Die strenge Klausur und die Pflege der Kultur in Klöstern

 

Unter der Äbtissin von Göß, Regina von Schrattenbach (1602-1610), wurde die erste strenge Klausur eingeführt. In früheren Zeiten besuchten die Äbtissinnen auch den Landtag. Die Nachfolgerin Regina von Schrattenbachs war Margareta Freiin von Khuenberg (1611-1640). Ihre Eltern waren protestantisch. Im Alter von 18 Jahren kam sie nach Göß, wahrscheinlich, um hier eine Erziehung zu genießen. Gegen den Willen ihrer Eltern nahm sie den Nonnenschleier. Ihr Bruder Hans Jakob, Hofmarschall des Erzherzogs Karl in Steyr, versuchte alle Mittel, um sie davon abzubringen, den Schleier zu nehmen!

 

Diese Äbtissin führte ein, dass beim Essen im Konvent strenges Schweigen beobachtet würde. Es durfte nur durch das Gebet und Lesungen unterbrochen werden. Das Mitnehmen von Speisen aus dem Refektorium wurde gleichfalls untersagt. Niemand durfte außerhalb der festgesetzten Zeit Speise und Trank zu sich nehmen. Verschied eine Äbtissin, wurde sie in ihrem gewöhnlichen Habit in der Flocke in einer Kapelle beigesetzt, wo sie drei Tage verblieb. Während dieser Zeit hat der Konvent bei Tag und Nacht psalmiert. Am vierten Tag wurde eine Leichenpredigt gehalten. Der Todesfall wurde dem Erzbischof von Salzburg berichtet. Ihre gewählte Nachfolgerin, Johanna Gräfin Kollonitsch (1640-1657), bat kniefälligst, man wolle von ihrer Wahl absehen, doch der gesamte Konvent sprach ihr zu, die Wahl anzunehmen. Auch diese Äbtissin war im evangelischen Glauben erzogen worden. In ihrem 19. Lebensjahr trat sie zum Katholizismus über und 1623 kam sie ins Kloster nach Göß. 1629 empfing sie die Profess und zugleich die Benediktion, weil die Bauern im Land ob der Enns „rebellisch“ geworden waren und man im Kloster sich Sorgen machte, der Konvent werde von Göß flüchten müssen. Den 21. Juli 1640 wurde diese Äbtissin Konfirmiert. Die Konfirmation war die feierliche Bestätigung der Wahl durch den kirchlichen Vorgesetzten, sie erfolgte im Parlatorium der Abtei: dreimal wurde ausgerufen, ob jemand gegen die Wahl etwas einzuwenden habe. Meldete sich niemand, wurde die Neugewählte zum Schwur gegen die Simonie herangezogen. Der Konfirmation folgte die Weihe, bei der Torsten (Fackeln, von Edelknaben getragen) brannten. Die Untertanen mussten die Reichssteuer leisten. – 1643 wurde zu Göß die erste Apotheke errichtet. Die Klosterapotheke barg eine Sammlung heilsamer Kräuter. Auch „mineralische Medizinen“ kannte man. Vielfache Verwendung fanden zerriebene Edelsteine(!). Die „Mischungen“ besorgte eine Frau, die „Apothekerin“, die Tränklein und Pulver verabreichte und Wissenschaft von den Symptomen einzelner Krankheiten haben musste.

 

Nach den Bestimmungen des Konzils von Trient durfte kein Mädchen vor dem vollendeten 16. Lebensjahr in ein Kloster aufgenommen werden. Kaiserin Maria Theresia bestimmte 1770, dass man erst im Alter von 18 Jahren in einem Kloster Aufnahme finden durfte. Jede Aufgenommene musste eine Probezeit ablegen: das Noviziat. Bei der Profess erhielt die Novize das Ordenskleid. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts hatte sich in Benediktiner-Frauenklöstern der Missbrauch bemerkbar gemacht, dass sich die Nonnen gleich weltlichen Frauen lange Haare wachsen ließen. Papst Klemens IV. (1265-1268) erteilte dem Erzbischof Ladislaus den Auftrag, den Missbrauch unter Anwendung von Kirchenstrafen abzustellen. Über dem Schleier trug jede Nonne den Unterschleier. Die Flocke oder Cuculla ist das Ordenskleid gewesen. Zuerst trug es nur die Äbtissin, später, im 17. Jahrhundert, wurde dieses Kleid für alle Nonnen eingeführt, jede erhielt es bei der Profess. Der Sturz, im Mittelalter „Aufleger“ genannt, war ein leichter Schleier aus schwarzem Wollstoff. Leintücher und „Pfaidten“ mussten aus Wolle sein, wie eine Visitation am Nonnenberg 1581 besagte.

 

In den Klöstern besorgte man nützliche Arbeiten aller Art. Einige fertigten künstliche Blumen an, andere führten den Pinsel. Nonnen besorgten damals auch den Unterricht bei der weiblichen Jugend, sie waren Erzieherinnen, kannten fremde Sprachen, so dass die Klöster also Kulturstätten waren, die unabsehbaren Nutzen stifteten, der sich freilich in Zahlen nicht nachweisen ließ, aber moralisch auf der Hand lag. Auch die lateinische Sprache wurde von den Nonnen gepflegt. Der Erzbischof von Salzburg bestimmte 1640 eine Nachmittagsstunde zur Erlernung des Lateins in Nonnenklöstern. Weiter wurde Choral und Musik eifrig hinter den Klostermauern gepflegt. Die Orgel wurde von Nonnen in Frauenklöstern bedient. Die Kononsen oder Laienschwestern mussten die niederen Dienste besorgen, die Gärten bearbeiten, die Hühner beaufsichtigen, es werden eigene „Hühnermädels“ genannt, auch „Hühnerdirndl“ hießen sie. 1777, sagt die Chronik, wurde bei einer Jubelprofesstafel eine Pastete in der Gestalt eines Auerhahnes aufgetragen, gemacht von einer Bauerstochter, die in Göß „Hühnermädel“ war.

 

Den armen Studenten zu Leoben wurden vom besagten Stift jährlich 31 fl. 12 kr. Gegeben, den Dominikanern gab man am Florianitag zwei gelbe Vierting Kerzen, ein Pfund Haar und 2 fl. in Geld bar. Das Gleiche wurde auch nach Trofaiach, Veitsberg und in das St. Elisabeth-Spital in Leoben abgegeben. In der Hofküche durften 300, in der Konventküche 150 Hühner gehalten werden. Zu Ostern gab man rote Eier und den Eierkäs hinaus, diese Bräuche verloren sich aber, als die Zeiten schlechter geworden waren, im 18. Jahrhundert. 1679 wurden unter der Äbtissin Maria Benedikt Gräfin Schrattenbach (1657-1695) Öfen in den Konventzellen gesetzt, vorher hatte man in den Zellen keine Öfen. Wahrscheinlich machten die strengen Winter im Steirer Oberland diese Neuerung notwendig. 1683 hatte es die Arbeiterschaft Obersteiermarks auf die Güter der Jesuiten u. dgl. abgesehen. Selbst die Bürger fürchteten um ihr Hab und Gut. Die „Spitaler Kathl“, eine fromme Frau, riet dem Bürgermeister von Leoben, Paul Egger, er möge wegen der drohenden Gefahr (Türkennot) eine Wallfahrt nach Maria-Zell anordnen.