7. Maiandacht - Maria, meine Waffe


Im Jahr 1212 besiegte Alphons IX., mit dem Beinamen der Adelige, der bis dahin in seinem Wappen nur die Türme von Kastilien und den Löwen von Lyon trug, die Feinde in einer großen Schlacht. Diesen Sieg schrieb man in ganz Spanien dem Schutz der heiligen Jungfrau zu. Schon flohen die Spanier, der Halbmond hatte die Oberhand - - da wird die Fahne mit dem Bild der schmerzhaften Muttergottes entfaltet und der Tag gehört den Christen. Du warst meine Waffe, o Maria, rief der siegreiche Held, darum gehöre auch dir mein ganzer Dank!

So sollen auch wir, liebe Christen, sprechen und wir müssen es, wenn wir unsere Erfahrung befragen, die uns belehrt, dass wir so oft durch die Fürbitte Mariens, durch ein Gebet zu ihr, durch die Anrufung ihres Namens über unsere Feinde gesiegt haben. Maria, dein Name ist meine Waffe, ruft der heilige Alphonsus, und der heilige Petrus Chrysologus sagt: Maria ist eine Waffe, mit der wir immer siegen.

Welch ein Mut soll uns daher begeistern, liebe Christen, und wie furchtlos sollen wir den Weg der Tugend gehen, da wir in Maria, der allerseligsten Jungfrau, eine alles besiegende Waffe haben, in Maria, die deshalb die heilige Kirche als die Helferin der Christenheit verehrt! Auch von der Himmelskönigin können wir getrost sagen, wie von ihrem göttlichen Sohn: Wenn Maria für uns ist, wer kann dann gegen uns sein? – Aus diesem Grund sagt auch der heilige Germanus: Wer, o Mutter der Barmherzigkeit, trägt wohl nach deinem Sohn größere Sorge für unser Wohl, als du! – Wer verteidigt uns wohl in den Widerwärtigkeiten dieses Lebens gleichwie du? Wer schützt die Sünder, wer kämpft so zu sagen für sie gleichwie du? Dein Beistand ist kräftiger und siegreicher, als jede irdische Waffe!

Ja, Maria ist meine Waffe und zwar im Krieg und im Frieden!

Nicht umsonst sagt Hiob: Des Menschen Leben ist ein Kampf auf Erden, ein Kriegsdienst, denn jeder von uns weiß es nur zu gut, dass das Himmelreich Gewalt leidet und nur die Gewalt brauchen, es an sich reißen. Wir haben verschiedene Feinde, die uns unaufhörlich bekriegen und niemals in Frieden lassen. In uns selbst ruht ein feindseliger Stoff, der als Folge der Erbsünde auch nach der heiligen Taufe noch in uns zurückgeblieben ist, ein gewisser Hang zum Bösen, der immer gegen das Gute ankämpft, so dass selbst der Apostel sagte, obwohl ich ein anderes Gesetz in mir fühle, so treibt es mich dennoch immer wieder an, das Böse zu tun. – Augenlust, Fleischeslust und Hoffart des Lebens stehen immer in geordneter Schlachtreihe gegen uns und sind jeden Augenblick bereit, uns anzugreifen und zum Fall zu bringen. – Böse Menschen peinigen uns durch Verfolgungen und Verleumdungen aller Art und treten aus Zulassung Gottes wahrhaft feindlich gegen uns auf. – Auch haben wir es nicht bloß mit den Menschen zu tun, sondern nach des Apostels Wort mit den unsichtbaren Geistern der Lüfte. Endlich erhebt sich der Herr gleichsam wie ein Feind gegen uns und stellt uns auf die Probe durch vielfache Prüfungen und schwere Heimsuchungen, damit es offenbar werde, wie es in der Heiligen Schrift heißt, ob wir ihn lieben oder nicht.

Mitten in diesem heißen und schweren Kampf, rings von inneren und äußeren Feinden umgeben, von Versuchungen aller Art umdroht, in diesem immerwährenden Streit auf Leben und Tod steht der Christ während seines ganzen Lebens bis hin zu jenem Augenblick, wo man über seiner Leiche betet: Herr, gib ihm die ewige Ruhe! Er steht jedoch nicht wehrlos, hilflos, nicht ohne Waffe da! – Jene ist seine Waffe, deren Name den schwachen Willen stärkt, die Bosheit böser Menschen vernichtet und den Teufel vertreibt; jene, deren Kraft alle Versuchungen zerstreut, alle Geister der Lüfte verjagt und alle Heimsuchungen gottergeben ertragen lässt; jene, von der es im Hohenlied heißt: Wer ist die, die wie die aufsteigende Morgenröte hervorkommt, schön wie der Mond, auserkoren wie die Sonne, und furchtbarer wie ein geordnetes Heerlager, wie ein in Schlachtreihe aufgestelltes Heer? – Maria! – Darum ruft auch der heilige Epiphanius: Wenn die Hölle Maria in deinem Herzen sieht und ihren Namen von deinen Lippen hört, so schließt sie ihren Flammenabgrund und alle Teufel, die sie zu deinem Verderben absendete, kehren beschämt zurück. – Darum ermahnt uns ein großer Verehrer Mariens, P. Segneri, indem er die Worte des Apostels erklärt: Kämpfe wie ein guter Soldat Jesu Christi: Ein solcher trägt keine andere Waffe als die Andacht zu Maria, ein solcher führt kein anderes Schwert, als das Ave Maria, weil er sich nur dann einen Soldaten Jesu Christi nennen kann, wenn er dessen Mutter hochverehrt und liebt. Sein Helm ist der Name Maria, sein Panzer ist die Liebe Mariens, sein Schild ist die Fürbitte Mariens; so bewaffnet wird er jeden Feind besiegen und in keinem Streit unterliegen und am Ende seines Lebens mit seligem Bewusstsein sagen können: Ich habe einen guten Kampf gekämpft, darum ist mir hinterlegt die Krone der Gerechtigkeit.

Willst du den Frieden, so rüste dich zum Krieg, heißt ein sehr kluger Lebensgrundsatz, der beweist, dass man, um Ruhe zu genießen, nicht die Waffen ablegen darf, sondern immer gerüstet dastehen muss. Dann nur erhält man den Feind stets in gehöriger Achtung und er wagt keinen Angriff. Dies gilt auch auf dem Gebiet des geistigen Lebens; denn die Seele wäre verloren, die erst dann die Waffen suchen und ergreifen wollte, wenn der Feind sie überfällt. Auch zur Zeit des Friedens, auch zur Zeit, wo die Leidenschaften ruhen, die Versuchungen schweigen und der Teufel sich zurückzieht, darf man die Waffen nicht aus den Händen legen. Denn immer bleibt es wahr, wie es in der Heiligen Schrift heißt: Mein Sohn, willst du Gott lieben, so mache deine Seele auf Versuchungen gefasst und gerade je ruhiger es vorher ist, desto heftiger und heißer wird der Kampf, wenn er losbricht.

Als der tapfere Kriegsheld Sigwart, Herog von Northumberland, im Jahr 1505 in eine schwere Krankheit fiel, hielt er es mit seinem so oft bewiesenen Mut nicht für verträglich, den herannahenden Tod im weichen Bett zu erwarten; er wollte mit den Waffen in der Hand sterben. Er ließ sich demnach im Vorgefühl seiner letzten Stunde von seinen Leuten mit all den Waffenstücken ausrüsten, welche er sonst in der Schlacht zu tragen gewohnt war, setzte sich in einen Lehnstuhl, zog sein Schwert – und gab seinen Geist auf.

So soll ein jeder Christ den Feind, der seiner Seele den Tod bringen will, kampfgerüstet erwarten; auch er soll zur Zeit des Friedens und der Ruhe nicht im weichen Bett des Leichtsinns, der Trägheit und Lauigkeit liegen bleiben, sondern im beständigen Vorgefühl, dass der Feind umso heftiger angreift, die Versuchungen umso heißer und die Kämpfe umso schwieriger werden, je länger die Seele zuvor unversucht blieb, sich im Kampf üben, für den Angriff gerüstet halten und die Waffen nicht aus den Händen lassen.

Wie der Todesengel an jenen Häusern vorüberging, deren Türen mit dem Blut des Lammes bezeichnet waren, so wird auch der böse Feind jene Herzen verschonen, in denen er die Liebe zur Mutter des göttlichen Lammes erblickt. Maria ist die Waffe, die den Feind besiegt, der wirklich angreift; Maria ist die Waffe, die den Feind abhält und zurückschreckt, der angreifen will. Ehre deine Mutter alle Tage deines Lebens, heißt es in der Heiligen Schrift, also auch an jenen Tagen, in denen du in keiner Versuchung und Not, in keiner Prüfung und Heimsuchung bist und ihrer besonderen Hilfe nicht bedarfst, auch in den Tagen der Gewissensruhe und des Herzensfriedens. Warum? – Weil du gerade da deinen Glauben an die allmächtige Fürbitte Mariens befestigen, deine zuversichtliche Hoffnung, dein unerschütterliches Vertrauen auf sie bestärken musst durch fleißiges Gebet, durch Besuch ihrer Kirchen und Wallfahrtsorte, durch Lesen ihrer wunderbaren Gnadenwirkungen, durch Einschreiben in ihre Bruderschaften, durch Tragen ihrer geweihten Medaillen, durch besondere Feiern und Feste. So wird dein Herz durch Maria im Frieden bewaffnet sein, wie es im Krieg durch sie immerdar siegt, denn niemand grüßt sie umsonst und vergebens: Maria, meine Waffe!

Im Jahr 1388 drang eine Armee von Brabantern in das Herzogtum Geldern und verheerte dort alles mit Feuer und Schwert. Der Herzog hatte weder Leute noch Geld, den Feind zurückzutreiben. Seine Räte waren der Meinung, er solle sich in eine seiner Festungen einschließen. Unwillig verwarf er dieses feige Ansinnen. Nicht in Stadt noch Schloss will ich mich einschließen und mein Land brennen lassen, sagte er; lieber sterbe ich auf dem Feld. Nach dieser ritterlichen Antwort wappnete sich der junge Herzog zum Kampf. Bevor er aber Nymwegen verlässt, betet er noch andächtig vor dem Bild der heiligen Jungfrau, zu der er großes Vertrauen hat und lässt seine und seiner Ritter Waffen von ihr segnen. Nach geendigtem Gebet besteigt er sein Ross, um mit viertausend Lanzen einem Heer von viertausend Mann entgegen zu gehen. Im Angesicht des Feindes suchen die Räte des flämischen Fürsten, erschrocken über das Missverhältnis der Zahl, noch immer ihn vom Kampf zurückzuhalten. Aber der Herzog, die Hand aufs Herz gelegt, spricht: Hier sagt mir etwas, dass der Tag mein ist. Auf denn, lasst mein Banner wehen und wer Ritter sein will, trete vor: ich mache ihn dazu zur Ehre Gottes und Unserer Lieben Frau. Ihr überlasse und übertrage ich meine Sache. Sie ist meine Waffe! Vorwärts, vorwärts! –

Und der tapfere, junge Herzog sprengte in den Feind mit dem Ruf: Unsere Liebe Frau! Geldern! – Die Brabanter, aufs Haupt geschlagen, verloren siebzen Fanen, „Ihr könnt sie finden, sagt Froissard, vor dem Bild Mariens von Nymwegen, damit es zum ewigen Gedächtnis sei.“ Nach der Schlacht sagte der Herzog: „Ich habe heute vor dem Kampf Unserer Lieben Frau von Nymwegen gelobt, dass unsere erste Sorge sein soll der Dank, den wir ihr für den Sieg schuldig sind“, und er sprengte mit seinen Rittern fort, um der Mutter Gottes seinen Dank abzustatten und seine schartigen Waffen und die zerbrochene Rüstung in ihrer Kapelle aufzuhängen. Amen.