Heute ist es die Mehrheit unserer Zeitgenossen, die sich eifrig und offen vom Christentum distanzieren. Die Intellektuellen waren die ersten, die mit dem traditionellen Glauben brachen. Das Bürgertum folgte. Dann schlossen sich die Arbeitnehmer an und schließlich auch die Bauern.

 

Auf der anderen Seite wendet sich dieser moderne Atheismus nicht nur gegen eine bestimmte Religion, sondern verlangt die Verleugnung aller Götter und erhebt lautstark die Forderung nach der absoluten Selbstherrlichkeit des Menschen. Ein Beispiel dafür ist die anmaßende Haltung von sogenannten Klimaschützern, die meinen, dass der scheinbar menschengemachte Klimawandel durch ein speziell ausgedachtes Handeln von Menschen gestoppt werden muss. Solche Menschen betrachten zwangsläufig jeden religiösen Glauben als Feind der Vernunft, ihrer Vernunft, die damit zum einzigen Kriterium der Wahrheit gemacht wird.

 

Was die Christen dabei am meisten überrascht, und was sie zu ernstem Nachdenken anregen sollte, ist die Tatsache, dass viele Atheisten zugeben, das Christentum sei unter allen Religionen die fortschrittlichste und erhabenste, und gerade gegen diese Religion wendet sich deshalb der radikale Atheismus. Der moderne Unglaube ist, wie er es theoretisch auch formulieren mag, im Grunde antichristlich. Nicht der Islam wird offen kritisiert, nicht der Buddhismus oder Hinduismus, es ist das Christentum, besonders das katholische Christentum, gegen das sich der militante Unglaube ausschließlich richtet. Nur in der christkatholischen Religion sehen fast alle Atheisten unserer Zeit das Haupthindernis, das sich ihrer Idee vom Menschen und seinem Glück in den Weg stellt. Erst in zweiter Linie dehnen sie diese Kritik am katholischen Christentum auf andere Religionen und auf Religion überhaupt aus.

 

Papst Johannes XXIII., der mit so mancher alten Tradition brach, kommt das große Verdienst zu, öffentlich erklärt zu haben, die „anderen“ seien bei weitem nicht die einzigen Schuldigen an dem „Riss im nahtlosen Kleid Christi“. Wir gläubigen Katholiken müssen den Mut haben, unsere eigene Schuld an dem furchtbaren Ansteigen des Atheismus in einer Welt zuzugeben, in der das Evangelium schon zweitausend Jahre gepredigt wird. Weil unser eigenes individuelles und kollektives Verhalten als Christen in der Welt zu oft als mit dem Geist des Evangeliums wenig vereinbar erscheint, entstand bei den Menschen und Völkern, die das Christentum erst zum Bewusstsein ihrer Würde erweckt hat, die Meinung, sich als Feinde gerade dieser Religion betätigen zu müssen.

 

Ich kenne Ungläubige und Gläubige, die keinerlei Bedürfnis nach etwas Absolutem haben, etwas, was über das Alltägliche hinausreicht. Sie begnügen sich damit, schlecht und recht zu leben, ohne gegen die Regeln ihres Lebenskreises, der politischen Korrektheit und des Mainstreams zu verstoßen. Ich weiß nicht, ob sie die Mehrheit ausmachen oder nicht. Sicher aber ist andererseits, dass es viele Ungläubige und Gläubige gibt, die mit einem rein irdischen Leben durchaus nicht zufrieden sind.

 

Die Atheisten des 19. Und 20. Jahrhunderts sagten im Namen der Wahrheit Nein zum Christentum. Sie meinten, sicher zu sein, dass die herkömmlichen Beweise für das Dasein Gottes der Vernunft nicht standhalten könnten, und bezweifelten die geschichtliche Glaubwürdigkeit der Berichte der Evangelien. Heute hat sich manches geändert: Selten sind die jungen Atheisten überhaupt noch an einer Diskussion über die Wahrheit des Christentums interessiert. Kaum ein Mensch von heute, ob jung oder alt, legt sich selbst noch die Frage vor, ob die Lehren des Christentums wahr sind oder nicht. Für die große Mehrheit der Menschen unserer Zeit ist das Ausschlaggebende nicht die Wahrheit, sondern die Auswirkung. Man könnte ihnen die Wahrheit der christlichen Lehre noch so lange beweisen; solange das Christentum in ihren Augen nicht als etwas Überzeugendes und Wirksames erscheint, werden die wenigsten daran denken, sich bekehren zu lassen. „Mit dem Strom schwimmen“, Verstecken des Kreuzes Christi, sexueller Missbrauch durch Priester, Eintreten für politisch korrekte Parteien vor der Wahl im September 2021, Impfempfehlungen in Zeiten der Pandemie, Standesdünkel, kirchliche Klimahysterie usw., machen auch das katholische Christentum in unserem Land unsympathisch und uninteressant besonders für junge Menschen, die sich zwischen dem Unglauben und dem katholischen Glauben entscheiden sollen. 

 

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Unmodernes Gebet - 8. August 2021

 

Es ist erbaulich, wenn einer unserer katholischen Bischöfe und Pfarrer an das Gebet erinnert, allerdings ist es selten geworden. Andere Empfehlungen stehen meistens im Vordergrund: Impfen lassen, sich um Flüchtlingsboote kümmern, gegen böse Parteien und Demonstranten sein, für Diversität, Homosexualität, Frauenpriestertum und gegen Sakramentenspendung allein durch Priester eintreten, und vieles andere mehr. Und wo bleibt das Gebet, die Anbetung, die Ehrfurcht vor dem Göttlichen, das in die Hände unserer Priester gelegt wurde? Der heilige Laurentius Justinianus umschrieb die heilige Handlung unserer Priester, die heilige Messe betreffend, folgendermaßen: "Die Messe ist unfehlbar aus allen heiligen Handlungen, die ein Priester vollbringen kann, die erhabenste, die heiligste, die wohlgefälligste vor Gott, und die nützlichste zum Heil der Menschen. Wäre es uns doch vergönnt, die Tiefe der Ehrfurcht zu erkennen, mit der die heiligen Engel ihr beiwohnen! - Wie groß also soll die Reinheit eines Priesters sein, der dies göttliche Opfer feiert! Nahen soll er dem Altar im Geist Christi, dort stehen wie ein Engel Gottes, und dieses göttliche Werk vollbringen wie ein Heiliger. Opfern soll er die Gebete des Volkes als opfernder Priester; doch soll er nicht bloß das Amt eines Mittlers zwischen Gott und den Menschen vertreten, sondern auch für sich selbst beten, und bedenken, dass er ein Mensch und ein Sünder ist."

 

Es gibt Priester, die im Sinn dieser Worte des heiligen Laurentius Justinianus die Heilige Messe feiern, die Sakramente spenden, den Menschen wahre Seelsorger, wenn nicht sogar Seelenführer sind. Aber es sind nicht viele. Wird in den Gottesdiensten unserer Gemeinden neben Protest und Kritik an der Hierarchie und der sogenannten "Männerkirche" auch an das Gebet und die entsprechende ehrfürchtige und andächtige Gesinnung der Gläubigen erinnert? Werden die Christen zuerst zu den drei göttlichen Tugenden, zum Glauben, zur Hoffnung und zur Liebe geführt?

 

Ich denke, dass die mangelhafte Andacht und das Setzen rein diesseitiger Prioritäten bei uns Christen oft durch einen Verlust der Tradition herrührt. Wir möchten tief in unseren Inneren zwar gerne beten, wollen aber nichts mehr von den Gebetsformeln unserer Ahnen, wie z.B. dem Rosenkranz, wissen, die uns zu einfach und zu erbärmlich vorkommen. Oder wir möchten beten und können es nicht mehr, weil wir die Worte vergessen haben, die den Flug der Seele unterstützen. Auf vielen anderen Gebieten geht es uns ja genauso. Wir lernen überhaupt nichts mehr auswendig, weder Deklinationen noch Konjugationen noch Gebete. Unsere Schulen bilden Kolosse aus mit tönernen Füßen, die wohl komplizierte Einzelheiten kennen, aber nicht mehr die grundsätzlichen Regeln. Der Religionsunterricht hat dabei die gleiche Entwicklung mitgemacht wie die weltlichen Unterrichtsfächer. Er ist weit angenehmer als früher, oft auch weitaus intelligenter. Aber wieviele Erstkommunikanten und Religionsschüler sind imstande, Gebete aufzusagen, die sie nur selten gehört haben ohne steckenzubleiben? Früher hatten die Kinder den Katechismus herzusagen, ohne ihn zu verstehen; später sollten sie ihn verstehen, ohne ihn auswendig zu lernen; heute wissen sie kaum noch, dass es einen Katechismus gibt. Es kann gefragt werden, welche Variante im Not- und Ausnahmefall und in Krisensituationen am meisten hilfreich ist. 

 

Der heilige Pfarrer von Ars sagte einmal: "Je mehr man betet, desto mehr will man beten. Das ist wie bei einem Fisch, der zuerst an der Oberfläche des Wassers schwimmt und dann taucht. Die Seele taucht, versenkt sich und geht auf in der Wonne der Unterhaltung mit Gott." Doch leider gibt es auch ein Gegenstück dieser psychologischen Wahrheit: Je weniger man betet, desto weniger will man beten. Ein Organ, das nicht mehr tätig ist, verkümmert. Die Zeit, die man in der Kirche verbringt, kann die gleiche bleiben; aber der abgestumpfte, krittelnde und zerstreute Geist ergreift bereitwillig jede Gelegenheit, sich ablenken zu lassen.

 

Die Krise des Gebetes ist jedoch noch viel allgemeiner und schwerer. Wenn sie schon die praktizierenden Christen befallen hat, was soll man dann erst von den anderen oder gar von der gleichgültigen oder ungläubigen Masse sagen? Die Frömmigkeit lässt rasant nach in unserem Land, in Europa, besonders im Westen. "Wahrscheinlich", meinte der französische Nobelpreisträger Alexis Carrel zu seiner Zeit, "macht die Zahl der Franzosen, die regelmäßig beten, nicht mehr als 4 oder 5 % der Bevölkerung aus." Wie viel Prozent mögen es heute noch sein? Die heidnischen Kulturen des Altertums waren in dieser Beziehung ganz anders als unsere vom Christentum abgefallene Kultur. Dafür braucht man nur die alten Schriftsteller nachzulesen. Und betrachten wir heute nur einmal einen Hindu oder einen Mohammedaner: welcher Gegensatz zu uns laisierten Menschen des Westens! Was ist hier vor sich gegangen? Mehrere Umstürze, die man Pendelbewegungen nennen könnte, haben unsere Geschichte seit einigen Jahrhunderten beeinflusst. 

 

In erster Linie haben wir den Glauben an das Übersinnliche verloren. Das Ideal der religiösen Seele war für unsere Vorfahren, sich in eine höhere Region als unsere Erde zu flüchten, zu einem Gott, der ganz anders war als wir. Der fromme Mensch hatte Heimweh nach dem Ewigen. Die Dinge hier auf dieser Welt erschienen ihm vergänglich und mit Staub bedeckt; sie boten nur schale Genüsse und Leiden. Man sollte sich ihrer so wenig als möglich bedienen. So schrieb Origenes: "Das ist das Zeichen der Jünger Jesu, auf das andere Ufer überzusetzen, sich zu erheben über das, was sichtbar und körperlich ist, und hinzueilen zu dem, was unsichtbar ist und ewig."

 

Das Pendel ist nunmehr ausgeschlagen: die Religion des Übersinnlichen wurde durch die Anbetung des Materiellen, Greifbaren, zum Beispiel des scheinbar "menschengemachten Klimawandels" und des Machtstrebens in der Kirche, ersetzt. Wir haben wieder einen Sinn für die Erde bekommen, ja widmen ihr unsere ganze Aufmerksamkeit. Wir vergöttlichen sie in gewisser Beziehung. Und am liebsten beschränke wir dieses Interesse sogar noch auf einen bestimmten Teil der Welt: den Menschen. 

 

Eine zweite Pendelbewegung war die, dass man die Betrachtung zugunsten der Tätigkeit aufgab. Ja, wir sind noch einen Schritt weitergegangen: statt die Welt und die Natur zu betrachten und uns in ihr auszuruhen, gestalten wir sie um nach unserer Fasson. Auf diese Art kommen wir zu einer Selbstvergötterung, indem wir das Werk unserer Hände anbeten. Anmaßung und Hochmut rufen es lautstark heraus: Mit unseren Fähigkeiten können wir den Klimawandel stoppen, wir können der Erde das Klimaheil bringen! Wir grüne Menschen sind die neuen Reformatoren, wir und unsere Werke sollen angebetet werden! Aber solange der Mensch seinesgleichen anbetet oder die Kräfte der Natur, behält er immer noch eine gewisse Fähigkeit zum Frommsein. Wenn er, wie viele unserer Mitchristen mittlerweile auch, aber nur mehr an das denkt, was er herstellt, was er machen kann, wie er der grünen Religion huldigen kann, dann ist das Übel vollständig, dann erstirbt jeglicher Anruf aus seiner Seele. Er lebt nur dem gegenwärtigen Augenblick, er vergisst auch das Kind, das er war, er setzt sich gleich mit dem Rhythmus seiner Werkzeuge. Aber der Götzendienst verschlingt seine Gläubigen; aus der industriellen Zivilisation entsteht eine Krankheit, deren Anzeichen bekannt sind: die Vergiftung durch den Rausch der Klimapolitik, der Virenbekämpfung, des Geldes, der Geschwindigkeit durch Digitalisierung und die fortschreitende Entpersönlichung, gegen die unsere besten Gesellschaftswissenschaftler umsonst protestieren, ohne dass es ihnen gelingt, ein wirksames Gegenmittel zu finden. 

 

Wer kann sich schon rühmen, diesen Übeln zu entgehen? Es fällt uns schwer zu beten, weil wir weder die Zeit dafür noch Geschmack daran haben. Unaufhörlich werden wir von unserer Umwelt, besonders von den öffentlich-rechtlichen Medien, zur Unwahrheit beansprucht. Die Technik, besonders die digitale, spornt uns zu immer größeren technischen Fortschritten an, und wir können gar nicht mehr anders, als den ganzen Tag über den Anforderungen unserer gehetzten Zeit zu entsprechen. Diese Situation hat sogar etwas Humorvolles an sich: Indem ich z.B. diese Zeilen niederschreibe, füge ich einem Tagwerk, das mir sowieso schon über den Kopf zu wachsen droht, noch eine Handlung hinzu. Oder: gegen den Lärm protestieren heißt letzten Endes mit noch einer Stimme mehr den Lärm der anderen Stimmen vermehren!

 

Und schließlich gibt es noch einen dritten Grund, weshalb die Frömmigkeit zurückgeht: das Gebet scheint uns, Bischöfe, Priester und andere Verdächtige mit eingeschlossen, wirkungslos zu bleiben. Indem wir stets nur wiederholten: "Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott" (siehe "Synodaler Weg"), haben wir aufgehört, uns an den Himmel zu wenden. Bricht z.B. eine Epi- oder Pandemie aus, dann rufen wir nach der Impfung und der Impfbereitschaft von Menschen, wie vor einigen Tagen Bischof Bätzing in den Medien, und verzichten auf Litaneien. Auf diese Art nehmen die technischen Erfolge dem Aufschwung der Seele seine Daseinsberechtigung. Dabei könnte die Verbindung mit und das Ruhen in Gott durch das Gebet etwas bewirken, was keine Impfung, keine Antibiotika und kein medizinisches oder politisches Beruhigungsmittel, sondern was nur das Gebet geben kann. Wir ziehen jedoch den ersteren Nutzen diesem zweiten vor, indem wir uns damit begnügen, mehr zu haben als zu sein.

 

Es ist normal, dass wir zunächst für unsere materielle Existenz sorgen. Und ebenso normal ist es, dass die Technik den Geist fortschreitend von gewissen Mühen entlastet und ihn frei macht für höhere Aufgaben. Geht aber der Vorrang des Zeitlichen so weit, dass er den Primat des Geistes bedroht, dann ist die normale Ordnung gestört. Wenn die Sorge um das natürliche Leben uns dahin bringt, dass wir nur noch für dieses sorgen, dann vertreibt sie nicht nur die Gnade, sondern entstellt auch die Natur. Es kommt dann zu einer dramatischen Situation: der Mensch findet in sich selbst nicht mehr jenes Minimum moralischer Gesundheit, das ihm erlaubt, nachzudenken und zu beten. Er wird sich seiner Mängel, und erst recht seiner Fehler, nicht mehr bewusst. Er ist scheinzufrieden mit sich selbst und äußert seine Ansichten lautstark und teils hasserfüllt.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen: die Verkümmerung des Sinnes für das Gebet erklärt sich daraus, dass sich die Achse, um die unsere Sorgen sich drehen, geändert hat: statt die Erde für den Himmel aufzugeben, gibt man den Himmel für die Erde hin. Regenbogenfahnen in Kirchen, Einführung der Gendersprache, Entpriorisierung des Einsatzes gegen Abtreibung und Segnung von homosexuellen Paaren an den Altären, sind nur eine Beispiele dafür. Das katholische Christentum aber bietet uns heute genauso wie in der Vergangenheit eine Lösung für unsere Probleme.

 

Es braucht nicht betont werden, dass es nicht gilt, die irdischen Werte, wie z.B. die Sorge um die verschmutzte Natur, Mitmenschlichkeit, Gerechtigkeit usw., zu vernichten unter dem Vorwand, die ewigen Werte zu bewahren. Zu Gott zu beten und gleichzeitig die Schöpfung zu verachten und nicht zu bewahren, ist kein Gebot des Evangeliums. Seine Zeit mit Gebeten zu verbringen, um nicht zu arbeiten, um nicht zu helfen, ist nie das Mönchsideal des heiligen Benedikt oder sonst eines Ordensstifters gewesen, sondern ist eine Verzerrung der Frömmigkeit. Das Problem ist längst geklärt: das Gebet soll das Leben  nicht schädigen, sondern vielmehr dazu helfen, sinnvoller zu leben.

 

Der Welt wird es nicht besser gehen, weil wir nicht mehr beten. Jede Tätigkeit hat ihre eigene Ökonomie und ihre eigenen Gesetze; ihre Struktur hängt nicht vom Gebet ab. Aber jedes Werk hat seinen Ursprung in einem Tätigen, der verantwortlich ist für sein Tun und Lassen und der sich nicht von Gott trennen kann, das Kreuz Christi aus Menschenfurcht verstecken kann, ohne dass sein Leben und sein Werk ihren Sinn verlieren. Darum stellt sich das Problem des Gebetes unvermeidlich, solange es Menschen auf Erden geben wird.

 

Christus verleiht jedem Teilchen der Menschheit eine überirdische, göttliche Bedeutung. Auch den kleinen Bischofskreuzen auf der Brust in der Moschee in Jerusalem. So wird die Erhebung zum Überirdischen mit der Liebe zur Erde versöhnt. Der Christ kann "immer beten", wie das Evangelium es verlangt, ohne dass er seine irdische oder kirchliche Aufgabe vernachlässigt. Das christliche Gebet kann das Herz des Menschen retten, ohne dass die Vollkommenheit seiner Maschinen darunter zu leiden braucht. 

 

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Schwarz-Rot-Gold - 19. Juli 2021

 

Da in drei Monaten Bundestagswahl ist (ich schreibe diesen Artikel im Juni 2021), sollten wir uns rechtzeitig so manches Ereignis der letzten Jahre in Erinnerung rufen. Zum Beispiel die Äußerungen der Parteien zur Abtreibung (Tötung) von ungeborenen Menschen und andere für uns Christen wichtige Wegmarken, die wir bei unserer Wahl nicht außer Acht lassen dürfen. Hier die Erinnerung an die Fahne der Bundesrepublik Deutschland: Seit im Jahr 2013 Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Feier nach ihrem Wahlsieg aus unerfindlichen Gründen dem damaligen Generalsekretär der CDU Hermann Gröhe auf der Bühne ein schwarz-rot-goldenes Fähnchen heftig aus der Hand riss und wie angewidert wegwarf, ist die Fahne selbst wieder mehr ins Augenmerk gerückt. Interessant ist die Geschichte der deutschen Fahne. Hans Armin Schrey hat über sie im „Katholischen Digest“ von 1962 folgenden Artikel veröffentlicht:

 

 

„Seit 1949 führt die Bundesrepublik wieder Schwarz-Rot-Gold als Farben der Nationalflagge, wie vorher schon die Weimarer Republik von 1919 bis 1933 und der erste deutsche Bundesstaat von 1848 bis 1850. Vor 1818 gibt es in Deutschland keine schwarz-rot-goldene Fahne im heutigen Sinne, doch lassen sich die Spuren dieser Farbenverbindung bis in das hohe Mittelalter zurückverfolgen.

 

Das wohl älteste Zeugnis der drei Farben nach getrennten Symbolen ist den Kaiserzügen des 12. Jahrhunderts zu danken. Dem Kaiser wurde u.a. eine Standarte vorangetragen, die einen schwarzen Adler auf goldenem Grund zeigte, sowie die rote Lehens- oder Blutsfahne. Das erste gemeinsame Auftreten der drei Farben, die später im Volksmund aus unerfindlichen Gründen die „alten deutschen“ genannt werden, ist in der Manessischen Liederhandschrift festzustellen, die um 1300 entstanden sein dürfte. Dort zeigt das Wappen auf dem Bildnis von Heinrich VI. einen schwarzen Adler mit roten Krallen auf goldenem Grund. Eine zeitliche Parallele hierzu findet sich in der Züricher Wappenrolle, deren kaiserliches Adlerwappen die gleiche Farbgebung aufweist. Nicht anders ist es auf einer Habsburger Ritterfahne des frühen 13. Jahrhunderts im Berner Historischen Museum. Wenn auch schon sehr verblichen, so ist doch noch deutlich die gelbe Farbe (Gelb und Gold sind in der Heraldik gleich) des Fahnentuches erkennbar, auf dem ein rotbewehrter schwarzer Adler steht. Auch das Hohenstaufen-Hauswappen lässt eine schwarz-rot-goldene Spur erkennen. Ursprünglich bestand es aus drei übereinanderliegenden schwarzen Löwen auf Goldgrund. Als der letzte Staufer Konradin 1268 enthauptet wurde, wandelten sich, so sagt die Legende, die Vorderpranken des Löwen in Rot. Ein Stadttor im allgäuischen Wangen trägt solch ein Wappen noch heute.

Banner der Jenaer Urburschenschaft 1815 mit Schwarz-Rot-Gold

 

In einem Kommentar zum „Sachsenspiegel“, dem ältesten mittelalterlichen Rechtsbuch, heißt es schon im Jahr 1221: Tume anderen het dat Ryke eyn Bannyr, darynne steyt eyn Arn, an deme steyt eyn Crucze vor dy brust. . . Tum drudden het he eynen Vanen, dy is vor roth unde hindene ghel. . . Diesem Hinweis gibt der „Codex Balduini“ etwa 100 Jahre später farbiges Zeugnis. Bischof Balduin, Bruder Heinrichs VII., ließ in dieser Schrift den Italienzug des Kaisers 1312 schildern. Hier begegnen wir mehrfach dem vorerwähnten Kaiserbanner mit dem schwarzen Adler, der roten Lehensfahne und, in 13 Bildern, einem langen Wimpel über dem kaiserlichen Reiterzug, der „vorne rot und hinten gelb“ ist.

 

Ebenfalls in der Manessischen Handschrift führt neben einigen Siegeldarstellungen – schwarzer Adler auf gelbem Grund mit roter Umrandung – der Ritter von Honberg eine Fahne, deren Schaft rot ist, während der goldene Wimpel drei schwarze Adler trägt. Nun ist dies ganz gewiss keine kaiserliche Fahne, aber warum sollte nicht ein Ritter aus Gefolgstreue für den Kaiser dessen Wappensymbol in geziemender Verkleinerung übernommen haben? Diese Fahne führt auch der Form nach geradewegs zur Reichssturmfahne, die Kaiser Ludwig der Bayer am 3.3.1336 dem Grafen Ulrich von Württemberg verlieh: . . . daz wir unsern und dez riches sturmvanen empfohlen haben dem Edlen man Ulrichn Grafen zu Wirtenberg . . . und daz der vorgenant Graf Ulr. von Wirtenberg und sin erben, die sun sint, uns und unsern nachkomen an dem riche, Kuenigen und Keisern, oewiklichen die dienst sullen getriwlichen, die man do von zu recht und billich tun sull.

 

Die Reichssturmfahne bestand aus goldenem Tuch mit schwarzem Adler und hing am roten Schaft. Zeitgenössische Darstellungen haben sich vielfach im Ludwigsburger Schloss erhalten, die schönsten Zeugnisse jedoch finden sich im Chor der Tübinger Stiftskirche. Auf der Gedenktafel für Herzog Eberhard im Bart ist die Reichssturmfahne zweimal dargestellt, und einen Schritt daneben hat sie auf dem Sarkophag des Herzogs Eingang gefunden. Schwarz und Rot und Gold sind als ihre Farbenelemente bis auf den heutigen Tag hervorragend erhalten geblieben. Noch in späterer Zeit erscheint die Reichssturmfahne in einem Feld des Württembergischen Königswappens.

 

 

Zwei weitere Spuren, von der Wissenschaft bis jetzt kaum ausführlich gewürdigt, weisen auf die Farbenverbindung von Schwarz, Rot, Gold hin. Da ist zunächst einmal der Adler auf dem Zeremonienschwert der Reichsinsignien, heute in der Wiener Schatzkammer, der eindeutig die Farben Schwarz, Rot, Gold aufweist. Zum anderen ist ein erst vor wenigen Jahren freigelegtes Fresko in der gotischen Kapelle von Zeil am Main anzuführen, das dem späten 14. Jahrhundert zugeschrieben wird. Es zeigt Heinrich II. und seine Gemahlin Kunigunde mit dem Modell des von ihnen gestifteten Bamberger Doms. Über dem Herrscherpaar ist der kaiserliche Adler angebracht, auf schwachem Goldgrund ein Schwarzer Adler mit roten Krallen.

 

Diese wohl ältesten Zeugnisse von Schwarz, Rot, Gold aus der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation lassen sich an der Schwelle zur Renaissance fortsetzen. Der Mantel des Reichsherolds im Germanischen Nationalmuseum trägt auf Vorder- und Rückseite den schwarzen Adler mit roter Wehr auf goldenem Grund. Der fast mannshohe Schild von Karl V. in Augsburg ist farblich ebenso gestaltet. Der Knauf des Heroldsschwertes, in dessen Schutz Luther freies Geleit zum Reichstag nach Worms erhielt, war mit schwarzen, roten und goldenen Lederriemen umzogen. Wir finden die alten Farben sowohl auf alten Holzschildern wie auf wenigen noch erhaltenen Reichshumpen des 16. Jahrhunderts, wir sehen sie in den berühmten Glasfenstern des Züricher Landesmuseums und in Siegelschnüren von Karl V. Sie standen auf dem Mastkorb des Flaggschiffs des gleichen Kaisers, als er nach Tunis segelte. Sogar die aufständischen Bauern sollen sich nach einer (umstrittenen) Chronik diese Farben zum Sinnbild ihres zu erkämpfenden „Göttlichen Rechtes“ gemacht haben: Am 24. August 1524 zogen ihrer 1200 gen Waldshut, die schwarz-rot-gelbe Reichsfahne voran, einen früheren Soldaten, Johannes Müller von Bulgenbach, an ihrer Spitze. Auch vom kaiserlichen Reichswassergericht in der Wetterau, einem Teil des heutigen Hessen, lassen sich Spuren ableiten. So heißt es in einem Bericht aus dem Jahr 1799: Das Gerichtspersonal ist mit rothen, gelben und schwarzen Schärpen gezieret, ebenso der justiznagel. Weiter wird dort bemerkt: Der Müller gibt freie Zehrung, Logis und Fütterung für die Pferde, sodann 30 Ellen roth, 30 Ellen gelb und 30 Ellen schwartz Band. Und aus dem Jahr 1684 berichtet eine Chronik aus Vilbel: Als der Wasserpfahl an das gegrabene Loch gebracht war, sind die Herren Wasserhauptmann und Richter, den Justiznagel vor sich hertragen lassend, der mit Rosmarin und kaiserlichem Libereiband rot, gelb und schwartz gezieret, desgleichen die Herren Wasserrichter an ihrem rechten Arm auch waren, zu dem genannten Ort gegangen.

 

 

Im 19. Jahrhundert erneuern sich die Farben in der Uniform der Lützower, nunmehr zum politischen Symbol für Einheit und Freiheit gewandelt. Schwarz war der Waffenrock, rot Vorstoß und Kragen, golden schimmerten die Knöpfe. Friedrich Ludwig Jahn, Lützows Ajutant, gab diesen Farben den sinnbildhaften Gehalt: Schwarz wie die Nacht der Knechtschaft, Rot wie das Blut des Kampfes, Golden wie die Freiheitssonne! Aus der großen nationalen Bewegung der Befreiungskriege sollte ein geeintes Deutschland hervorgehen unter den gemeinsamen Farben Schwarz-Rot-Gold. So idealistisch jedenfalls dachten viele Studenten, als sie sich 1815 in Jena zur ersten deutschen Burschenschaft zusammentaten und die geliebten Farben übernahmen. Ihr rot-schwarz-rotes Banner war von goldenen Fransen umzogen und trug inmitten einen goldenen Eichenzweig. Daraus entwickelte sich schließlich die erste schwarz-rot-goldene Fahne der deutschen Geschichte, als sich Vertreter von 14 Universitäten 1818 zur Allgemeinen Deutschen Burschenschaft zusammenschlossen. Aber diesen Farben war kein langes Leben beschieden: sie wurden radikal verboten, als der Student Sand 1819 den Staatsrat und Dichter August Kotzebue erstach. Jene im Zeichen von Schwarz-Rot-Gold von der Burschenschaft verfolgte liberale Bewegung, deren Forderungen in einem freien und einheitlichen Deutschland gipfelten, war den Fürsten der 38 deutschen Kleinstaaten verhasst. Doch gerade durch dieses Verbot wurde das freiheitliche Gedankengut in breiteste Volksschichten getragen und kam 1832 beim Hambacher Fest, angestachelt durch die Revolutionen von Warschau und Paris, zum elementaren Durchbruch. Damals zogen 30.000 Menschen durch ein Meer von schwarz-rot-goldenen Fahnen, angetan mit Schärpen und Rosetten, Kokarden und Armbinden in den gleichen Farben, zur Hambacher Burgruine und verlangten stürmisch eine freiheitliche Verfassung in einem vereinigten deutschen Vaterland. Dreimal hoch die vereinigten Staaten Deutschlands und ein konföderiertes Europa! lautete eine der Devisen jenes Tages, dessen politische Prophetie erst heute voll gewürdigt werden kann. Noch heute hängt im Museum zu Neustadt a. d. Weinstraße jene historische Hambacher Fahne in Schwarz-Rot-Gold mit der mahnenden Inschrift „Deutschlands Wiedergeburt!“

 

Zwar wurde vielen Teilnehmern am Hambacher Fest der Prozess wegen Aufruhrs gemacht, aber der politische Liberalismus, vom Bürgertum ausgehend, war nicht mehr totzuschweigen. Wiederum von der Pariser Revolution im Februar 1848 angestachelt, kam es im März in Deutschland allenthalben zu Aufständen mit dem Ziel, die politische Gleichberechtigung des Bürgertums durchzusetzen. Überraschend beschloss der von den Fürstenhäusern delegierte Frankfurter Bundestag am 9. März 1848: Ebenso werden die Bundesfarben der deutschen Vorzeit zu entnehmen sein, wo das deutsche Reichspanier schwarz, rot und golden war. Schon am 10. März wehte die schwarz-rot-goldene Flagge vom Thurn- und Taxis-Palais in Frankfurt, am 13. März zeigte sich Kaiser Ferdinand in der Wiener Hofburg mit den neuen Farben, die auch vom Stephansdom weit ins Land grüßten. Am 19. März flatterten sie vom Kölner Dom. In Berlin war es am 18. März zu blutigen Unruhen gekommen, als das Bürgertum die vom König längst versprochene Verfassung forderte. 183 Tote blieben zurück, angesichts derer König Friedrich Wilhelm IV. verkünden ließ: Ich habe heute die alten deutschen Farben angenommen und Mich und Mein Volk unter das ehrwürdige Banner des Deutschen Reiches gestellt. Den weiteren Verlauf des Tages schildert ein Zeitungsbericht: Soeben reitet unser König mit der dreifarbigen Fahne durch die Straßen. Das Volk jubelt ihm von allen Seiten entgegen. Der König selbst hat ein schwarz-rot-goldenes Band um den Arm geschlungen. Zugleich wurde auf dem Turm des Schlosses eine große Fahne in den Farben Schwarz-Rot-Gold aufgezogen.

 

 

 

Am 18. Mai zog Deutschlands erstes vom Volk frei gewähltes Parlament in die Frankfurter Paulskirche ein. Über 7000 schwarz-rot-goldene Fahnen grüßten Deutschlands geistige Elite, die eine freiheitliche Verfassung ausarbeiten sollte. Am 31. Juli 1848 wurden Schwarz-Rot-Gold feierlich als Farben der nationalen Fahne empfohlen, und Erzherzog Johann von Österreich zog kurz darauf als deutscher Reichsverweser unter einem Baldachin schwarz-rot-goldener Fahnen in Frankfurt ein. Vor dem Parlament, das die ersten deutschen Grundrechte festlegte, hielt der greise Turnvater Jahn seine berühmte Schwanenrede: Ich will hier meinen Schild künden, da ich ihn nicht aushängen kann. Mein Schild führt die Farben Schwarz, Rot, Gold, und darauf steht geschrieben: Einheit, Freiheit, Vaterland! Noch immer trage ich die deutschen Farben, so ich im Befreiungskrieg aufgebracht habe, nachdem sie seit dem unglücklichen Bauernkrieg verschollen gewesen.

 

Aber die so sehr ersehnte deutsche Einheit scheiterte an den unüberbrückbaren Gegensätzen zwischen Preußen und Österreich. Nur bis zum 2. September 1850 wehten über der Frankfurter Paulskirche die schwarz-rot-goldenen Farben. Im Bruderkrieg von 1866, als die kleindeutsch-preußische Idee über den gesamtdeutsch-österreichischen Gedanken in der Schlacht bei Königgrätz triumphierte, gingen mit schwarz-rot-goldenen Armbinden auch die süddeutschen Verbündeten Österreichs unter, zugleich die letzte Chance für eine deutsche Einheit begrabend.

 

Bismarck ersetzte 1861 Schwarz-Rot-Gold durch das willkürliche Schwarz-Weiß-Rot, das er aus Preußens Schwarz-Weiß und dem Weiß-Rot Brandenburgs und der Hansestädte zusammenfügte. Nach einigen Jahrzehnten der Blüte ging das zweite Kaiserreich in den Materialschlachten des 1. Weltkrieges unter. Es ist hier festzuhalten, dass die dem Kriegsende folgende Anarchie unter der roten Fahne des internationalen Kommunismus erst wieder 1919 durch das Ordnungsprinzip der Weimarer Republik abgelöst wurde. Dieser aus allen Wunden blutende Staat gab sich am 3. Juli 1919 wieder eine nationale Fahne: „Die Reichsfarben sind Schwarz-Rot-Gold.“ Unter diesen Farben konnte sich das geschlagene Deutschland langsam wieder aufrichten. Doch selbst um die nationale Fahne erhob sich ein hässlicher Flaggenstreit, der dazu führte, dass die deutsche Handelsflagge wieder Schwarz-Weiß-Rot wurde und nur in der oberen Ecke Schwarz-Rot-Gold trug. Ein Jahrzehnt später blieb es dem Hakenkreuz vorbehalten, Europa in einen Kriegsschauplatz und Deutschland in ein Trümmerfeld ohnegleichen zu verwandeln. So mag es fast schicksalhaft anmuten, dass in der Stunde tiefster Not Schwarz-Rot-Gold wieder an einem deutschen Neubeginn stand, als am 8. Mai 1949 der Artikel 22 des Grundgesetzes formuliert wurde: „Die Bundesflagge ist Schwarz-Rot-Gold.“

 

Damit schließt sich der Kreis über sechseinhalb Jahrhunderten deutscher Geschichte. Der deutsche Kaiseradler in der Manessischen Handschrift kehrt im heutigen Bundeswappen in abgewandelter Form wieder; beiden Symbolen ist die schwarz-rot-goldene Farbgebung eigen. Im Zeichen der alten Farben hat sich das neue Deutschland wieder Achtung und Gleichberechtigung unter den freien Völkern der Welt errungen. Erneut musste Deutschland seinen jahrhundertealten schicksalhaften Weg gehen: aus schwarzer Nacht durch endloses Opferblut in das Wunschbild einer goldenen Freiheit, in die auch unsere Schwestern und Brüder im Osten eingeschlossen sind im Zeichen der alten deutschen Farben

 

Schwarz-Rot-Gold.

 

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Das Weinen der Tiere - 17. Juni 2021

 

Es ist erwiesen, dass auch Tiere weinen können. Gelehrte von Weltruf haben über diese Tatsache viele interessante Abhandlungen geschrieben.

 

Hunde können bei gewaltsamer Trennung von ihrem Herrn nicht nur ein rührendes Geheul und Wimmern anstimmen, sondern regelrecht in Tränen ausbrechen. Maultiere, diese armen Arbeitssklaven der Menschen in den südlichen Ländern, können, wenn sie an einer einsamen Straßenecke stehengelassen werden, oft stundenlang vor sich hindösen, um dann plötzlich in Tränen auszubrechen, als würde ihnen ihr jämmerliches Dasein zum Bewusstsein kommen.

 

Die Redewendung von den "Krokodilstränen" ist dagegen nichts weiter als eben nur eine Redewendung. Es ist erwiesen, dass diese Reptilien nicht einen Tropfen Flüssigkeit aus ihren Augen hervorbringen können. Dafür hat die Redeweise "Er weint wie ein Kalb" viel für sich. In der Tat können manche Wiederkäuer Tränen weinen. Hirsche und Rehe vergießen in ihrer Todesangst Tränen, und von afrikanischen Großwildjägern und Tierfängern ist uns überliefert, dass Giraffen im Todeskampf Tränen in den Augen haben. Selbst das "dumme Kamel", dieser unentbehrliche Begleiter der Menschen in den Wüstengegenden, kann in Not und Leid sehr leicht in Tränen ausbrechen. Ob auch Bären in Tränen ausbrechen, wenn nach Leid und Qual - durch uns Menschen verursacht - ihr Ende naht, konnte bisher noch nicht beobachtet werden. Dass aber das größte Landtier der Welt, der Elefant, alles in allem ein rührseliger Geselle ist, der in Tränen ausbrechen kann, wenn er sich plötzlich der Freiheit beraubt sieht, ist erwiesen.

 

"Große Tränen rollen aus den Augen des Pferdes", erzählt der berühmte Asienforscher Sven Hedin von seinem Schimmel in Tibet, der kraftlos zusammengebrochen war. "Er weint, weil er nicht mehr weiter mit uns ziehen kann . . ."

 

Wie viele Tränen werden wohl in den Viehtransporten auf unseren Straßen oder in den Ställen und Schlachthöfen fließen! Wie viel Elend und Qualen verursachen wir Menschen durch Unachtsamkeit und Brutalität gegenüber den Tieren! 

 

Der heilige Paulus spricht im Brief an die Römer vom "Seufzen und der Sehnsucht der gesamten Schöpfung auf Erlösung". (Römer 8,18-25) Wehe denen, die Menschen und Tieren Leid zufügen, die Menschen und Tiere quälen und ungerecht behandeln. 

 

Wie gut hört sich in diesem Zusammenhang an, dass Großbritannien im Mai 2021 eine neue Gesetzgebung angekündigt hat: Jedem Wirbeltier werden ab sofort Gefühle zugesprochen. Die Queen hat diese neue Gesetzgebung in Sachen Tierschutz in einer Thronrede angekündigt. Die Briten werden damit Vorreiter beim Tierschutz: Schärfere Gesetze für den Tierschutz, Anerkennung von Gefühlen der Wirbeltiere, ein Exportverbot für lebende Tiere und härtere Strafen für Tierquälerei. Diese Änderungen - in der EU können wir leider nur davon träumen - wurden erst durch den Brexit möglich. 

 

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"Im Namen der Heiliggeistkraft" - 13. Mai 2021

 

Am Christi-Himmelfahrts-Fest 2021 - oder sollen wir lieber sagen: Am Ende des Ramadan, am schönen Zuckerfest 2021 - wurde der "Ökumenische Kirchentag" im Namen der "Heiliggeistkraft" eröffnet. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Herr Thomas Sternberg, der ein "starkes Zeichen aus Frankfurt" erwartete, war auch zugegen. Er stellte vorher in einem Interview mit dem Domradio fest, dass die "Katholikentage evangelischer  und die Kirchentage katholischer geworden" sind, und dass durch das Reformationsjubiläum das ZdK darin bestärkt wurde, "den je anderen Reichtum der Konfessionen wechselseitig näher kennenlernen zu wollen". Das Motto des Ökumenischen Kirchentages 2021: "schaut hin".

Professor Thomas Sternberg über die Frage des Frauenpriestertums: „1994 hat Papst Johannes Paul II. versucht, diese Frage abzuwürgen. Die Frage wurde in der Kirche nicht geführt, und jetzt bricht sie mit aller Macht auf.“

 

Nach so viel Fragwürdigem bei der Eröffnungsveranstaltung des Kirchentages, hier eine ermunternde Erinnerung an das Jahr 1958:

 

Der 78. Deutsche Katholikentag in Berlin stand drei Jahre vor dem Mauerbau unter dem Motto: "Unsere Sorge der Mensch - UNSER HEIL DER HERR"

 

Karl Fürst zu Löwenstein, der damalige Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, schrieb im August 1958 im "Katholischen Digest":

 

"Als Mitbegründer der deutschen Ausgabe des Katholischen DIGEST freue ich mich ganz besonders, seinen vielen Lesern ein Wort über den 78. Deutschen Katholikentag sagen zu können, der vom 13. bis 17. August in Berlin gehalten werden soll. Denn heuer liegt uns besonders viel daran, dass die Katholiken ganz Deutschlands daran Anteil nehmen, und zwar möglichst viele in Berlin selber, alle aber in ihren Gedanken und Gebeten. Bitte, machen Sie in Ihren Familien die Fürbitte für einen segensreichen Verlauf des Berliner Katholikentags zum festen Bestandteil Ihrer Gebete!

 

"Unsere Sorge der Mensch - unser Heil der Herr!"

 

Unter dieses Leitwort werden diesmal Predigten, Ansprachen und gemeinsames Beten gestellt werden. Von unseren Sorgen werden wir also nicht schweigen, aber auch der Mahnung des Herrn eingedenk bleiben: "Sorget nicht ängstlich!"

 

Vereinsamt ist der Mensch unserer Tage, übergroß ist seine Gefährdung. Aber der Anruf Gottes gilt ihm heute wie am Schöpfungstag: "Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, und Du bist mein!" Das ist die Grundlage für das Weltverständnis eines Christenmenschen. Jeder, ob er sich auch vergessen glaubt oder ob er meint, keine Zeit zu haben für die letzten Dinge, steht immerdar vor Gottes Angesicht und unter Seinem allmächtigen Schutz. Solches Besinnen auf die Wirklichkeit, die hinter dem Lärm des Tages und der Wichtigtuerei der Mächtigen steht, ist die erste Aufgabe unseres Katholikentages, auch wenn er Massenkundgebungen veranstaltet. Denn der Herr ist ja mitten unter uns, wenn wir in Seinem Namen versammelt sind. Darum gelingt es uns immer wieder, aus dem, was äußerlich als Masse erscheint, "Gemeinschaft" zu bilden, in der nicht Stimmung gemacht wird, sondern Überzeugung, Kraft und Trost mitgegeben werden.

 

Jeder ist angesprochen, der unvergleichliche Reichtum christkatholischen Glaubens ist ein anvertrautes Gut, über dessen Verwendung wir einst Rechenschaft werden ablegen müssen. Weniger als je kann in unseren Tagen ein Christ sich dahin ausreden, das sei doch Aufgabe der Pfarrer. Wo kämen wir da heute hin? Die Erziehung in der Familie, von der doch vielleicht die letzten Entscheidungen abhängen, aber auch die tägliche Mitverantwortung für den Nebenmenschen, der in der gleichen Gefährdung lebt, aber vielleicht nicht soviel von zu Hause mitbekommen hat, verlangen Klarheit der Überzeugung und Klugheit in der Weitergabe des eigenen geistigen Besitzes. Dieser Zielsetzung dient, das Jahr über, die Kleinarbeit der verschiedenen Formen des Laienapostolates, der Vereine, der vielerlei Schulungsarbeit und des, allerdings nur in der Bundesrepublik, so reichen katholischen Schrifttums. Wäre diese Kleinarbeit nicht, dann dürften wir keine Katholikentage abhalten, denn dann wären sie ja leeres Gerede. Aber so dürfen wir sagen, dass sie stets neue Impulse, neue Überzeugungskraft für den Alltag gebracht haben seit 110 Jahren, seit es Deutsche Katholikentage gibt.

 

Ein Katholikentag in Berlin muss nun für beide Teile unseres zerrissenen Landes da sein und jedem etwas geben. Sehr, sehr verschieden sind die Lebensprobleme der Teilnehmer, und für viele ist es die einzige Möglichkeit der Begegnung. Darum ist dieser Katholikentag für uns alle eine besondere Verantwortung, und darum unsere dringende Bitte, dass sich viele entschließen, die Wallfahrt nach Berlin mitzumachen. Sie werden es nicht bereuen.

 

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Feindbild „katholischer Glaube“ - 7. April 2021

 

Wer auch nur einigermaßen die Zeichen unserer Zeit beobachtet, der muss erkennen, dass wir Katholiken von Feinden allerorts umringt sind. Wohin wir unsere Augen auch wenden mögen, überall treffen wir auf ein Schlachtfeld, auf dem gekämpft und gerungen wird mit einer feindlichen Mehrheit, wo wir unser teuerstes Gut, unseren katholischen Glauben, unsere Liebe zur heiligen Kirche und dem Papsttum mit allen Kräften verteidigen müssen. Freilich dringt auf diesen Schlachtfeldern nicht der Donner der Geschütze, das Knattern der Maschinengewehre, noch die Explosionen von Bomben an unsere Ohren, sondern es ist ein Kampf der Geister gegen das katholische Christentum, speziell gegen die katholische Weltkirche, die Trägerin der unverfälschten Wahrheit. Es ist ein Kampf, der auf dem Papier und mit den modernen Medien ausgefochten wird. Schon vor vielen Jahren hat es der unvergessliche Alban Stolz so formuliert: „Auf dem Papier und mit dem Buchstaben kämpfen heute Himmel und Hölle gegeneinander.“

 

So mancher wird fragen: „Ist es denn wirklich so schlimm?“ Diese Frage muss unbedingt bejaht werden. Eine große Flut von Zeitungen, Büchern, Radio- und Fernsehsendungen, Internetnachrichten und vieles andere mehr, die alle mehr oder weniger einer katholikenfeindlichen Tendenz huldigen, ergießt sich täglich über unser Land, über ganz Europa, über die Welt, und manche, die nicht fest in ihrem Glauben sind, hören mit Wohlgefallen diesen sirenenhaften Worten und Lügen zu und werden gleichgültig gegenüber ihren von den Eltern ererbten Glauben oder sie desertieren, sie gehen in das Lager der Feinde unserer heiligen Kirche über. Diese Beobachtungen kann man tagtäglich machen, ohne im Besitz besonders scharfer Augen zu sein. Es ist leider wahr: Ein gewaltiger Zug religiöser Gleichgültigkeit zieht durch unsere Zeit, und ihr ist es zuzuschreiben, dass in so manchen katholischen Familien andersgläubige, ja katholikenfeindliche, wenn nicht gar antichristliche Medien und Meinungen Eingang gefunden haben und noch immer finden. Wenn Katholiken, die vom sogenannten „ZdK“, von „Maria 2.0“, „KfD“, „BDKJ“ und ähnlichen Zusammenschlüssen beeinflusst, sagen: „Ich kenne meine Religion und weiß, was ich zu tun und zu lassen habe“, so ist das ein gefährliches Selbstvertrauen und führt leicht zur Täuschung. Allerdings tragen die katholikenfeindlichen Meinungen und Nachrichten in den Medien ihr Vorhaben nicht immer offen zur Schau, ebenso wenig wie der Teufel stets mit dem Pferdefuß erscheint. Fein versteckt zwischen Artikeln, Nachrichten, Kommentaren und interessanten Geschichten sind die Angriffe und Verleumdungen gegen unseren Glauben, gegen Papst und katholische Kirche untergebracht, oft ist der Text sogar einwandfrei, dann müssen Illustrationen oder irgendwelche Bilder und Filmchen aushelfen.

 

Es wäre m. E. wünschenswert, wenn sich unsere Bischöfe so oft als möglich an ihre Gläubigen wenden und auf die Ausschreitungen der Presse und anderen Medien aufmerksam machen würden, die offen die Lehre unserer heiligen katholischen Kirche bekämpfen. Eltern sollten sich selbst und ihre Kinder schützen vor derartigen Nachrichten und Meinungen, die es darauf abgesehen haben, Glauben und Sitte, Achtung nicht nur vor staatlichen, sondern auch vor kirchlichen Autoritäten zu untergraben.

 

„Los von Rom!“ Das ist der Ruf, der heutzutage überall in unserem Land aus dem Mund vieler Feinde der katholischen Kirche, aber auch katholischer Menschen zu hören ist. Überall wird die Kirche in Wort und Schrift angegriffen, überall schleudert man gegen diese Kirche die niederträchtigsten Lügen und Verleumdungen, überall versucht man die Katholiken loszureißen von Rom, vom Papst, von der katholischen Kirche. Und besonders unsere Bischöfe sollten nichts unversucht lassen, dass bei vielen Katholiken die Liebe zur katholischen Kirche und zu ihrem sichtbaren Oberhaupt, dem Papst, neu entflammt wird.

 

Wie steht es nun aber um die Kämpfer und Bekenner für Gott und seine heilige Kirche? So manch einer hätte hier einen Vorwurf der Teilnahmslosigkeit, der Gleichgültigkeit verdient. Es stände mancherorts besser um unseren katholischen Glauben, wenn Bischöfe, Priester, ja möglichst viele Katholiken, sowie die katholischen Medien, unsere heiligsten Güter ohne Scham und falsche Rücksichten verkündeten.

 

Wie anfangs gesagt: Feinde ringsum! Mögen sie kämpfen gegen unseren Glauben, mögen sie in dummer Vermessenheit den Sturm wagen gegen den Felsen Petri, sie werden an ihm zerschellen wie schon so viele vor ihnen zerschellt sind, denn die Pforten der Hölle werden ihn nicht überwältigen. Hoch oben auf diesem Felsen steht der Papst, von Gott dahingestellt, um mit sicherer Hand das Schifflein der Kirche in dieser kampfvollen Zeit zu regieren, aber auch um die kämpfenden Krieger zu ermuntern. Bilden wir eine feste Gemeinschaft um den Heiligen Vater, den Feinden zum Trotz, der heiligen Kirche und uns selbst aber zunutz. Versuchen wir den Lügen und Verleumdungen über Papsttum und Kirche, die tagtäglich in katholikenfeindlichen Blättern, in Rundfunk, Fernsehen und neuen Medien zu finden sind, entgegenzutreten, durch kräftige Abwehr, durch Unterstützung der katholischen Medien, die sich speziell zum Kampf für Papsttum und Kirche bereitgestellt haben. Nur ein guter Wille ist nötig – und wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.

 

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Unsere Medien - 14. Februar 2021

 

Heute wird Krieg und Frieden von den staatserhaltenden Medien und der öffentlichen Meinung gemacht. Presse, Rundfunk und Fernsehen sind Großmächte in unseren Gesellschaften. Und ihre Bedeutung wird, wie wir es mindestens in den vergangenen sechzehn Jahren deutlich bemerkt haben, immer größer.

 

Die Zeiten, wo sich nur eine Minderheit für Zeitungen oder politische Sendungen im Fernsehen interessierte, sind lange vorbei. Heute redet jeder mit! Alles was in den Nachrichten und Kommentaren daher- oder vorgesagt wird, ist für alle Gesprächsthema. Das ist ja einerseits erfreulich, hat aber auch etwas sehr Bedenkliches. Die Medien machen die öffentliche Meinung und mit dieser muss auch gerechnet werden. Aber, wenn man für diese Meinungsmacher auch noch bezahlt, indem man Abonnements und anderes kauft, dann übernimmt man auch gerne ihre Meinungen. Es hat ja schließlich etwas gekostet. Aber wo soll denn da der Fortschritt bleiben?

 

Nehmen wir einmal die öffentliche Meinung über Religionen, über den Glauben. Passt wirklich jedem Betroffenen der Ton in den Medien? Gefällt das, was gegen die heiligsten Überzeugungen gesagt wird? Würden wir einen Lehrer, einen Erzieher für die Kinder dulden, der permanent die Weltanschauungen anderer verunglimpft? Das würden wir gewiss nicht. Aber es ist Mangel an Mut, der viele Leute beeinflusst. Der katholische Arbeiter oder Angestellte schämt und fürchtet sich ob seines Glaubens vor den Kollegen oder Gewerkschaftlern und unterstützt und kauft deren politischen Murks. In anderen Bereichen ist es kein Haar besser. Wenn die Medien sagen, dass in Washington oder Berlin Demonstranten auf die Staatstreppe rennen, sind das alles Nazis und Verrückte. Wenn Demonstranten randalierend in Weißrussland, Polen oder Ungarn durch die Hauptstädte ziehen, dann ist das tugendhaft und zu unterstützen. Wenn im Fernsehen gemeldet wird, dass ein katholischer Bischof aus Limburg reich und doof ist und eine goldene Badewanne hat, dann wird dies als Wahrheit hingenommen. Wenn ein anderer katholischer Bischof 500.000 Euro für eine Stiftung spendiert, dann wird applaudiert, ohne zu fragen, woher dieser Bischof mal eben ½ Million Euro hervorholen kann.

 

In der Schule eine Jugend heranzuziehen, die der Religion, besonders der katholischen Religion feindlich gegenübersteht, dann noch Medien zu haben, die alles Heilige in den Schmutz ziehen – dann braucht man keinen neuen Kulturkampf, dann stürzen "Thron und Altar" von selbst. Was für eine tolle mediengemachte Welt!

 

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Massenmensch oder Katholik! - 23. Dezember 2020

 

Wenn die Mehrheit der Menschen Massenmenschen sind, könnte die grassierende Pandemie sehr einfach von Herrschenden für ein anderes politisches und gesellschaftliches System genutzt werden.

 

Wie ist der Massenmensch?

 

Er denkt nicht wie der gläubige Katholik von innen, sondern, so dumm und traurig das klingen mag, von außen her. Er denkt, wie „man“ denkt, wie ihm vorgedacht wird. Er denkt nämlich, was er in seiner Zeitung liest, in seinem Radio und im Fernsehen hört. Er ist nur der Lautsprecher der Massenmedien. Das Interesse gehört dem Sichtbaren, Hörbaren, Messbaren und Zählbaren. Was gilt, ist Leistung, nicht Gesinnung, Körper und Sport, nicht Geist, Äußeres und Mode und nicht das Innere. Das Denken gehört dem Augenblick. Wie man ein paar Zeilen in das Schreibprogramm hineinschreibt und das Geschriebene wieder auslöscht.

 

Der moderne Durchschnittsmensch hat es aufgegeben, sich beim Denken anzustrengen. Seine Urteile sind übernommene Schlagworte. Er kann manipuliert und somit benutzt werden.

 

Nicht anders ist es mit dem Handeln des modernen Durchschnittsmenschen. Daran fällt die Betriebsamkeit auf, die Ruhelosigkeit. Das Leben der Arbeit ist Hasten und Jagen. Die Maschine hat den Menschen zu ihrem Diener gemacht, und sie, die selber keine Müdigkeit kennt, hetzt ihn am laufenden Band. Das Leben daheim ist versachlicht und besteht nur noch als Kost- und Schlafgemeinschaft. Das Leben draußen und drinnen ist voller Lärm. Man kann in keinem Restaurant sitzen, in keinem Geschäft umhergehen ohne Begleitmusik, und es darf keinen Sonntag geben, an dem nichts los ist.

 

Die Norm des Handelns ist das Schauen auf die anderen. Wie „man“ es macht, so macht man es auch. Man hat keine Kinder, weil es heute lächerlich, ja umweltschädlich wäre, Kinder zu haben. Man ist zu bequem, um echt zu lieben, denn man will nicht gewinnen, erobern, hegen, sondern genießen. Im beruflichen Leben fehlt die Seele beim Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Oft fehlt auch der Anstand, denn mit Anstand kommt man ja nicht voran. Fremdem Schicksal gegenüber ist man kühl und gleichgültig und dem Alter gegenüber ehrfurchtslos. Die einzige Scheu, die man hat, ist die, sich in der Öffentlichkeit und vor dem Mainstream zu blamieren. So gilt alle Verantwortlichkeit nur vor dem äußeren Erscheinen und nicht vor einer inneren Stimme des Gewissens.

 

Glücklich ist der Mensch nur noch in der Masse, wo er Tausende um sich hat. In diesem Glück und in dieser Masse ist er aber auch und gerade hörig und lenkbar. Er dient dem Mammon. Er dient den Regierenden der Welt. Er dient durch Denunziation und blinden Gehorsam. Und er vergisst, dass er letztendlich ganz alleine vor Gott stehen und gefragt werden wird: Warum hast du dich nach der Masse der Menschen gerichtet und nicht nach Gott? Warum bist du mit dem Strom geschwommen? Warum bist du durch die breite Pforte der Anpassung, der politischen Korrektheit gegangen, und hast die kleine, enge, unattraktive, unbequeme, katholische Pforte missachtet, ja sogar verlacht?

 

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Corona - 30. September 2020

 

„Sondern erlöse uns von dem Bösen.“ (Letzte Bitte des Vaterunser) „Wenn wir darum bitten, vom Bösen befreit zu werden, bitten wir auch um Befreiung von allen vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Übeln, deren Urheber und Anstifter der Böse ist. In dieser letzten Bitte trägt die Kirche das gesamte Elend der Welt vor den Vater.“ (KKK 2854) Wir glauben, dass uns Gott nicht nur vom Bösen befreien will, sondern dass er uns auch nicht in Versuchung führt. Er will uns von der Versuchung befreien. „Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott kann nicht in die Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selbst niemand in Versuchung.“ (Jakobus 1,13) Ist der Spott über den uns liebenden Gott, der sich gegenwärtig überall in der Welt zeigt und jedes bekannte Maß übersteigt, ein Beispiel für das Böse, von dem er uns befreien möge? Kann sich das gefährlich ausbreitende Corona-Virus vielleicht durch Gott für viele Menschen zu einer Chance wandeln, das Böse, die Verächtlichmachung des Glaubens zu bereuen und zu bekämpfen? Was katholischen Christen heilig ist, wird immer öfter in den Schmutz getreten. Es wird gespottet und verhöhnt was das Zeug hält. Allen voran unsere Radio- und Fernsehsender. „Sondern erlöse uns von dem Bösen.“ Erlöse uns, o Herr, von dem Corona-Virus, aber erlöse uns auch von allem Bösen, vor allem von den vielen Gotteslästerungen in unserem Land und in der ganzen Welt.

 

Es gab in der Geschichte eine Situation, in der der Spott gestorben ist: Europa lag im Jahr 1812 zu Füßen Napoleons, nur das russische Reich war noch unbezwungen. Mit einer großen Armee zog Napoleon 1812 nach Osten und war im siegreichen Vormarsch auf Moskau. Als er hörte, dass man im russischen Reich zu Gott betet, dass er Napoleon in seinem Lauf aufhalten möge, sagte der Kaiser: „Mit Gebeten wollen sie mich also schlagen? Nicht Gebete entscheiden zwischen mir und Kaiser Alexander von Russland, sondern meine 500 000 Bajonette. Mit denen mache ich alle Beterei zuschanden.“ Napoleon ist zwar in Moskau eingezogen, musste aber die durch Brand zerstörte Stadt nach fünf Wochen verlassen. Die verfolgenden russischen Truppen und ihre Bundesgenossen, Hunger, Kälte und Seuchen zerrieben die glorreiche Armee des Franzosenkaisers, der im Bauernschlitten dem Heer voran flüchtete. Von den 500 000 Bajonetten blieb nichts übrig als eine abgezehrte und zerlumpte Soldatenschar von nicht einmal 30 000 Mann.

 

Es geht bei den Übeln in unserer Welt, z.B. bei Hungersnöten, bei Krankheiten, bei Naturkatastrophen und auch bei Seuchen nicht zuerst um den Zorn Gottes, der über die Menschheit hereinbricht, sondern das Hauptübel, die Ursache, finden wir beim Zorn gegen Gott, also bei uns Menschen selbst. Der Zorn Gottes kommt sozusagen erst als Antwort auf unseren Zorn gegen Gott. „Die Völker gerieten in Zorn (Apokalypse 11,18), weil sie sich immer weiter von Gott entfernten und weil sie, je mehr sie sich entfernten, um so weniger Gott und seine Absichten gelten lassen wollten. Ein Machtrausch hatte sich ihrer bemächtigt, und sie gingen so weit, Gott selber herauszufordern. Und je mehr sie sich von Gott entfernten, um so mehr waren sie von sich selbst überzeugt, von der Gesellschaft, die sie miteinander bildeten und aufbauten, und die funktionierte. Aber weil Gott nicht mehr da ist, ist auch keine wahre Liebe des Nächsten mehr möglich, schließlich auch keine Achtung mehr vor ihm. Alles muss grundsätzlich übersehbar sein, grundsätzlich an den Tag gebracht werden können. Alles, was den Menschen übersteigt, gehört nicht mehr ihm und muss abgelehnt werden. Da nun aber einmal das Du nicht zu leugnen ist, entsteht eine neue Form der Gemeinschaft: aufgebaut auf dem Grund der gegenseitigen Brauchbarkeit: ganze Völker und Staaten werden auf diesem Prinzip gegründet und nach ihm organisiert.

Es begann mit einer bewussten Ablehnung Gottes, und dann schritt es dahin fort, dass die Kluft zwischen Gott und den Völkern sich so lange vergrößerte, bis die Völker nicht mehr wussten, dass Gott existiert. Wenn sie seinen Namen hören, dann ist es, als hörten sie den Namen eines Begriffs, der für sie längst abgetan ist, dem sie in ihrem Zorn einen neuen Inhalt gegeben haben, nämlich den Inbegriff dessen, was fremd ist, was sie nichts angeht.“

„Dann kam dein Zorn (Apokalypse 11,18). Die Völker hatten in ihrem Begriff Gottes auch irgendeinen kleinen, lächerlichen Platz für den Zorn Gottes aufgespart, so wie man in einem Märchen dem bösen Mann einen Platz offenlässt, obwohl niemand im Ernst daran glaubt. Und nun ist dieses Gespenst doch Wirklichkeit geworden. Der Zorn Gottes ist gekommen. Seine Langmut hat ein Ende genommen. Er kann den Völkern nicht mehr mit Liebe begegnen, weil sie für seine Liebe völlig unempfindlich geworden sind. Nur noch der Zorn kann sie erreichen. Dieser Zorn übertrifft alles, was die Völker sich unter Zorn vorstellen konnten. Von ihrem Zornbegriff aus gemessen ist er eine unglaubliche Übertreibung, etwas, vor dem ihr eigenes Zürnen zu einem Gespenst herabsinkt. Und die ganze Wirklichkeit des Zornes liegt jetzt bei Gott. Die Menschen werden den Zorn Gottes wie das vollkommene Chaos empfinden, und zwar als ein sich steigerndes Chaos, als die immer tiefere Ausweglosigkeit.

 

In der Annahme des Opfers des Sohnes hat Gott immer mehr auf seinen Zorn verzichtet. An sich bräuchten die Menschen nun den Zorn Gottes nicht mehr zu spüren. Aber die Liebe Gottes ist ihnen sogar nach dem Kreuz fad geworden, in ihrer Selbstsucht haben sie nichts mehr damit anzufangen gewusst. Und so ist der Zorn Gottes nicht überholt: er allein kann ihnen noch einen lebendigen Eindruck vom Wesen Gottes vermitteln. Er kann sie erschüttern, bis sie nicht mehr von sich selber zehren können. Das, worin sie selber waren, ihr eigener Zorn, wird durch den Zorn Gottes ersetzt, der ein ganz fremder Zorn ist. Sie werden aufgerissen und wie abgebaut durch den Zorn. Solange sie einen Funken von Liebe besaßen, gab es noch einen schmalen Zugang zu Gott. Jetzt, da der Zorn das einzige ist, was sie mit Gott verbindet, werden sie vor Gott als das Ganzfremde gestellt. Ihr eigener Zorn war ihre Abwendung von Gott: der Zorn Gottes ist das brutale Durchbrechen ihrer Schale, ein Geraubtwerden, ein nur noch Überwältigtwerden. Ein Unberücksichtigtlassen all dessen, was der Mensch einzuwenden hat oder als Antwort bereithält. Diese Überwältigung ist nicht gleichbedeutend mit neuem Kontakt. Der Mensch hatte so lange mit dem Gedanken Gott gespielt, ihm so lange seine eigenen Gefühle und Ansichten geliehen, bis der Faden ganz abriss. Und wenn jetzt die Übermacht Gottes erscheint, dann wird sie vom Menschen nicht mehr erkannt. Es ist die Begegnung im Grauen des Nicht-Verstehens.“ (Adrienne von Speyr, Apokalypse, 378-381)

 

In dem „Leben Adams und Evas“, einem altjüdischen Buch, das nicht zur Heiligen Schrift gehört, wird erzählt, wie Adam am Ende seiner Tage in schwere Krankheit fiel. Da versammelte er all seine Söhne um sein Krankenlager, und diese fragten ihn: „Was ist dir, Vater, dass du uns versammelst? Warum liegst du zu Bett?“ Da sprach Adam: Vor Schmerzen ist mir übel, meine Söhne.“ Und seine Söhne fragten ihn: „Was ist das, Vater, wenn es einem übel ist vor Schmerzen?“ Da sagte Seth, sein Sohn: „Vielleicht verlangt es, Herr, dich nach der Paradiesesfrucht, wovon du aßest, und liegst deshalb so betrübt allhier? Sag es mir! Dann gehe ich nahe zu des Paradieses Pforte hin und streue Sand aufs Haupt und breche in laute Wehklage aus und flehe zu dem Herrn. Vielleicht erhört er mich und sendet seinen Engel, auf dass er von der Frucht mir bringt, wonach du so verlangst.“ Und Adam sprach: „Ach nein, mein Sohn! Danach verlangt es mich nicht. Vielmehr empfinde ich in meinem Leib gar großen Schmerz und große Schwäche.“ Da fragte Seth: „Herr Vater, was ist Schmerz? Ich weiß es nicht. Verhehl es uns doch nicht!“ Da erzählte ihnen Adam von den Tagen im Paradies, wie glücklich sie dort waren und wie sie sich durch ihren Ungehorsam dieses Glück verscherzten. Dann fuhr er fort: „Und Gott ward zornig über uns. So sprach der Herr zu mir: Weil du von meinem Gebot abgewichen und nicht mein Wort gehalten, so bringe ich über deinen Körper siebzig Plagen, mit manchen Schmerzen, vom Kopf, von den Augen und den Ohren an bis zu den Nägeln an deinen Füßen. An allen Gliedern sollt ihr Qual verspüren. All das hat Gott mir zugeschickt und allen denen, die nach mir kommen.“

 

„In seinem Zorn soll Gott richten. Darin liegt eine neue Übersteigerung. Sonst ist der Zürnende unfähig, gerecht zu sein; er schäumt, er ist in einer Art Ekstase des Zornes. Bei Gott dagegen ist die Zeit des Zornes gerade die Zeit der Gerechtigkeit. Er hat mit diesem Zorn zusammen alle Eigenschaften, die ihn zum Richter machen. Gott ist wie eine Sphäre, die auf der einen Seite leuchtend, auf der anderen finster ist, und zwischen beiden Hemisphären gibt es Übergänge. Und die Menschheit würde diese Sphäre umstehen: die einen erblicken nur das Leuchtende, die Liebe, andere nur das Finstere, den Zorn, andere sehen Übergänge zwischen beiden. Nur sind die Eigenschaften Gottes in ihm nicht auseinandergelegt, sondern ineinander enthalten.

 

In der Zeit des Zornes Gottes wird Gott seinen Knechten den Lohn verteilen, den Propheten und den Heiligen, weil in der gleichen Zeit des Zornes der Sohn die Welt erlöst, sie gerade vom Zorn Gottes erlöst, so dass auch Zorn und Erlösung, Gericht und Gnade, gleichzeitig in Gott sind. Der Zorn Gottes ist für uns wie die größte Nähe Gottes zum Sünder, die größte Überwältigung gegenüber der Welt, und so ist er für Vater und Sohn auch die Zeit der größten Nähe zur Welt und so die Zeit des Erlösungsbeschlusses. (Adrienne von Speyr, Apokalypse, 381)

 

O Gott, du stößt niemand zurück, sondern wirst in liebevollem Erbarmen durch Buße selbst mit dem größten Sünder versöhnt; so blicke denn gnädig auf unser demütiges Rufen und gib unseren Herzen Licht, damit wir deine Gebote erfüllen können. Durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir lebt und herrscht in der Einheit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Tägliches Gebet zu U. L. Frau vom Guten Rat in schweren Anliegen

 

Gedenke, o wundertätige Mutter vom Guten Rat, wie viele du vor deinem Gnadenbild schon erhört hast, wie Tausende die Macht deiner Fürbitte erfahren haben, Tausende durch dich aus den großen Gefahren des Leibes und der Seele, aus der größten Bedrängnis gerettet worden sind. Von solchem Vertrauen beseelt, eile ich in allen meinen Kümmernissen zu dir und flehe aus der Tiefe meines Herzens zu dir. O lass, wenn die Not am größten, deinen Rat am nächsten sein. Wenn die Menschen nicht mehr zu raten wissen, lass deines Rates mich teilhaftig werden, der auch das schlimmste zum Guten wendet, der alle beglückt, die ihn befolgen. Ganz besonders aber bitte ich dich um die erste Gnade, dass ich allezeit Gottes heiligen Willen erkenne und vollbringe.

 

(Hier betet man neun Ave Maria)

 

O süße Mutter Maria, diese neun Ave Maria opfere ich dir auf durch die Hände der heiligen Engel. Biete du sie der allerheiligsten Dreifaltigkeit als Gabe an. Amen.

 

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Bodo Ramelow am 4. März 2020 erneut zum Ministerpräsidenten von Thüringen gewählt! - 10. März 2020

 

Ein Kommunist als Ministerpräsident eines Bundeslandes der Bundesrepublik Deutschland ist scheinbar nichts, worüber man sich aufregen muss. Sogar Mitglieder der Christdemokraten haben daran nicht viel auszusetzen. Es wird vergessen, dass der Kommunismus dafür steht die Religion auszurotten, weil sie sein stärkster Feind ist. Die Tatsachen seines Kampfes gegen die Religion in der Vergangenheit sind heute nur noch bruchstückhaft bekannt. Wer macht die Menschen auf die Gefahr aufmerksam, die heute mehr als vieles andere - mehr als das aggressive Corona-Virus - das Wohlergehen der Menschheit bedroht? Wir haben es erfolgreich aus unserer Erinnerung gefegt, dass 3 Millionen Litauer, 30 Millionen Polen oder 300 Millionen Chinesen seiner Gier zum Opfer fielen. Wir wissen nicht zuletzt aus den Zeiten der Sowjetunion und der „DDR“, der Kommunismus will die Welt, und das heißt, er will auch uns, jeden von uns. Wir wissen auch, dass er diesem Ziel heute durch Globalisierung und Gottlosigkeit in der westlichen Welt so nahe ist wie nie zuvor, dass die Macht des Widerstandes gegen ihn abbröckelt, auch weil er aktuell unter diversen neuen Namen wiederaufersteht, so dass schon morgen wir an der Reihe sein können.

 

Aber wir sind uns allem Anschein nach immer noch nicht über das Wesen dieser kommunistischen Bedrohung im Klaren. Man hört sehr viel von den Gefahren des Verlustes von Märkten und von Rohstoffquellen, von „menschengemachten Klimaveränderungen“ und Weltwirtschaftskrisen. Gewiss sind dies Gefahren, aber sie kommen erst in zweiter Linie. Am schwersten bedroht sind Wahrheit und Freiheit, das heißt die Freiheit des Menschen, Mensch zu sein, die Wahlfreiheit (auch in Thüringen), die Freizügigkeit der Rede und der Gedanken ohne Gesinnungsschnüffelei durch Regierungsbehörden und staatstreue Medien, die Freiheit der Gottesverehrung ohne Beschimpfung und Verächtlichmachung durch Einsortierung in bestimmte „erzkonservative“ Schubladen durch politisch korrekte öffentlich rechtliche Radio- und Fernsehsender. Wo immer die Kommunisten an die Macht kamen, haben sie diese Freiheiten vernichtet und sind dabei durch Ströme von Menschenblut gewatet. Eine verlogene Weltanschauung zwingt sie dazu, eine Weltanschauung, die dem Menschen alle Rechte abspricht außer jenen, die der allmächtige, von der kommunistischen Partei geleitete Staat ihnen zugesteht.

 

Seit ihren ersten Anfängen in Russland im Jahr 1917, seit der „Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“, wie ich es in der Schule als korrekte Formulierung gelernt habe, haben die Kommunisten unaufhörlich versucht, ihre Opfer physisch und psychisch zu versklaven. Dass die Kommunisten nicht einmal vor dem Versuch der Einverleibung kleiner Kinder haltmachen, habe ich mit meiner Schwester am eigenen Leib erfahren. Ich wurde im Jahr 1960 in eine „Zehnklassige polytechnische Oberschule“ in Berlin-Lichtenberg eingeschult. Meine Schwester war schon in der dritten Klasse. Da wir beide aus religiösen Gründen nicht Mitglieder in der alles dominierenden Pionierorganisation waren, durften wir montags früh nicht mit den anderen Kindern auf den Schulhof gehen, weil dort der Fahnenapell stattfand. Das eiserne Tor schloss sich vor unseren Nasen und öffnete sich für uns erst wieder nach dieser abartigen, afterreligiösen Zeremonie. Wir durften unter Gejohle und Spott der anderen über den Schulhof in unsere Klassenzimmer gehen. Der erste Angriff der Kommunisten galt immer der Religion, dem mächtigen Bollwerk der Freiheit, dem Symbol und Ausdruck der geistigen Kräfte, die für ihre Auffassung vom Menschen als einem mechanischen und materiellen Gefüge, als einem bloßen Zahn im Räderwerk des Staates, eine Herausforderung bedeuten. Russland war den Kommunisten – auch unter meinen Lehrern – Versuchsobjekt und Vorbild für ihren Kampf gegen die Religion. Man griff direkt an, tötete die führenden Menschen, bemächtigte sich der Schulen, der Presse, der Laienorganisationen, der Krankenhäuser, der karitativen und kulturellen Einrichtungen und begann mit atheistischer Propaganda. Die Kommunisten dachten, dieser Kampf sei leicht, aber sie machten die Rechnung ohne die menschliche Natur. Nach vielen Jahrzehnten noch waren die Russen unverwandelt religiös. Man änderte die Strategie. Eine sogenannte orthodoxe Kirche wurde in Russland wieder zum Leben erweckt, eine kommunistisch gelenkte, in jeder Hinsicht gefügige Körperschaft. Zunächst diente sie den Kommunisten dazu, der übrigen Welt vorzutäuschen, Kommunismus und Religion seien miteinander vereinbar. Dann zogen sie mit ihrer Hilfe die Schlinge um die russische Seele noch enger und verbreiteten ihre falschen Lehren durch Tausende geschulter Kommunisten, die sich als Priester in die orthodoxe Kirche einschmuggelten. Und schließlich war sie ihnen Mittel zur inneren Spaltung der orthodoxen und katholischen Kirche in den Satellitenstaaten, so dass sie zu Waffen gegen die übrigen Konfessionen wurden. Das Wesen dieser kommunistisch beherrschten Kirche brachte der Rat der orthodoxen Kirche Amerikas im Dezember 1950 ans Licht. Bei der Tagung in New York verdammte er die antireligiöse, materialistische Lehre des Kommunismus, verordnete die Streichung des Namens des kommunistischen Patriarchen Alexei aus allen Gebeten und befahl Gebete für die Patriarchen, Bischöfe, Geistlichen und die ganze leidende orthodoxe Kirche Russlands.

 

Keine Religionsgemeinschaft, weder in Russland noch in einem Satellitenstaat, entging den Kommunisten. Die Bedeutung der einzelnen Konfessionen eines Landes, ihre Widerstandsbereitschaft und -kraft waren ausschlaggebend für Intensität und Zeitpunkt der Verfolgung. Juden, Orthodoxe, Protestanten, Katholiken, Moslems und Buddhisten haben in gleicher Weise gelitten.

 

In den meisten osteuropäischen Ländern fanden erst nach dem ersten Weltkrieg tiefgehende politische und gesellschaftliche Umwälzungen statt. Doch kein Volk versuchte, die traditionelle Stellung der Religion grundlegend zu ändern. Das System der engen freundschaftlichen Zusammenarbeit auf den Gebieten der Erziehung, der sozialen Fürsorge und des kulturellen Lebens entsprach dem Willen der Bevölkerung, ungeachtet der Religionszugehörigkeit im Einzelnen. Leben und Religion waren wie die Wurzeln eines Baumes ineinander verflochten. Gewisse Gruppen, hauptsächlich Freimaurer und Antiklerikale, die im Rahmen demokratischer Gesellschaften wirkten, suchten sie zu entflechten und zu trennen. Aber diese Gruppen standen später mit den verfolgten Gläubigen in einer Front im Kampf für die fundamentalen Menschenrechte gegen den kommunistischen Versuch, die Religion zu untergraben.

 

Der kommunistische Kampf gegen die Religion in Russland ist weitgehend durch Berichte und Akten belegt. Aber die Geschichte der Satellitenstaaten, seit der Eiserne Vorhang sich zwischen ihnen und der 1989 noch weitgehend freien Welt wieder öffnete, ist bis jetzt nur in Bruchstücken geschrieben. Denn viele Hauptzeugen sind bereits verstorben oder sind durch den Widerstand einer gefährlichen politischen Korrektheit zum Schweigen verurteilt. Den Kommunisten ist kein Preis zu hoch für die Vernichtung der Religion. Ohne Gewissensbisse haben sie Millionen von Menschenleben geopfert, die Kultur von Jahrtausenden, die in den sozialen und kulturellen Verbänden der großen christlichen, jüdischen und muslimischen Religionsgemeinschaften Russlands und der Osteuropäischen Satellitenstaaten, in den Schulen, Krankenhäusern, Bibliotheken, Klöstern, Kathedralen und Kunstwerken bewahrt wurde und Ausdruck fand. Genauso vernichteten sie in China Volksbildung und Volksfortschritt, die die Religionsgemeinschaften in einem Jahrhundert aufgebaut haben. Solange sie unbestritten Herr sind, ist ihnen Unwissenheit, Armut und Krankheit lieber. Dass es aber in diesem Kampf doch nicht gelang, die Menschen zum materialistischen Atheismus zu bekehren, verdient vor allem Erwähnung. Hunderte von Millionen Menschen wuchsen in tiefster geistiger Unwissenheit auf, und das wenige, das sie lernen konnten, vermochten sie nicht klar zu erfassen. Aber Gefängnis, Trennung von Haus und Hof und Freunden über das ganze russische Reich hinweg rotteten die Religion nicht aus. Diese grundlegende Tatsache lässt mehr noch als die bewaffneten Streitmächte der noch freien Welt hoffen, dass der Kommunismus auch in Zukunft nicht triumphieren wird. 

 

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