Räume, Festlichkeiten und so maches Gebäck im Kloster

 

1680 war es unter der Äbtissin Maria Benedikt Gräfin Schrattenbach in Göß nötig, die Striezelverteilung“ am 7. November zu untersagen, da die Pest im Land war. Bei der Striezelverteilung hatten immer 6000-8000 Arme Brote erhalten, was gewiss bemerkenswert ist. Zur Verteilung hatten sich die Armen in der sogenannten Stiftsstube eingefunden. Da es interessieren wird, welche Namen die einzelnen Räume des Klosters damals besaßen, so sei erwähnt, dass man im Nonnenkloster zu Göß ein Musikantenzimmer, ein Doktorstübel, ein Portnerstübchen, einen großen Saal, eine Tafelstube, ein hohes Zimmer, ein Fürstenzimmer usw. usw. kannte. Ein Gartenhäuschen nannte man das Ziergärtlein der Äbtissin. Auf der Dienerwiese war ein großer Kessel, in dem das Kraut für die Untertanen „abgeprellt“ wurde. Außerdem hatte das Kloster eine Bibliothek, eine Kapelle, ein Sprechzimmer, einen Friedhof und viele Huben in der Umgebung. Um noch einmal auf die genannte Pestzeit anno 1680 zurückzukommen, sei bemerkt, dass in der heutigen Pfarrkirche zu Waasen in Leoben noch ein Pestlöffel zu sehen ist, mit dem man den Pestkranken das heilige Abendmahl reichte, um die Hostie nicht mit der Hand zum Mund führen zu müssen. Jede Nonne erhielt bei ihrer Einkleidung in Göß eine Puppe: das Jesuskindlein, ihren „Bräutigam“. Dieser Puppe durfte jede Nonne ihren etwaigen Schmuck umhängen und bis an ihr Lebensende behalten. In einer Inventur des Klosters Göß vom 16. Jänner 1728 werden zwölf solcher geschnitzter Jesuskindl genannt. Bei einer Jubelprofess, die 1733 die Äbtissin Maria Mechthildis Gräfin Bertold (1706-1737) in Göß abhalten konnte, war u.a. ein „Beschauessen“, bestehend aus Torten, Pasteten und Zuckerwaren, gemacht von Frau Thiwaldin in Loeben, auch ein schöner „Glückshafen“ wurde aufgerichtet. Worin der bestand, besagt der Chronist nicht, wohl aber erzählt er, dass man mit Orgel, Pauken und Trompeten das Fest verherrlichte und dabei eine ganze Startin Wein getrunken wurde. Zugleich nahm man die Jungfernweihe vor und firmte man die „Kostfräulein“. Dem erschienenen Bischof verehrte die Jubilarin eine Jakobus-Statue, vergoldet, mit einem Gehäuse, das mit Samt überzogen war. Ferner erhielt der oberste Seelenhirte der Diözese ein silbernes „Lavoir“, ein silbernes Schreibzeug und ein mit Silber beschlagenes Buch. Dem Fest folgte ein „mannswürdiges Schießen“ und alle Bedienten des Klosters wurden beschenkt.

 

Bei der Wahl der Äbtissin Maria Henrika Reichsgräfin von Poppen (1754) erschienen zwei „Brautführer“ (Begleiter). Es waren der Domherr Saurau und der Priester Baron Kuglmayer. 1767 wird von einer Schwester Bonaventura Michaela zu Göß erzählt, dass sie die „Apotheke und das Aderlassen hat lehren lassen“, was sie dem Stift als ein „Kapital“ zugebracht. 1757 war der Schwager und die Schwester der Äbtissin Henrika zu Göß und verehrten der gnädigen Frau „eine goldene Tabatiére, so 23 Dukaten wog“. 1759 wurden die Lamentationen in der Karwoche mit zwei Stimmen gesungen. 1763 war eine Visitation in Göß, vorgenommen vom Grafen Perlas Vilana. „Es ist bei seiner Ankunft“, sagt der Chronist, „der ganze Hof des Klosters beleuchtet worden. Und wo er hinging, wurde ihm überall mit zwei Windlichtern geleuchtet, also dass eine Menge Wachs und Inslet aufgegangen.“ Man hat ihn (den Visitator) auch mit Schießen, Trompeten und Pauken empfangen. „Der Aufwand bei dieser Affaire war ziemlich kostbar. Haben auch zwei Bauern ihr Leben eingebüßt, weil die Untertanen so lange in großer Kälte unter freiem Himmel den Grafen erwarten mussten, sind also vor Kälte gestorben.“ Das Stift, erzählt die Chronik weiter, hat von dieser Visitation nicht den mindesten Nutzen erworben. Es ist dabei also zu bemerken, dass man sich bei künftig ergebender Gelegenheit nicht so leicht in so großen Aufwand und Unkosten soll sprengen lassen. 1761 ist zu allen Chorzeiten mit den Konventglocken „geklenkt“ worden. In demselben Jahr kam der Bischof von Seckau, Graf Firmian, nach Göß und ist mit Ablösung der Geschütze, Läuten aller Glocken, Trompeten- und Paukenschall empfangen worden. Zu Mittag war „Tafelmusik“ und unter dem Gesundheittrinken“ wurden Freudenschüsse abgefeuert. 1764 wurden anstatt der hölzernen Teller zinnerne eingeführt. 1773 wurden einige Stiftsbräuche abgeändert, um die Ausgaben zu verringern. Es wurden im Fasching nur mehr zwei sogenannte „Mahltage“ (Tafeln) gehalten, vorher waren es vier. Anstatt zwei Pfund gelbes Wachs wurde nur mehr ein Pfund verabreicht. Der Beichtvater, der vordem zwei Viertel Wein erhielt, musste sich mit einem zufrieden geben. Der mit dem Namen „Gartias“ betitelte Extrawein wurde ganz kassiert. Die Kapläne erhielten am Namenstag der Äbtissin ein großes Körbchen voll Konfekt, ab 1773 nur mehr ein kleines und etwas weniger „Muncva“. Das sogenannte Margareten- oder Thomasgeld wurde aufgehoben. Es sind bei dieser „Reduktion“ auch die gewöhnlichen Weindeputate „abgekommen“. Ab 1774 sind die Osterflecken, Weihnachtsflecken und Allerheiligenstriezel beim Stift Göß kleiner gemacht worden, ebenso die „Rauchfleggen“, „Eierfleggen“ und „Kräuterfleggen“, die man teils ganz aufhob. Die Pferde hat man von zwölf auf neun reduziert. Auch hat das „Konfektmachen“ aufhören müssen. In oben genanntem Jahr sind alle Totengrüfte und Begräbnisse in den Kirchen „abgeboten“ worden. Am 13. Dezember genannten Jahres erfloss eine neue Stolaordnung. 1775 ist die sogenannte Normalschule eingeführt worden.