Tröstliches in dem Namen "Maria!"

 

Aus: Das betrachtete heilige Magnifikat von Benedikt Höllrigl, Wien: Braumüller, 1865

 

Wie uns die Offenbarung lehrt, hat der himmlische Vater seinen eingeborenen Sohn zu unserer Erlösung Mensch werden lassen und ihm Maria, die unbefleckt empfangene Jungfrau, zur Mutter eingesetzt: damit sie auch gänzlich und vollkommen an ihm die Rechte und Pflichten einer Mutter übe. Das ist eine der Hauptursachen, warum die heilige Muttergottes im Magnifikat gesungen hat: „Mein Geist frohlockt in Gott meinem Heiland!“ – weil nämlich der Gottmensch Jesus Christus, der Heiland der Welt, ihr Kind und sie seine Mutter gewesen ist.

 

Wie tröstlich und freudenvoll muss es also für uns sein, dass Jesus Christus, unser Heiland und Seligmacher, sich den Händen Marias überlassen hat! Wir dürfen uns daher nicht mehr wundern, dass die ganze Christenheit den Herzensdrang fühlt, Maria um ihre Fürbitte bei Gott anzurufen und sie zu verehren als Unsre Frau, Unsre Mittlerin, Unsre Fürsprecherin; denn in aller Wahrheit können wir bezeugen und müssen wir frohlocken: „Unser Heil liegt in den Händen Marias!“

 

Ein Schriftsteller älterer Zeit – Petrus Crinitus mit Namen – erzählt: dass bei den alten Römern das Urteil, das über die schuldigen Verbrecher auf den Tod lautete, nur mit dem Buchstaben R bezeichnet war. Dieses R bedeutete das Wort „Reus“, das so viel hieß als „des Todes schuldig!“ Dieser Buchstabe galt darum als ein Unglückszeichen, vor dem ein jeder Verbrecher zurückschauderte. Wenn aber dem Schuldigen Gnade geschenkt wurde, dann setzte man zu dem Buchstaben R noch den Buchstaben A hinzu. Dieses A bedeutete das Wort „Absolutus“, das so viel heißt als „freigesprochen!“ Dieser Buchstabe galt darum als ein Rettungszeichen, dem der Losgesprochene dann entgegenjubelte. Nun sieh einmal den Namen Maria an! Auch dieser Name führt ein R in seiner Mitte, diesen Unglücksbuchstaben, der da für einen jeden armen Sünder bedeutet: „Reus mortis! Er ist des Todes schuldig!“ Aber es steht auch der andere Buchstabe A dabei, der die Freudenbotschaft „Absolutus, das heißt Lossprechung“, verkündigt; und zwei Mal erscheint er in dem heiligen Namen Maria, damit wir desto mehr Versicherung haben können: dass in diesem Namen die Schuldigen Gottes Huld und Barmherzigkeit finden werden, indem Maria unsere Mittlerin ist bei Jesus Christus, ihrem geliebten Sohn, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Denn unsern Heiland nennt sie „mein“, er ist ja ihr Eigentum und Besitz geworden. Wer also Maria findet, „der findet das Leben und schöpft das Heil vom Herrn!“ (Sprichwörter 8,35)