29. Maiandacht - Maria, meine Krone


Zweimal wurde der Klarenberg, auf dem sich das berühmte Gnadenbild Mariens zu Czenstochau in Polen befindet, von den feindlichen Schweden im Jahr 1656 und 1657 belagert. Aber die Himmelskönigin beschützte immer auf wunderbare Weise den heiligen Ort. Die beiden Könige von Polen Kasimir und August II. berichteten diese wunderbare Rettung durch Maria nach Rom an den Papst und Klemens XI. befahl zur Danksagung, das Gnadenbild feierlich zu krönen. Diese Festlichkeit ging am 8. September 1717 vor sich. Ungeheuer war der Zudrang des Volkes, so dass sich während acht Tagen die Zahl der Kommunikanten auf 143.300 belaufen hat und noch immer währt der Zug des polnischen Volkes dahin.

Dies ist ein schwaches, weil ein irdisches, Bild von der wirklichen Krönung Mariens im Himmel, von jener Krone, die in der Ewigkeit ihr Haupt umglänzt und die sie sich von Gott und uns erwarb. Aus diesem Grund wohl lässt nicht nur der heilige Bernhard in seiner Predigt am Himmelfahrtsfest Mariens den Herrn der heiligen Jungfrau zurufen: Mit Ruhm und Ehre habe ich dich gekrönt, sondern es gibt ihr der heilige Methodius auch denselben Ehrentitel, womit wir sie heute begrüßen wollen: Maria, meine Krone!

Ein sinnreicher Maler wollte einst einem Mächtigen dieser Erde eine Ehre erweisen und malte auf sein Bild eine Menge Kronen mit der Unterschrift: Dem Himmel bleibt die letzte! Er gab ihm dadurch zu verstehen: All diese Kronen haben Eure Majestät jetzt in den Händen und auf dem Haupt, die herrlichste aber haben Sie erst in der künftigen Welt zu erwarten. – Fast dasselbe Bild ist in dem Brief zu finden, den der heilige Paulus an seinen vertrauten Jünger Timotheus geschrieben: Ich habe einen guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt, im übrigen ist mir hinterlegt die Krone der Gerechtigkeit, die mir geben wird der Herr an jenem Tag, der gerechte Richter! 2 Tim 4.

Wie herrlich muss erst die Krone sein, mit der Gott Maria gekrönt hat am Tag ihrer Himmelfahrt, am Tag der Freude ihres Herzens, da sie auf Erden schon in diesem sterblichen Leben nicht eine, sondern viele Kronen sich verdiente! – Was hat sie anders durch ihre jungfräuliche Reinigkeit verdient von jenem Gott, der einen Trunk kalten Wassers ihm zulieb gegeben, nicht unbelohnt lässt, als eine Ehrenkrone von schneeweißen Lilien! Was gebührte ihr für das lebenslange, schmerzhafte Martertum, als ein Kranz von purpurnen Rosen! – Durch ihren Eifer in der Sorge und Bewahrung der jungaufblühenden Kirche erwarb sie sich die Krone der Bekenner und ein Lorbeerkranz geziemte ihr für die vielen Siege, die sie in Verteidigung des menschlichen Geschlechts und der christlichen Kirche errang! Was gebührte ihr als einer von Gott selbst erwählten Königin? Die goldene Krone. Was als einer Mutter der Barmherzigkeit? Ein Kranz von Ölzweigen. Was als einer gnädigen Schutzfrau aller Auserwählten? Eine Krone von Perlen und Edelsteinen. Aber neben all diesen Kronen erwartete sie noch eine Herrlichkeitskrone im Himmel, die ihr Gott mit den Worten verlieh: Komm vom Libanon, meine Braut, du sollst gekrönt werden!

Diese Krone der Herrlichkeit aber ist nicht von Lilien und Rosen, nicht von Ölzweigen und Lorbeerblättern gemacht und nicht von Gold und Edelsteinen, sondern sie ist eine Krone von zwölf Sternen, mit welcher Krone sie ihr Pflegesohn, der heilige Johannes, in seiner geheimen Offenbarung wirklich gekrönt sah: Ein großes Zeichen erschien am Himmel, eine Frau mit der Sonne bekleidet, den Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen. Diese Krone setzte ihr der allmächtige Gott selbst auf das Haupt.

Es ist wunderbar, wie vielerlei Kronen der menschliche Ehrgeiz ersann, um die Häupter der Fürsten zu ehren und zu krönen. Die Römer bedienten sich anfänglich der Myrten und Eichen, der Lorbeer- und Ölzweige. Die Fürsten Babylons nahmen Rosen und Lilien; die Armenier trugen künstlich gemachte Binden. Die Inder waren die ersten, die ihre Kronen von Gold machten. Amasis tat zu dem Gold auch Edelsteine hinzu. Sapor, König von Persien, hielt sich für keinen Menschen, wie die anderen, sondern er meinte, er wäre vom Himmel herabgekommen, weshalb er sich selbst den Titel gab: König der Könige, Bruder der Sonne und des Mondes, Fürst der Sterne. Er ließ sich daher eine Krone von lauter goldenen Sternen und glänzenden Strahlen machen. Die Ägypter zierten ihre Kronen mit Drachen, Nattern und Schlangen. – Doch auch im Himmel gibt es verschiedene Kronen für die, die regelmäßig kämpfen, sowie auch verschiedene Throne und Plätze dort sind. In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen, sagt Jesus Christus, und der ehrwürdige Beda spricht von den Heiligen: Sie bekommen ihre Kronen nach Beschaffenheit ihrer Würdigkeit und Verdienste, teils weiße wegen der Jungfräulichkeit, teils rote wegen des Martyriums.

Das Haupt der Himmelskönigin aber schmücken all diese Kronen, weil sie die Krone der Auserwählten ist. Sie hat die Krone der Römer und Babylonier, weil von ihr die heilige Kirche singt: Es umgaben sie die Rosen und die Lilien der Täler. Sie besitzt die Krone der Inder, denn der weise Sirach spricht: Eine goldene Krone war auf ihrem Haupt, worauf das Zeichen der Heiligkeit und die Herrlichkeit ihrer Würde. Es fehlt ihr nicht die Krone von Edelsteinen, denn diese zeigt uns David in seinen Psalmen: Du hast gesetzt auf ihr Haupt eine Krone von Edelsteinen und weil sie sich mit mehr Wahrheit, als Sapor, die Königin aller Könige, die Gebieterin der Sonne und des Mondes, ja schön wie der Mond, auserwählt wie die Sonne, eine Fürstin der Himmelsgestirne nennen konnte, entbehrt sie auch nicht die Krone Persiens mit den zwölf Sternen. Unter den Drachen, Nattern und Schlangen verstehen die heiligen Väter den Teufel, weshalb die Heiligen gekrönt werden, weil sie dessen Haupt in den Versuchungen zertreten. Wer aber hat den Satan mehr zertreten und erdrückt, als de Himmelskönigin, von der Gott selbst sagt: Sie wird der Schlange den Kopf zertreten? – Und somit besitzt Maria auch die ägyptische Krone. Sie hat demnach alle Kronen, die der menschliche Verstand ersonnen, es bleibt nur noch die letzte im Himmel; was nun dies für unvergängliche Kronen der Herrlichkeit seien, die die unergründliche Weisheit der göttlichen Majestät erdacht, um das heiligste Haupt der Mutter seines Sohnes damit zu ehren und zu krönen, das auszudrücken ist unmöglich, weil der Prophet Jesaja und der heilige Paulus sagen: Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört und in keines Menschen Sinn ist es gekommen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Und wer hat je ihn mehr geliebt, als seine heilige Mutter?

Kaiser Karl der Große hat sich mit drei Kronen krönen lassen; mit einer silbernen zu Aachen als König der Deutschen und zu Mailand mit der eisernen als König von Italien. Endlich hat ihn Papst Leo III. im Jahr 801 zu Rom mit der goldenen Krone als römischer Kaiser gekrönt. Nicht bloß mit drei, sondern mit vielen Kronen wurde Maria von Gott gekrönt wegen ihrer erhabenen Stellung im Himmel und auf Erden; zwei Kronen jedoch leuchten und glänzen auf ihrem heiligen Haupt, die sie sich von uns erwarb.

David singt von Maria: Gott, der dich gekrönt hat mit Liebe und Erbarmen, weil du mütterlich liebst die Gerechten und mitleidsvoll dich erbarmst der Sünder! – Cölius Rodiginus erzählt, Alexander der Große habe, als Lysimachus im Krieg an der Stirn eine Wunde empfing, sich selbst die kostbare Binde, die zu jener Zeit die Könige anstatt der Kronen zu tragen pflegten, vom Haupt genommen und sie zum Verbinden des Verwundeten hergegeben. O wie verschwindet jedoch dieser Zug königlicher Liebe gegen die Mutterliebe Mariens, mit der sie für ihre Kinder sorgt und wacht! Wahrhaftig, liebe Christen, wir, die wir sie lieben und verehren und nach Kräften uns bestreben, sie nicht zu betrüben, sind nach des Apostels Wort ihre Ehrenkrone. Ist es denn nicht, als setzte sie gleichsam ihre Ehre darein, uns mit ihrer Liebe und Huld zu umfassen, uns mit Gnaden und Wohltaten zu umfangen, uns mit dem goldenen Reif des königlichen Diadems ihrer Sorgfalt und Barmherzigkeit zu umgeben? – Der trete kühn hervor, ruft der heilige Bernhard, und höre auf sie zu lieben, der behaupten kann, er habe Maria angerufen und sei von ihr verlassen worden, denn immer und ewig bleibt sie die Hilfe der Christen, das Heil der Kranken und die Trösterin der Betrübten, denn immer und ewig bleibt es wahr, dass es keine Wunde gibt, die ihre Liebe nicht verbindet und keine Träne, die ihr Mitleid nicht stillt, aber auch keinen Sünder, den ihr Erbarmen nicht wieder zu Gott führt, wenn er zu ihr flieht!

Gonsalvus von Barcelona wurde vom Ehrgeiz und Durst nach hohen Taten nach Amerika getrieben, um dort in der damals neu entdeckten Welt sich zu bereichern und zu einer hohen Stellung hinaufzuschwingen. Als Gonzalez Pizarro den Versuch machte, das spanische Amerika dem Kaiser Carl V. zu entreißen, hielt er es mit diesem Rebellen, und kämpfte gegen seinen rechtmäßigen Fürsten. Er wurde General, wurde aber in einer Hauptschlachtmit Pizarro im Jahr 1548 geschlagen und konnte nur durch schnelle Flucht sein Leben retten. Er hielt sich einige Tage verkleidet in Wäldern auf und fristete mit genauer Not sein Leben. Da vernahm er an einem Sonntag Morgens die Glockentöne einer ziemlich nahen Kirche und fühlte sich davon so ergriffen, dass er es sich nicht versagen konnte, dem heiligen Messopfer beizuwohnen. Doch wie groß war seine Bestürzung, als von der Kanzel herab eine Verordnung des Vizekönigs verlesen wurde, welche allen Rebellen gegen den Kaiser Verzeihung verhieß, nur ihm allein nicht. Er wurde für vogelfrei erklärt und dem Tod verfallen. Voll der Sorge, dass etwa die Angst und der Schrecken, die ihn erfassten, und die Blässe seines Gesichtes ihn verraten könnten, zog er sich in eine kleine Kapelle zurück, wo ein der allerseligsten Jungfrau geweihter Altar stand. Dort warf er sich vor dem Bild Mariens nieder und flehte in der Stille, aber aus der Tiefe des Herzens, zur Mutter der Gnade, der Zuflucht aller Sünder, um Rettung aus der selbstverschuldeten Not. Da kam ihm plötzlich ein lichter Gedanke, ein großartiger Entschluss stieg auf in seiner Seele. Er verließ die Kirche, wanderte durch dichte Wälder und unbewohnte Täler und erreichte endlich glücklich die Hochgebirge der Kordilleras. Dort wählte er sich eine Felsenhöhle zur Wohnung, wo er mit Waldfrüchten sein Leben fristend in den Übungen der Reue und Buße seine bisherigen und künftigen Wege bedachte. Er verkündete dann den einheimischen Indianern, in deren Sprache er schon geübt war, das Evangelium und weihte sich diesem Werk mit solchem Mut und Erfolge, dass in kurzer Zeit die Nachricht davon bis in die Hauptstadt von Peru, nach Lima gelangte. Nun beeilte sich der Vizekönig ihn zu begnadigen und zurückzurufen. Doch Gonsalvus blieb bei seinen Indianern, ihnen den Weg zum Heil zu zeigen und ihre Kranken zu pflegen, bis er gottselig sein Leben beschloss.

Das, liebe Christen, ist eine einzige unter den Millionen Seelen, die Maria gerettet; wenn aber der heilige Simeon Salus, als er den Geist aufgeben wollte, von dem Engel Gottes eingeladen wurde, nicht nur eine einzige Krone, sondern so viele Kronen von Gott dem Allmächtigen zu empfangen, als er Seelen auf den Weg der Seligkeit gebracht hatte, welche Freudenkrone, welche vielfache Herrlichkeitskrone wird erst auf dem Haupt derjenigen glänzen, die wir heute begrüßen: Maria, meine Krone?

Umleuchtet von diesem Glanz lasst uns demütig jener schönen Worte gedenken, die der heilige Papst und Martyrer Klemens kurz vor seinem seligen Ende zu vielen anderen Christen sagte, die bereits die Martern litten: Nicht durch meine Verdienste hat mich Gott der Herr zu euch gesendet, um eurer Kronen und Verdienste teilhaftig zu werden, - und bitten wir die allerseligste Jungfrau Maria, die Krone der Auserwählten, die Liebeskrone der Gerechten und die Barmherzigkeitskrone der Sünder, dass sie uns, wenn auch nicht wegen unserer eigenen Verdienste, doch wenigstens wegen ihrer und ihres Sohnes Verdienste, teilhaftig werden lasse der unvergänglichen Kronen ihrer Herrlichkeit. Amen.