Die Großeltern

 

Joachim und Anna, der Gottesmutter Eltern, des Jesusknaben liebe Großeltern, waren auch in Nazareth. Sie bewohnten weiter drinnen in der Stadt ein Haus mit breiten Gängen, hohen Fenstern und vielen Türen. Sie hatten sich aber schon von der Welt zurückgezogen in ihre Stuben und lebten nur noch glückselig alle die Freuden mit, die sich im Leben ihrer erwählten Tochter zutrugen. Ein alter Diener und eine Magd hielten das Haus in Ordnung und umsorgten sie. Joachim und Anna taten viel Gutes an den Bresthaften und Armen, sie konnten all ihr Erspartes drangeben, denn Maria hatte nichts davon mit sich genommen, nur ihre Mädchenhabe, ihre Kleider, ihre Blumentöpfe, ihr Bibelbuch. Der Jesusknabe war natürlich die Sonne, die den sich niederneigenden Tag Joachims und Annas noch mit Morgenfrische und Hoffnung belebte. Wenn sein Lächeln in den Stuben aufblühte, wenn seine Stimme so silbern durch den Bass der Alten jauchzte, wenn seine Ärmchen Großvaters Hals umschlangen wie es alle Enkelkinder so zärtlich können, wenn der liebe Mund Großmutter anbettelte um ein Geschichtchen, ei da war es in Joachims und Annas Seele so voll Glück! Drum brachte Maria ihr Kind oft zu den Eltern und auch Josef ging sonntags gerne mit hin. Was gab es aber auch in Großelterns Haus Köstliches zu beschauen. Eine weiße Miezekatze hatte Jesus zwar selbst, aber der Dackelhund und der Papagei! Dann die Spieluhren und Großvaters Flöte. Er blies sie jubelnd, mit Trillern darin wie ein Jüngling. Schränke waren da, bemalte und schön eingelegte mit Sternen und Blumen. Kästen mit Schubladen und Lädelchen. Truhen mit Polstern zum Sitzen, Kommoden, auf denen Leuchter standen mit Kerzen, die manchmal vor Bildern und Figuren niedergebrannt wurden. Muhme Anna sah sich dann wohl noch selbst in der Küche um, dass ja die Milch für den Liebling dick war und süß, dass der Kaffee für die Großen aufs Beste bereitet wurde. Die Magd legte ein schneeweißes Linnen auf den runden Eichentisch. Mitten darauf kam der bunte Strauß, den Jesus und Maria von zu Hause mitgebracht hatten. Und wenn es Sonntag war, dann wurden Waffeln, Pflaumenkuchen und Honigzelten, alles nach alten, bewährten Rezepten bereitet, auf blinkenden Zinntellern aufgestapelt zum Sich-gütlich-tun. Joachim und Josef freilich, die griffen lieber bei Speck, Käse und Brotlaib zu und tranken hin und wieder ein Schöppchen herben Weines. Die treuen Dienstboten saßen beim Vesper mit an dem runden Tisch und freuten sich auch in ihrem dankbaren Herzen des Knaben. Wenn man aufbrach, gab es ein Abschiednehmen voll Wehmut und Freude aufs Wiederkommen. Das Kind wurde noch von den faltigen Händen gekost und auf den süßen Mund geküsst. Maria lag ihrer Mutter in den Armen, dass sie den Herzschlag ihrer Seligkeit recht verspüren konnte. Anna, die Mutter, war aber auch die einzige, die um Marias Sorge wusste, um ihres Herzens wehes Zucken, um ihre Träume von Schwert und Blut.

Im Städtchen brannten schon die Gaslaternen, als die Drei heimwärts gingen. Vor dem Stadttor war alles voll Zauber eines schönen Sommerabends. Der Mond hielt Sternenparade ab, die Felder lagen im Frieden, vom Bach herauf duftete schlaftrunken die Minze. Und siehe da, von dem Gebüsch herbei kamen in Scharen die leuchtenden Käferlein, umkreisten die heiligen Eltern und das Kind und zogen wie eine liebliche Lichtprozession ihnen voran nach Haus. Das Kind schlug die Händchen aneinander und seine Freude weckte die Lerche wach, die am Kornfeld schlief, so dass sie, von großer Lust getrieben, sich zum Himmel schwang. Josef und Maria beteten laut den Abendpsalm und als sie das Törlein zu ihrem Garten aufklinkten, sagten sie Amen, Amen.